Sport und Start-ups Wie ein Marathon mich zur besseren Unternehmerin machte

Sie gründete ein Start-up und trainierte für einen Marathon: Die 28-jährige Svetlana Dotsenko erzählt, was das eine mit dem anderen zu tun hat - und welche drei Dinge sie das Laufen gelehrt hat.

Svetlana Dotsenko beim Berlin-Marathon
Privat

Svetlana Dotsenko beim Berlin-Marathon


    Svetlana Dotsenko, 28, stammt aus Russland und wohnt in Cambridge in den USA. Sie hat das Start-up Project Lever gegründet, das Studenten und Betreuer in den Fakultäten von Hochschulen zusammenführen soll. Ihr Artikel über Marathon und Firmengründung erschien zuerst auf Englisch bei "Fast Company".

"Vor sieben Jahren war ich zum ersten Mal in Berlin. Ich erinnere mich daran, dass ich aus meinem Apartment trat, um die Stadt zu entdecken, und dass ich in eine Gruppe Marathonläufer geriet. Selbst als Zuschauerin war ich völlig überwältigt von ihrer Kraft, Entschlossenheit und Energie.

Ich nahm mir vor, dass ich eines Tages auch den Berlin-Marathon laufen würde - auch wenn ich damals kaum mehr als eine Meile am Stück durchhielt.

Vor vier Jahren habe ich ein Start-up im Bereich digitale Bildung gegründet. Große US-Universitäten registrierten sich bei uns gleich im ersten Jahr, um unsere Plattform auszuprobieren. Diese Anfangstage waren euphorisch. Aber ich wusste, dass die Begeisterung nicht lange halten würde, deshalb gelobte ich, dass ich die Firma mindestens drei Jahre lang fokussiert aufbauen würde, egal, was kommt. Es war nicht leicht, das Versprechen zu halten, aber ich habe es geschafft.

Ich dachte, dass es ziemlich ähnlich sein müsse, für einen Marathon zu trainieren. Dass ich das Ziel erreichen würde, wenn ich nur hart arbeitete und nicht aufgäbe. Es stellte sich schnell heraus, dass ich falsch lag.

Mit fortschreitendem Training verstand ich, dass Erfolg von mehr abhängt als nur von gelaufenen Meilen. Marathonläufer arbeiten hart an sich, natürlich, aber es braucht auch bewusste Planung, ausgeklügelte Netzwerke von Unterstützern und eine Bereitschaft weiterzulaufen - selbst, wenn man die Ziellinie schon erreicht hat.

Das Marathontraining hat mich drei Dinge übers Unternehmertum gelehrt:

Verbessere dich jede Woche um zehn Prozent

Wie Marathonläufer brauchen Start-up-Gründer und Firmenchefs einen Plan. Beim Laufen ist das Prinzip einfach: Du läufst schaffbare Distanzen an den Wochentagen (drei bis fünf Meilen), am Wochenende läufst du etwas mehr (zehn Meilen) und an zwei Tagen pausierst du. Du verbesserst dich, indem du dir konsequent und stufenweise neue Ziele steckst. Marathonläufer steigern ihre Laufstrecke nur um zehn Prozent pro Woche.

Auch für Start-ups ist Wachstum alles. Der Autor und Programmierer Paul Graham rät Start-up-Gründern, für jede Woche eine Wachstumsrate festzulegen, und alles dafür zu opfern, um diese Marke zu erreichen. Ich persönlich bin skeptisch, was das ständige Übertreffen der eigenen ehrgeizigen Ziele angeht. Der Firmenberater Daniel Markovitz sieht das auch so. Er weist darauf hin, dass Teams damit oft demotiviert werden und unmoralisches, risikofreudiges Verhalten begünstigt wird.

Aber verbessere dich nur schrittweise um jeweils zehn Prozent und du wirst überrascht sein, wie schnell du am Ziel bist.

Alles ist ein Teamsport

Selbst ein Marathon ist eine Gruppenleistung. Bevor ich zu laufen begann, dachte ich, dass Marathons was für Einzelkämpfer sind. Die meisten Übungsläufe machte ich allein, langsam, und ohne Trainer.

Bis ich eines Tages mit einem Freund lief, der schneller war - und ich steigerte meine eigene Geschwindigkeit um mindestens 30 Prozent. Immer wenn ich mich mit jemandem zusammentat, lief ich schneller, leichter, stärker und glücklicher.

So sind auch die Zuschauer sehr wichtig, die einem an der Strecke zujubeln. Beim Berlin-Marathon rufen sie die Namen der Läufer, die stehen auf den Trikots. Kinder strecken dir ihre kleinen Hände entgegen, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich jedesmal eingeschlagen habe! Nette Fremde verteilen Bananen, Wasser und Isodrinks. Ein besonders toller Freund flog sogar extra aus den USA ein, um eine kleine Party an der Ziellinie zu schmeißen.

