Fehlende Lkw-Fahrer Spediteure warnen vor "Versorgungskollaps"

Sie transportieren alles, was das Land braucht - doch Arbeitsbedingungen und das Image des Berufs schrecken den Nachwuchs ab: 60.000 Lkw-Fahrer fehlen derzeit deutschlandweit. Spediteure schlagen Alarm.

Lkw-Fahrer bei der Arbeit auf der Autobahn 7 (Archivbild)
Bodo Marks/DPA

Lkw-Fahrer bei der Arbeit auf der Autobahn 7 (Archivbild)


Rund 60.000 Arbeitsplätze als Lastwagenfahrer sind in Deutschland aktuell frei. "Wir stehen in Deutschland und Europa vor dem Versorgungskollaps, denn wir finden keine Fahrer mehr", sagte Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, am Dienstag in Berlin.

Die 560.000 Fahrer, die bei den Speditionen in Deutschland angestellt sind, seien im Schnitt älter als 50 Jahre. Jedes Jahr gingen 30.000 Kollegen in Rente - doch Nachwuchs gibt es kaum. Ein geringes Ansehen des Berufs, schlechte Arbeitsbedingungen und die Aussicht auf autonomes Fahren schreckten viele junge Menschen ab, so Engelhardt.

"Der deutsche Fernfahrer steht unter hohem Stress und enormen Termindruck", sagt Klemens Bruch, früher selbst Fernfahrer und heute Anwalt, im SPIEGEL-Interview. "Mal kurz rausfahren und einen Kaffee holen ist nicht. Dann hat der Fahrer gleich seinen Chef am Apparat. Er solle die Termine einhalten. Und wenn er das nicht leisten kann, kommt sicherlich das Argument, dass es billigere Fernfahrer auf dem Markt gibt als ihn."

Doch der Wind scheint sich zu drehen. Inzwischen habe auch die osteuropäische Konkurrenz Nachwuchsschwierigkeiten, sagt Dirk Engelhardt. Um mehr Fahrer anzuziehen, böten viele Unternehmer mehr als den Tariflohn. Der Verband setze sich außerdem ein für bessere Bedingungen auf Parkplätzen und an Verladestellen, Visa-Erleichterungen für ausländische Fahrer und für mehr Frauen am Steuer.

Trotz Digitalisierung würden Fahrer gebraucht, betonten die Spediteure. 2018 hätten zwar 3600 Lehrlinge ihre Ausbildung begonnen. Das sei aber nur ein "Tropfen auf den heißen Stein".

Im Video: Nicht ohne meinen Truck - Lkw-Fahrer als Beruf

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him/dpa



insgesamt 139 Beiträge
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lacrimae_mundi 14.05.2019
1. Schiene
Es fehlt nicht an Fahrern, es fehlt am politischen Willen und entsprechenden Konzepten und Infrastruktur, die Gütertransporte auf die Schiene zu verlagern.
syracusa 14.05.2019
2. zahlt faire Löhne und schafft menschenwürdige Arbeitsbedingungen
Was kann man den Spediteuren schon anderes raten als faire Löhne zu zahlen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu schaffen? Die Misere ist zu 100% selbstverschuldet, Mitleid ist vollkommen unangebracht, staatliches Handeln nicht erforderlich.
RalfHenrichs 14.05.2019
3. Wie wäre es,
mit höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen? In einem anderen SPON-Artikel lese ich doch die Lügen-Studie der IAB, dass es das Zeitalter der Arbeitnehmer gibt. Warum also nicht hier beginnen?
hartamwind 14.05.2019
4. ich bin untröstlich
Dann sollten Firmen wieder Lager einrichten anstatt "justinTime" die Autobahnen als Lager zu missbrauchen. Eisenbahntransporte wären auch eine Hilfe.
Fragende_Leere 14.05.2019
5. Ist bestimmt wieder Fachkräftemangel
Lasst doch einfach mal die Regale im Supermarkt leer und erklärt, dass die Waren mangels Fahrer nicht verteilt werden konnten. Oder zahlt den Fahrern einfach mehr. Oder arbeitet nur mit Speditionen, die gut zu ihren Fahrern sind. Wie? Geht nicht? Dann hört auf zu jammern!
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