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Ausmaltrend bei Erwachsenen Stiftehersteller fahren Sonderschichten

Ausmalen, nur was für Kinder? Viele Erwachsene malen sich in der Freizeit den Stress von der Seele. Ihre Malbücher sind so beliebt, dass deutsche Stiftehersteller am Limit produzieren.
Ausmalbuch für Erwachsene

Ausmalbuch für Erwachsene

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Sie kritzeln im Büro manchmal kreativ vor sich hin? Sie sind nie zufrieden mit dem Ergebnis? Vielleicht mögen Sie es mal mit Ausmalbüchern versuchen. Die sind unter Erwachsenen derzeit so beliebt, dass deutsche Stiftehersteller Sonderschichten fahren.

Das Nürnberger Unternehmen Staedtler produziere momentan im Drei-Schicht-System rund um die Uhr sechs Tage die Woche, sagte eine Sprecherin. "Wir haben auch schon Pläne, die Produktion auszuweiten. Derzeit sind wir am Limit." Den Bedarf auch weiterhin decken zu können, sei eine "kleine Herausforderung", sagte sie.

Im rund zehn Kilometer entfernten Heroldsberg fährt auch Stabilo-Schwan Sonderschichten. Der Hersteller verzeichne "durch den weltweiten Megatrend Malen" ein zweistelliges Umsatzwachstum bei Bunt- und Fasermalern.

Ebenfalls vor den Toren Nürnbergs werden auch beim Schreibwarenhersteller Faber-Castell mehr Schichten als üblich gefahren. Die weltweit hohe Nachfrage nach Künstler-Buntstiften könne man aber gut abfedern. Zu Lieferengpässen solle es nicht kommen, "auch wenn es bei dem ein oder anderen ausgewählten Produkt in der gesamten Lieferkette durchaus eng werden kann".

Bei Lyra in Nürnberg wird der Run auf die Stifte mit Doppelschichten und Samstagsarbeit aufgefangen. Mit Investitionen in den Maschinenpark und einer Aufstockung des Personals weite man die Produktion derzeit auch aus, sagte ein Sprecher.

Überraschender Aufschwung

Der Aufschwung kommt für die Branche recht unverhofft. Die Hersteller beschäftigen sich seit Jahren mit den Herausforderungen der zunehmenden Digitalisierung: Wenn immer weniger Menschen mit der Hand schreiben, werden dafür auch weniger Stifte benötigt.

Deshalb wurde zuletzt vermehrt an digitalen Produkten getüftelt. Stabilo präsentierte beispielsweise den Prototypen eines digitalen Stifts, der Handschrift auf Papier direkt in Reinschrift auf Smartphones oder Tablets umwandelt. Ein Digitalkuli von Staedtler speichert handschriftliche Skizzen und wandelt sie in Bilddateien für Digitalgeräte um. Dazu kommen Schreib-Lern-Apps.

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Doch die klassischen Buntstifte sind keinesfalls abgeschrieben. Die Käufer der Stifte seien weniger Hobbykünstler, sondern eher Mal- und Zeichenanfänger, sagte die Sprecherin von Staedtler. Beim Ausmalen vorgegebener Muster in entsprechenden Büchern, die sich weltweit derzeit millionenfach verkaufen, sei die Frustrationsrate gering. "Die Leute fangen nicht auf einem weißen Blatt Papier an und das Ergebnis ist immer schön, sie können es nicht verhunzen."

lov/dpa
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