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31. Mai 2016, 18:36 Uhr

Bis zu 100.000 Euro

Lufthansa-Piloten zahlen Ausbildung künftig allein

Neue Regeln für angehende Piloten bei der Lufthansa: Die hohen Kosten für ihre Ausbildung tragen sie künftig allein - und starten unter Umständen mit bis zu 100.000 Euro Schulden in den Beruf.

Bei der Lufthansa müssen Piloten ihre Ausbildung in Zukunft komplett selbst bezahlen. Anders als bisher wird sich das Unternehmen daran nicht mehr beteiligen, teilte ein Sprecher am Dienstag mit. Die Flugschüler können aber ein Volldarlehen aufnehmen. Außerdem sollen die Kosten für die Ausbildung deutlich gesenkt werden.

Mit rund 150.000 Euro mussten angehende Piloten bisher für ihre Ausbildung bei der Lufthansa rechnen, aber nicht ganz allein zahlen. Die Airline übernahm nach Angaben des Sprechers mehr als ein Drittel. In Zukunft sollen die Ausbildungskosten auf unter 100.000 Euro gesenkt werden, müssen aber von den Flugschülern allein gestemmt werden.

Lufthansa stellt Pilotenausbildung insgesamt neu auf

Die Kostenfrage ist nicht die einzige Neuerung. Lufthansa krempelt die Ausbildung für angehende Piloten insgesamt völlig um. So will sie etwa all ihre über den Konzern verteilten Flugschulen zusammenfassen: in einer "European Flight Academy".

Hier sollen die bestehenden Einrichtungen der Verkehrsfliegerschule in Bremen, des Airline Training Centers in Phoenix (Arizona), der Swiss Aviation Training sowie der Frankfurter Firma Pilot Training Network (PTN) neue Piloten über den Konzernbedarf hinaus ausbilden.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ist skeptisch: "Ich finde es grundsätzlich schwierig, wenn Menschen ihre Ausbildung komplett selbst finanzieren müssen", sagt der Sprecher Markus Wahl. "Das verwehrt einigen vielleicht den Zugang. Wenn die Lufthansa gute Piloten haben will, soll sie auch die Ausbildung bezahlen."

Cockpit: "Wir können das noch nicht seriös beurteilen"

Bislang wisse die Vereinigung aber noch viel zu wenig, um das neue System seriös bewerten zu können. Auch wie hoch die Kosten für die Flugschüler am Ende tatsächlich ausfallen, zu welchen Konditionen Kredite vergeben werden und wann sie zurückgezahlt werden müssen, sei bisher unklar.

Unter Umständen bleibt die finanzielle Belastung für angehende Piloten ähnlich wie bisher. Cockpit mahnt aber: Wenn die Kosten für die Ausbildung sinken, dürfe es "jedenfalls keine Abstriche bei den Qualitätsstandards" geben. Die Vereinigung verlangt von Lufthansa detaillierte Informationen zur Auswahl und Ausbildung der künftigen Kollegen.

Der Konzern versichert: Für künftige Lufthansa-Piloten sollen die selben strengen Einstellungsvoraussetzungen gelten, wie sie für die Bremer Schule bislang durch einen Test des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gewährleistet wurden. Daneben könne es auch Flugschüler geben, die zwar die DLR-Kriterien erfüllen, aber nicht die darüber hinaus gehenden Anforderungen der Lufthansa.

Eine größere Rolle als bislang soll die Lufthansa-eigene kommerzielle Flugschule PTN in Frankfurt spielen. Sie bildet bislang gegen Honorar konzernfremde Piloten aus.

Noch 900 Flugschüler auf der Warteliste

Wegen des ungelösten Tarifkonflikts mit der Pilotengewerkschaft bei der Lufthansa-Mutter sollen bis auf Weiteres an der traditionsreichen Verkehrsfliegerschule Bremen keine neuen Lehrgänge beginnen. Das Unternehmen hat sich zwar zu dem Standort bekannt, soll dem Vernehmen nach aber mit der Kostenstruktur sehr unzufrieden sein. Neue Lehrgänge sollen daher zunächst an der Frankfurter PTN beginnen.

Lufthansa kündigte an, die Flugschüler bis zur Airline Transport Pilot Licence (ATPL) auszubilden. Damit könnten die Absolventen jederzeit auch bei anderen Airlines anfangen. Diese Möglichkeit haben die knapp 900 fast fertig ausgebildeten, aber noch nicht eingestellten Lufthansa-Flugschüler nicht. Sie warten mit ihrer Multi Crew Pilot Licence (MPL) auf eine Anstellung bei der Lufthansa-Mutter, weil sie dort noch zusätzliche Flugerfahrung erlangen müssen.

Ihre Vertretung, der NFF-Rat, sieht das Betriebsklima in Gefahr: "Unklare Zukunftsperspektiven und finanzieller Druck lassen eine interne Konkurrenz entstehen, die gänzlich im Gegensatz zur gewohnten Sicherheitsphilosophie der Lufthansa steht."

"Eine bedarfsunabhängige Schulung von Piloten über die allgemeine Nachfrage hinaus fördert zudem prekäre Arbeitsverhältnisse", teilten die Flugschüler mit. Es sei bedauerlich, dass Lufthansa Flugschulen als Kostenfaktor begreife, der auf Gewinn getrimmt werden müsse.

fok/dpa

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