Starts mit reduzierter Crew Lufthansa verzeichnet auffallend viele Krankmeldungen

Seit Mitte Mai melden sich zahlreiche Bordmitarbeiter der Lufthansa krank. Allein in Frankfurt sind es täglich 250 mehr als sonst. Hintergrund könnte der Ärger zwischen Unternehmen und Gewerkschaft sein.

Frank Rumpenhorst/DPA

Als Carsten Spohr vor gut fünf Jahren zum Lufthansa-Chef aufrückte, gab er ein ehrgeiziges Ziel aus: Die Fluglinie sollte endlich wieder zum Premiumanbieter aufrücken und Fünf-Sterne-Niveau auch in der Luft erreichen. Das gelang ihr auch, wie das britische Beratungsunternehmen "Skytrax" Ende 2017 bestätigte. Die "mit Abstand wichtigste Rolle", so Spohr, hätten dabei die Mitarbeiter gespielt. Sie seien "erstklassig", schwärmt der Lufthansa-Chef.

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Heft 29/2019
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Zurzeit ist die Stimmung zwischen Geschäftsleitung und Kabinenpersonal allerdings etwas getrübt. Und das liegt an einem merkwürdigen Phänomen. Die Lufthansa hat seit Mitte Mai mit auffallend vielen Krankmeldungen ihrer Bordangestellten zu kämpfen. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, geht das aus einer internen Mitarbeiterinformation hervor, die Ende Juni verschickt wurde. Demnach sind die Abwesenheitsquoten etwa bei den Kabinenchefs, im Unternehmen Purser II genannt, oder einfachen Flugbegleitern "im zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem durchschnittlichen Wert angestiegen".

"Zunehmende Kurzfristigkeit bei Krankmeldungen"

Allein in Frankfurt, wo 16.000 der insgesamt gut 20.000 Bordmitarbeiter stationiert sind, meldeten sich täglich rund 1050 Kabinenkräfte krank - 250 mehr als sonst. "Erschwerend hinzu kommt eine zunehmende Kurzfristigkeit bei eingehenden Krankmeldungen", heißt es in dem Memo. Die Lücken konnten selbst mit sogenannten Stand-by-Kräften nicht gefüllt werden, die eigentlich als Reserve für verspätete oder ausgefallene Flüge bereitstehen. Als Folge konnte die Lufthansa laut der Mitteilung "im Juni an fast allen Tagen auf einigen Langstreckenflügen" nur mit einer reduzierten Bordcrew abheben.

Hintergrund der gestiegenen Krankmeldungen könnten der Streit zwischen der Lufthansa-Führung und der Flugbegleitergewerkschaft UFO um Personalien, die Kündigung von Tarifverträgen und Streik- oder Schadensersatzdrohungen sein. Am Freitag kündigte der UFO-Vorstand Urabstimmungen bei den Ablegern Eurowings und Germanwings an, später soll es auch bei der Lufthansa eine Mitgliederbefragung zu Arbeitskampfmaßnahmen geben.

In der internen Information bittet das Unternehmen die Beschäftigten in ausgesucht höflichem Ton darum, sich freiwillig zu Sondereinsätzen zu melden - und die Vorgesetzten bei einer plötzlichen Unpässlichkeit möglichst früh zu informieren. Eine Firmensprecherin versichert, die Situation habe sich inzwischen entspannt. Die Lufthansa setzt pro Maschine ohnehin mehr Flugbegleiter ein als gesetzlich vorgeschrieben.

