Die aktuelle Stellenanzeige London sucht einen Nacht-Zar

Sie feiern gern bis in die frühen Morgenstunden? Dann gibt es den perfekten Job für Sie. Die Stadt London sucht jemanden, der das Nachtleben der Metropole auf Trab bringt.

Feuerwerk über Big Ben
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Feuerwerk über Big Ben


London will nicht mehr schlafen. Seit Kurzem fährt die U-Bahn in der britischen Hauptstadt am Wochenende auch nachts - was einer kleinen Revolution gleich kommt. Und nun sucht die Stadt auch noch einen Nacht-Zar. KarriereSPIEGEL zitiert den Text und kommentiert die Anzeige.

Der Bürgermeister von London sucht Großbritanniens ersten Nacht-Zar, um Londons Zukunft als 24-Stunden-Stadt zu sichern. Der Nacht-Zar soll für die Werte von Londons Nachtkultur eintreten und gleichzeitig die Wirtschaft ankurbeln.

Als Zar wurden Monarchen im vorrevolutionären Russland und zeitweise auch in Bulgarien und Serbien bezeichnet. Lassen Sie sich davon nicht beirren: Den Titel hat sich Londons Bürgermeister Sadiq Khan nur ausgedacht, um den Job glamouröser erscheinen zu lassen. In Wahrheit gibt es den Posten in Amsterdam, Toulouse, Zürich und Paris schon länger - dort wird er Nachtbürgermeister genannt. Ob Zar oder Bürgermeister: Bei diesem Job geht es darum, den Stadtvätern zu berichten, was los ist, wenn sie im Bett liegen. Und zwischen Feiernden, Anwohnern, Kneipenbesitzern und Politikern zu vermitteln.

Der Nacht-Zar wird mit dem Bürgermeister, der Nachtleben-Kommission, lokalen Behörden, Unternehmen, der Polizei, dem Verkehrsunternehmen und anderen Agenturen zusammenarbeiten.

So spaßig sich der Posten anhört, er hat einen ernsten Hintergrund: Die Zahl der Klubs hat sich in Großbritannien in den vergangenen zehn Jahren fast halbiert. Und weniger Klubs heißt weniger Einnahmen, weniger Steuern, weniger Arbeitsplätze. Deshalb hatte schon Kans Vorgänger Boris Johnson die sogenannte Nachtleben-Kommission gegründet.

Der Nacht-Zar braucht Führungsqualitäten, ein öffentliches Profil, Überredungskunst, ein tiefes Verständnis für die wirtschaftlichen Belange der am Nachtleben beteiligten Unternehmen und die Fähigkeit, in einer politischen Umgebung zu arbeiten.

Als Nacht-Zar werden Sie es nie allen recht machen können, egal, wie sehr Sie sich anstrengen. Und viele werden gar nicht verstehen, was Sie überhaupt von ihnen wollen. Wenn Sie wissen wollen, ob Sie das Zeug dazu haben, versuchen Sie es mit diesem Praxis-Test: Gehen Sie am Freitagabend um 3 Uhr nachts nüchtern in die schlimmste Kneipe, die Ihnen einfällt und überreden Sie eine Gruppe Besoffener dazu, jetzt sofort nach Hause zu gehen.

Der Posten wird zunächst für ein Jahr geschaffen und wird 2,5 Tage pro Woche in Anspruch nehmen.

Die 2,5 Tage sind natürlich von Freitagabend bis Montagfrüh. Als potenzieller Nacht-Zar sind Sie in dieser Zeit ja ohnehin immer auf Kneipentour. Der Unterschied ist nur, dass Sie in Zukunft dafür bezahlt werden. Für den Job gibt es ein Jahresgehalt von 35.000 Pfund, umgerechnet rund 41.000 Euro. Bei rund 52 Wochenenden im Jahr macht das 673 Pfund (rund 777 Euro) pro Schicht. Klar, Sie arbeiten an diesen 2,5 Tagen auch rund um die Uhr, was den Stundenlohn ziemlich drückt. Aber dafür sparen Sie auch den Eintritt in all die angesagten Klubs, in die Sie ohne den schönen neuen Job-Titel gar nicht erst reingelassen werden würden.

Bewerber werden gebeten, einen Lebenslauf und ein Anschreiben einzureichen. Aus dem Lebenslauf sollen bisherige Anstellungen, öffentliche Ämter und Qualifikationen hervorgehen, zudem sollten zwei Ansprechpartner genannt werden, die bereit sind, eine Empfehlung auszusprechen. Lebenslauf und Anschreiben sollten nicht mehr als vier Seiten umfassen.

Nur vier Seiten! Die sind natürlich schon voll, wenn Sie nur das vergangene Wochenende beschreiben. Aber da müssen Sie jetzt durch. Sie können sich ja die besten Anekdoten fürs Vorstellungsgespräch aufheben. Der Termin für die Auswahlgespräche steht auch schon fest: am 21. September, natürlich im Londoner Rathaus. Wer eingeladen werden will, hat noch bis zum 12. September Zeit, seine Unterlagen einzusenden.

vet

insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
LJA 31.08.2016
1. Da besteht
wohl ein Mißverständnis. Der Londoner Nacht-Zar soll die Leute nicht um 3 Uhr morgens dazu überreden nach Hause zu gehen. Ganz im Gegenteil, er soll die Nachtschwärmer, die dann schon auf dem Weg nach Hause sind, dazu überreden, doch noch etwas länger weiter zu machen. Das ist der Unterschied zu praktisch allen deutschen Städten, die ihre Zentren am liebsten in Kurzonen mit Ausgehverbot ab 21:00 verwandeln wollen.
BlogBlab 31.08.2016
2.
Na endlich ein neues Jobangebot für Wowereit!
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