MBA-Fahrplan Zehn Schritte zum schmucken Titel

Die Managerausbildung zum MBA ist kein Wohlfühlprogramm, sondern ziemlich anstrengend. Und kostspielig obendrein. Was darf's denn sein, Deutschland oder Ausland, Voll- oder Teilzeit - und woran erkennt man eine gute Wirtschaftsschule? Die wichtigsten Prüfsteine im Überblick.

Absolventin (in Leipzig): Dieser Weg wird kein leichter sein
Dirk Brzoska/ HHL

Absolventin (in Leipzig): Dieser Weg wird kein leichter sein

Von Bärbel Schwertfeger


1. Brauche ich überhaupt einen MBA?

Ein MBA-Studium ist eine akademische Weiterbildung in allgemeiner Unternehmensführung (Business Administration) und umfasst daher alle wichtigen funktionalen Managementbereiche wie Rechnungswesen, Marketing, