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Heiß und fettig: Spaniens Traditionsgebäck

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Churreros in Madrid Maestros des Spritzgebäcks

Churros sind in Spanien so beliebt wie Brezeln in Bayern. In einem Traditionsgeschäft in Madrid stellen Churreros das Spritzgebäck rund um die Uhr her.

Er bezeichnet sich selbst als "Cristiano Ronaldo der Churros". Daniel Real arbeitet seit zehn Jahren in einem Beruf, der vor allem in Spanien und Südamerika bekannt ist: Als Churrero stellt er Churros her - goldgelbes, längliches Spritzgebäck, das in heiße Schokolade getaucht wird. In Spanien hat das Gebäck einen ähnlichen Status wie Brezeln in Bayern. Es kann zu jeder Tageszeit gegessen werden und ist bei Spaniern ebenso beliebt wie bei Touristen.

Churros und ihre etwas dickeren Brüder, die Porras, gibt es in weiten Teilen des Landes zu kaufen, aber nach Ansicht vieler Madrileños sind sie nirgends so gut wie in der Chocolatería San Ginés im Zentrum der spanischen Hauptstadt, einem 126 Jahre alten Geschäft. Hier arbeitet Real in der kleinen Küche hinter der Bar und spritzt mit einer Maschine vorsichtig einen Teig aus Mehl, Salz und Wasser ins 234 Grad heiße Öl - manchmal auch mitten in der Nacht.

Der Laden hat 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Auch um vier oder fünf Uhr morgens ist noch Hochbetrieb - dann kommen die Diskobesucher, die etwas Fettiges im Magen brauchen, um dem Kater vorzubeugen. Nur an einigen Stunden zu Weihnachten und Silvester ist die Chocolatería geschlossen. Zwischen sechs und sieben Uhr morgens wird sauber gemacht.

Daniel Real

Daniel Real

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Churros zu machen ist eine eigene Kunst: Der Teig muss richtig gemischt und so gerührt werden, dass sich keine Klümpchen bilden. Und er muss so ins Öl plumpsen, dass daraus runde Gebäckkreise entstehen. Wenn Churros kerzengerade sind, ist das ein Zeichen dafür, dass sie maschinell hergestellt wurden.

Real war vor fünf Jahren sogar in China, um drei Wochen lang Churreros auszubilden. In Shanghai werden die Churros nun unter dem Namen Xuanlezi verkauft. Weitere Filialen der Chocolatería gibt es unter anderem in Tokio, Osaka und Bogotá.

Real sagt, er habe schon viele Promis kommen und gehen sehen. Die vielen Fotos an den Wänden des Ladens zeugen davon: Ein Bild von Opernsänger Plácido Domingo hängt da zwischen einem Porträt von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Sängerin Tina Turner.

Immer, wenn jemand Bekanntes in den Laden kommt, schnappen sich die Mitarbeiter eine Kamera oder ein Smartphone. Real sagt, ihn habe vor allem der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter beeindruckt - weil er so eine große Schar an Security-Männern dabei hatte.

Eine Million Gäste habe man im vergangenen Jahr bewirtet, sagt die Presseverantwortliche Delphi Artiñano stolz. "Viele Läden verkaufen Churros, aber nur wir haben uns darauf spezialisiert. Sonst haben wir nur noch einen Schokoladenkuchen im Angebot." Und es gebe noch zwei weitere Gründe, warum San Ginés so beliebt ist: Die hausgemachte Schokolade - von der sie aber nicht verraten will, wie sie gemacht wird und wo die Zutaten dafür herkommen - und die Churreros.

Churros werden traditionell vor dem Essen in Schokolade getunkt

Churros werden traditionell vor dem Essen in Schokolade getunkt

Foto: © Susana Vera / Reuters/ REUTERS