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Dienstkleidung bei der Lufthansa: Ins Cockpit nur mit Uniform

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Streit um Pilotenmützen "Die Uniform ist unentbehrlich"

Lufthansa-Piloten müssen keine Mützen mehr tragen, haben Richter entschieden. Aber brauchen sie überhaupt noch Uniformen, wo sie zu Passagieren doch ohnehin kaum Kontakt haben? Unbedingt, sagt Mode-Expertin Elisabeth Hackspiel-Mikosch.
Zur Person
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Elisabeth Hackspiel-Mikosch ist Professorin für Modetheorie mit Schwerpunkt Modegeschichte an der Akademie Mode & Design in Düsseldorf.

KarriereSPIEGEL: Frau Hackspiel-Mikosch, die Lufthansa darf ihren Piloten nicht mehr vorschreiben, dass sie eine Uniformmütze tragen müssen. Das hat das Bundesarbeitsgericht gestern entschieden. Brauchen Piloten denn überhaupt noch eine Uniform? Die Passagiere bekommen sie doch ohnehin kaum zu Gesicht.

Hackspiel-Mikosch: Die Uniform ist unentbehrlich. Sie strahlt Autorität und Sicherheit aus. Die dunkle Farbe wirkt beruhigend, hat aber auch fast schon etwas Strenges, Militärisches. Das signalisiert dem Fluggast, dass er dem Träger vertrauen kann, auch wenn er den Kapitän nur kurz durch die geöffnete Cockpit-Tür oder beim Aussteigen sieht. Die Wirkung auf Passagiere ist aber nur eine Aufgabe, die eine Pilotenuniform hat.

KarriereSPIEGEL: Welche Funktion hat sie noch?

Hackspiel-Mikosch: Sie stellt sicher, dass der Flugbetrieb reibungslos abläuft. Vor allem im Notfall ist eine strenge Hierarchie wichtig: Jeder muss auf Anhieb erkennen, wer Steward, First Officer und Kapitän ist. Im Zweifel gibt Letzterer die entscheidenden Befehle. Abgesehen von der äußeren Erscheinung gibt es aber auch eine Wirkung nach innen.

KarriereSPIEGEL: Was meinen Sie damit?

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Hackspiel-Mikosch: Der Mensch verhält sich der Uniform entsprechend. Das können Sie an sich selbst beobachten: In Abendkleidung haben Sie eine andere Haltung als im Jogginganzug. Man identifiziert sich durch eine Uniform leichter mit seinem Amt oder sogar mit seiner Firma. Das ist hilfreich für den Träger und natürlich auch im Sinne des Unternehmens.

KarriereSPIEGEL: Seit wann tragen Flugzeugcrews Uniform?

Hackspiel-Mikosch: Schon seit den Dreißigerjahren, als die ersten Passagierflugzeuge aufkamen. Sie wurden von der Marine übernommen, genauso wie die Streifen, an denen man den Dienstgrad des Trägers erkennt. Übrigens haben auch die Mützen ihren Ursprung beim Militär. Durch sie konnte man schon von Weitem erkennen, mit wem man es zu tun hat. Deshalb bedeutet das Urteil zu den Pilotenmützen schon einen Einschnitt in der Uniformgeschichte. Mit der Kopfbedeckung geht ein wichtiges Hierarchiezeichen verloren.

KarriereSPIEGEL: Und was machen die Piloten dann ohne Mütze?

Hackspiel-Mikosch: Das wird sich zeigen. Kann schon sein, dass gerade unerfahrene Passagiere sie mit dem Steward verwechseln und nach einem Kaffee fragen. Andererseits: Die Richter haben ja nur verboten, dass für Piloten und Pilotinnen unterschiedliche Regeln gelten. Die Mütze könnte nun also auch für Frauen verpflichtend werden. Sinnvoll wäre das schon. Grundsätzlich ist eine Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Beruf wünschenswert und dringend vonnöten.

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