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MBA an der Fernhochschule: Weiterbildung für jeden?

Foto: Euro-FH

Fernhochschule im Test Das Geschäft mit dem Massen-MBA

Stanford, Harvard, Euro-FH - Hauptsache MBA? Zumindest für die Studenten ein fataler Trugschluss: Herausragend ist die private Fernhochschule im Vermarkten ihres Angebots. Im Test fallen Falschberatung und laxe Zulassungskriterien auf.
Von Bärbel Schwertfeger

Die Versprechen sind groß: "Der MBA - Ihre Eintrittskarte ins Top-Management", wirbt die Euro-FH in Hamburg, wobei FH für Fernhochschule steht. Dort kann man in 24 Monaten den Abschluss zum Master of Business Administration (MBA) erwerben. Kosten: 13.680 Euro.

Ein solches praxisorientiertes Studium ist vor allem für Akademiker ohne wirtschaftswissenschaftliches Erststudium geeignet, die sich für Managementaufgaben qualifizieren wollen.

Doch MBA ist nicht gleich MBA: Bei diesem Abschluss zählt vor allem die Reputation der Schule, an der er erworben wurde. Und so ist ein MBA der Harvard Business School ein anderes Kaliber als der einer deutschen Fernhochschule.

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Doch gerade die Fernhochschulen haben das MBA-Studium als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Ihr Erfolgsrezept: Niedrige Zulassungskriterien und aggressives Marketing. Dabei sticht vor allem die zur Klett-Gruppe gehörende Euro-FH in Hamburg hervor. Ob im Internet, Fernsehen oder an der Bushaltestelle - flächendeckend wirbt das Unternehmen als "Deutschlands bekannteste private Fernhochschule" um Studenten. Im Frühjahr büffelten dort rund 200 Teilnehmer für den MBA-Abschluss.

Spitze ist die Schule vor allem im Marketing: Wer auf der Website nähere Informationen zu Inhalten oder Kosten des Studiums möchte, muss erst einmal seine Adresse eingeben. Drei Tage später liegt - unaufgefordert - ein Umschlag im Briefkasten mit ausgefülltem Anmeldeantrag und frankiertem Rückumschlag. Weitere Werbeschreiben folgen, selbst noch nach fünf Monaten.

Verkaufsgespräch statt Studienberatung

Weniger gut läuft es bei der Beratung. Erst im Februar hatte die Stiftung Warentest die Beratung von elf Fernhochschulen begutachtet . Doch guten Rat bekamen die Tester nur selten. "Überwiegend unstrukturiert" seien die Beratungen erlebt worden, erklärt Andrea Frey, Expertin für Weiterbildungsthemen bei der Stiftung Warentest. Fragen nach dem beruflichen Hintergrund, den Karriereplänen oder dem persönlichen Umfeld habe es nur selten gegeben. Ein Tester formulierte es so: "Objektiv sind die Berater nicht, sie wollen ihr Produkt verkaufen."

Auch die Euro-FH schnitt schlecht ab und das offenbar zu Recht. KarriereSPIEGEL testete erneut und stellte undercover die Fragen eines scheinbar Interessierten: "Ich habe einen FH-Abschluss in Informatik und bin seit elf Jahren im Vertrieb tätig. Nun überlege ich, noch einen MBA zu machen. Allerdings bin ich ziemlich verunsichert und mir ist nicht klar, wie sich die Euro-FH von ähnlichen Angeboten abhebt." Die Antwort des Studienberaters: "Grundsätzlich ist der MBA der höchste Grad im betriebswirtschaftlichen Bereich, der in den gehobenen Dienst oder in eine Promotion führen kann. Die Abschlüsse sind einer Universität gleichgestellt. Wenn man sich von anderen MBA-lern absetzen will, müsste man schon an eine Elitehochschule gehen."

Warum der Hinweis auf gehobenen Dienst und Promotion? Einen MBA braucht man allenfalls für den höheren Dienst. Und welche Elitehochschulen? "Ob der MBA in Hamburg, Berlin oder München (egal ob Universität oder Fachhochschule) abgelegt wurde, spielt keine Rolle", schreibt der Berater. " Zu den Eliteuniversitäten zählen Hochschulen wie Cambridge, Havard, Princeton, Lausanne usw". Harvard ist falsch geschrieben, Princeton hat keinen MBA und auch in Deutschland ist es keineswegs egal, wo man einen MBA macht. Schließlich gehört zum Beispiel die Mannheim Business School laut dem Ranking der "Financial Times" zu den 100 besten Schulen weltweit. Die Euro-FH erklärt: "Unsere Studienberater sind fest angestellte Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung. Sie werden regelmäßig geschult."

Erststudium? Nicht nötig!

Grundsätzlich gilt beim MBA: Je besser die Schule, desto strenger die Aufnahmekriterien. Dazu gehört auch das gute Abschneiden beim Graduate Management Admission Test (GMAT). Doch der englischsprachige Test ist schwer. Die Euro-FH verlangt zwar einen "GMAT mit mindestens 500 Punkten" sowie den Sprachtest TOEFL. Doch das ist eher Augenwischerei. Denn stattdessen genügt auch ein Telefoninterview. Das führe eine Professorin der ESB Reutlingen, die Wirtschaftsenglisch unterrichtet, erklärt Martin Hendrik Kurz, Vizepräsident der Euro-FH. Es dauere eine Stunde und dabei "werde auch über Wirtschaftsinhalte gesprochen". Die Mehrheit wähle das Telefonat. Kein Wunder, dass nach Aussage der Euro-FH die meisten Bewerber zugelassen werden.

Großzügig zeigt sich die Fernhochschule auch bei der Anrechnung von Hochschulleistungen, Weiterbildungen und Berufspraxis. Bis zu 50 Credits von insgesamt 120 Credits können angerechnet werden. Statt eines Erststudiums, wie es der MBA eigentlich voraussetzt, genügt eine Berufsausbildung, Berufs- und Führungserfahrung und ein drei Module umfassendes Master-Einstiegsprogramm. Damit werde eine "einem Erststudium gleichwertige Qualifikation nachgewiesen", schreibt die Euro-FH. Dieses offene Tor scheinen jedoch nicht allzu viele Neu-Akademiker zu nutzen: Die meisten MBA-Studenten hätten ein Erststudium, so Kurz.

Foto: Helga Kaindl

KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA - auch in ihrem "MBA-Journal".