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Seite 1
tropfstein 12.07.2019
1. Betrug
Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Ein Arbeitskampf mit Streik zum Durchsetzen von Wünschen und Forderungen ist legitim. Krankmelden ohne krank zu sein ist Betrug. Ohne Wenn und Aber. Offenbar fehlt hier bei einigen der elementare Anstand - zu Lasten derer, die wirklich krank sind.
gammoncrack 12.07.2019
2. Nicht zu Lasten der wirklich Kranken.
Zitat von tropfsteinUm es in aller Deutlichkeit zu sagen: Ein Arbeitskampf mit Streik zum Durchsetzen von Wünschen und Forderungen ist legitim. Krankmelden ohne krank zu sein ist Betrug. Ohne Wenn und Aber. Offenbar fehlt hier bei einigen der elementare Anstand - zu Lasten derer, die wirklich krank sind.
Aber ganz sicher zu Lasten der Gesunden. Wenn die Crew die Arbeit fehlender Kollegen mit abdecken muss, dann geht das natürlich auf deren Knochen. Die wirklich Kranken sind meiner Meinung nicht betroffen. Sie meinen sicherlich, dass das Unternehmen nicht unterscheiden kann, wer nun wirklich krank ist und wer nicht. Allerdings werden die richtig kranken wohl mit einem ärztlichen Attest aufwarten, während die "Simulanten" wohl die 2 Tage ohne Attest ausnutzen (wenn das bei der Lufthansa so ist wie bei vielen Arbeitgebern).
Gluehweintrinker 12.07.2019
3. Wer urteilt denn hier über unseren Gesundheitszustand?
Zitat von tropfsteinUm es in aller Deutlichkeit zu sagen: Ein Arbeitskampf mit Streik zum Durchsetzen von Wünschen und Forderungen ist legitim. Krankmelden ohne krank zu sein ist Betrug. Ohne Wenn und Aber. Offenbar fehlt hier bei einigen der elementare Anstand - zu Lasten derer, die wirklich krank sind.
Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: bei Flugzeugbesatzungen gibt es eine sehr niedrige "Krankmeldeschwelle", die sich aus den besonderenAnforderungen des Arbeitsplatzes ergibt. 100% Handlungs- und Reaktionsfähigkeit sind geboten, keine Probleme mit Atemwegen und Ohren, der Druckausgleich zwischen Innenohr und Rachenraum muss gewährleistet sein, die körperliche Fitness muss stimmen. Könnte man sich in leicht angeschlagenem Zustand noch an einem Schreibtisch im Büro blicken lassen, geht das mit Triefaugen und Schniefnase schon an Bord nicht mehr. Und dennoch gibt es immer wieder den Fall, indem man sich bei leichten Symptomen dennoch zum Dienst meldet, einfach aus der Erfahrung heraus, dass es schon "gehen werde". Ja, und oft geht es gerade noch so. Wer sich krank meldet, verliert gut und gern die Hälfte des fertigen Monats-Dienstplans, auf den man im Planungszeitraum einigen Einfluss hatte, Flugrichtung, Ziel, Kurz- oder Langstrecke, Früh oder Spät, das alles kann man nach Präferenzen mit bestimmen. Erfolgt eine Krankmeldung auch nur für 3 Tage, werden knapp zwei Wochen des Plans leergeräumt, und nach Gesundmeldung bekommt man eben "irgend etwas". Steigt aber die Frustrationsschwelle an, und das kann mna bei den aktuell zu beobachtenden Holzhammermethoden der Geschäftsleitung so nennen, dann steigt auch die Bereitschaft, sich einfach ins Bett zu legen statt sich mehr abzumühen als es nötig wäre. Bitte sehen Sie von weiteren Versuchen ab, uns ein "Krankfeiern" zu unterstellen. Danke!
kaykayonetwothree 12.07.2019
4. Völlig an den Haaren
Dieser Artikel ist mit frechen Unterstellungen nur so gespickt. Warum Angestellte krank sind oder gehäuft krank sind, kann niemand genau wissen.
KuAn 12.07.2019
5. Uffbasse
Es melden sich bestimmt nicht jeden Tag 800+250 Mitarbeiter krank, sie sind vielleicht für den Tag AU. Wenn eine AU von 5 Tagen vorliegt, ist das eine oder sind das in der Zählung 5 Krankmeldungen? Ich vermute letzteres, denn sonst müsste man wohl den Betrieb einstellen. Interessant ist auch, dass die Mitarbeiter nach der Gesundmeldung einen neuen Plan bekommen und die verpasste Tour sozusagen "nacharbeiten" müssen. Ich kenne keine abhängig beschäftigte Berufsgruppe, die dies auch tun müsste. Und nein, ich bin kein Flugbegleiter! Ich wäre auch mit Interpretationen zu Gründen von AU vorsichtig... uffbasse.
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