Die meisten Start-ups sind sich einig, dass das Team enorm wichtig ist, aber ich wünschte, wir wären besser darin, einzelne Gründer anzufeuern, wenn es hart auf hart kommt. Ich glaube, dass CEOs und junge Firmen Bestätigungen brauchen, dass das Ziel ganz nahe ist, auch wenn es unerreichbar scheint. Finde nur jemanden, mit dem du laufen kannst, und gib auf jeden Fall allen deinen Fans ein High Five entlang der Strecke.

Lauf weiter - es ist noch nicht vorbei

Der schönste Moment des Marathons war für mich die Ziellinie. In den Broschüren und E-Mails hieß es vorher, dass das Ziel am berühmten Brandenburger Tor sei. Als ich hindurchlief, dachte ich, ich hätte es endlich geschafft, aber die Läufer um mich herum hielten nicht an.

Es stellte sich heraus, dass das Tor zwar das symbolische Ziel war, aber dass die echte Ziellinie rund 30 Meter dahinter lag. Ich fand den letzten Sprint am härtesten, obwohl ich schon mehr als 26 Meilen gelaufen war.

In Start-ups, wie im Leben, müssen wir oft weiterlaufen, auch wenn wir denken, dass das Schlimmste schon vorbei ist. Es kostet Kraft, Ausdauer, Liebe und Unterstützung, um etwas Großes und Wertvolles zu Ende zu bringen - manchmal mehr, als du glaubst, geben zu können. Aber grab ein bisschen tiefer und du wirst Reserven finden. Lauf deine 40 Kilometer und die zusätzlichen 30 Meter schaffst du auch noch, bevor du es merkst."

Hier geht's zum Originaltext auf Englisch.

Übersetzung von Heike Klovert



insgesamt 15 Beiträge
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marthaimschnee 24.11.2016
1. kleinere Brötchen bitte!
Für jemanden, der sich bisher kaum bewegt, ist es ausgesprochen schwierig, mal eben "ein paar Meilen" (war da nicht mal was mit dem metrischen System?) zu laufen. Man kann zwar sehr schnell Fortschritte erzielen von "puhh, ich sterbe schon nach 100m" hin zu "ja, ich kann jetzt einen Kilometer locker joggen", dafür wird in der Anfangszeit jeder Muskel, jede Sehne, jedes Band und jedes Gelenk in den Beinen seinen Unmut über diesen vermeintlichen Unfug kund tun. Und wenn man dann zwanghaft versucht, sein gestecktes Ziel trotz Schmerzen zu erreichen, überreizt man sehr schnell und dann geht wochenlang gar nichts. Daher der Rat: backt kleine Brötchen! Setzt realistische Ziele an, nix mit Marathon, sondern "ich lauf jetzt bis zu der Ecke da vorne, wenn ich außer Puste bin, geh ich ein Stück, sonst bis zur nächsten Ecke". Und morgen versuch ich zwei Ecken weit zu laufen und dann eine weit zu gehen. Wenn man dann eine festgelegte Stecke von 2-3 Kilometern ohne Pause locker laufen kann, kann man sich Gedanken über die höhere Ziele machen. Und bei Schmerzen lieber auf die Bremse treten, als auf die Zähne beißen.
dima43 24.11.2016
2. Journalismus oder Werbeverkaufsveranstaltung ?
Unternehmerin, welche ein Start-up gegründet hat ? Das "Unternehmen" ist der Selbstpräsentation nach ein weiteres Werkzeug, um Menschen (diesmal in einer kleinen Nische, den USAmerikanischen "Elite"-Universitäten) zusammenzubringen. Ist es wert, dies im Spiegelonline zu veröffentlichen ? "... Lauf deine 40 Kilometer und die zusätzlichen 30 Meter ..." (= 40,03 km) dann ist man nur leider noch immer nicht im Ziel eines Marathons (42,195 km) Alles in allem auch sehr dürftig aus dem Englischen übersetzt.
ttvtt 24.11.2016
3. Tschaka!
Klingt, als ob die Dame zu viele amerikanische Selbst-Motivationsbücher gelesen hat. Der Artikel ist so nichtssagend. Da war die Artikelserie um den Dicken der Marathonläufer werden wollte, bedeutend aussagekräftiger.
tschoe 24.11.2016
4. Worum ging es?
Ging es darum, einen Marathon einfach zu schaffen oder ihn möglichst schnell zu schaffen? Das bleibt leider im Dunkeln bzw. wird völlig durcheinander gebracht. Da war sich die Autorin wohl selbst nicht sicher. Für meinen Teil kann ich sagen, dieses neumodische Wachstumdenken bei Start-Ups kann Murks sein. Die Gründung und vor allem Erhalt einer Unternehmung (und nichts anderes ist ein Start-Up, klingt natürlich nicht so cool) ist insgesamt ein Marathon, leider ohne Entfernungsangabe.
mn77 24.11.2016
5.
Sonderlich viel trainiert haben kann sie ja nicht bei einer Zeit von über 5 Stunden. Das hat mit Sport wenig zu tun.
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