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Makler in Gelsenkirchen: "Zwischen schön und scheiße"

Foto: Simon Michaelis

Makler im Ruhrgebiet Markus Münstermann, von Beruf Optimist

Zehntausende verwaiste Wohnungen, Quadratmeterpreise von 3,50 Euro: Für Makler gibt es bessere Arbeitsplätze als das Ruhrgebiet. Markus Münstermann möchte trotzdem nicht tauschen. Gelsenkirchen ist für ihn wie Aschenputtel: dreckig, aber mit Potenzial.

"Pott komplett" nennt Markus Münstermann, 43, sein Einsatzgebiet. Knapp 200 Immobilien hat der Makler aus Gelsenkirchen im Angebot: Wohnungen, Häuser, Ladenlokale in Essen, Bochum, Duisburg oder Herne. Zwischen seiner alten Schule und seinem Büro liegen gerade mal tausend Meter. "Ich bin eine Pott-Pflanze", sagt Münstermann.

Das Ruhrgebiet war einst das Herz der deutschen Wirtschaft, heute rotten Zechen und Maschinenhallen vor sich hin. Gelsenkirchen ist die Stadt mit der höchsten Arbeitslosenquote in der Region: 13 Prozent betrug sie im Juli. "Dementsprechend miserabel ist die Kaufkraft", sagt Münstermann. Seit 13 Jahren arbeitet er in seiner Heimatstadt als Makler, etwa 1600 Objekte hat er in dieser Zeit vermietet. Doch die Suche nach Mietern und Käufern wird für ihn immer aufwendiger: "Wir haben hier zwischen 12.000 und 14.000 leerstehende Wohnungen. Bei knapp 258.000 Einwohnern ist das eine verdammte Menge."

Rund hundert Kilometer liegen zwischen Gelsenkirchen und Köln. Im Maklergeschäft trennen die beiden Städte Welten: In Köln seien die Mieten vergleichbarer Wohnungen bis zu dreimal so hoch - und damit auch die Provisionseinnahmen, sagt Münstermann. Bis zu einem Jahr dauere es, bis er eine Immobilie vermittelt habe: "Im Endeffekt hat der Kölner Makler mindestens das sechsfache Ertragsniveau bei gleichem Aufwand."

3,50 Euro Miete pro Quadratmeter

Frustriert wirkt Münstermann trotzdem nicht. "Manchmal denke ich schon: Mensch, so einfach hätte ich es auch gerne", sagt er. "Wenn man sich dann aber mal anschaut, wie viele Glücksjäger sich dort um die Aufträge prügeln... Nee, in dieses Haifischbecken muss ich nicht springen." Im Ruhrgebiet sei der Konkurrenzkampf der Makler überschaubar: "Der Pott-Mensch ist geradeaus. Das liegt mir. Hier fühle ich mich wohl, und genau hier möchte ich mein Geschäft betreiben. Auch, wenn es mehr Maloche ist."

Der Mietpreis pro Quadratmeter beginne in Gelsenkirchen teilweise schon bei 3,50 Euro, sagt Münstermann. Mehr als 8,50 Euro werde selbst in Top-Lagen nicht verlangt. In manchen Jahren mache er mit dem Vermietungsgeschäft ein "sattes Minus", aber durch den Verkauf von Anlageobjekten oder die Vermietung und den Verkauf von Gewerbeimmobilien könne er überleben: "Wir setzen auf Menge, machen die 160-Euro-Studentenbuden, haben aber auch richtig große Auftraggeber."

Gelsenkirchens Einwohnerzahl ist in den vergangenen Jahrzehnten rapide geschrumpft. Von fast 390.000 Menschen Anfang der Sechzigerjahre auf heute knapp 260.000. Seit ein paar Jahren bleibt die Zahl relativ konstant. Münstermann ist Optimist: "Ich sehe das nicht ansatzweise so schwarz wie andere. Gelsenkirchen ist die Mitte des Ruhrgebiets. In einem Umkreis von 30 Kilometern habe ich hier fünf Millionen Einwohner - das ist ein goldener Vorteil. Außerdem steht noch viel Gewerbefläche zur Verfügung."

Zwischen Neubauten und "Schrottkabacheln"

Auch im Preisverfall sieht er Chancen: Immobilien seien hier verglichen mit anderen Metropolregionen extrem günstig. "Langsam kommen immer mehr Leute darauf, hier zu investieren." Münstermann ist selbst Hauseigentümer. Das klassische Einfamilienhaus sieht er nach wie vor als "Top-Altersvorsorge".

Wie so viele andere Revierstädte ist Gelsenkirchen voller Kontraste: Miet- und Kaufpreise variieren von Stadtteil zu Stadtteil enorm. "Hier sieht es im Norden besser aus als im Süden. In Essen, Bochum oder Dortmund ist es umgekehrt", sagt der Makler. Die Gegensätze sind häufig sogar innerhalb einzelner Straßen sichtbar: ein Sauna- und FKK-Klub, eine herrschaftliche Villa und eine Spedition - in unmittelbarer Nachbarschaft. Neubau neben Bauruine. Münstermann findet deutliche Worte dafür: "Ein schöner Kontrast zwischen schön und scheiße. Das finden Sie hier überall."

In einer kleinen Seitenstraße im Stadtteil Bismarck - nur wenige Meter vom Bolzplatz, auf dem einst der junge Mesut Özil kickte - zeigt Münstermann "wieder so ein Beispiel": Zwei leerstehende Gebäude, "alte Schrottkabacheln", wie Münstermann sie nennt, neben Neubauten. "Vor fünf Jahren sahen in dieser Straße alle Häuser so aus. Über die Hälfte stand leer. Und jetzt: alles saniert. Das ist doch hübsch."

Gelsenkirchen sei wie Aschenputtel, sagt Münstermann: "Es liegt im Dreck, aber hat so viel Potenzial."

Maklersprech

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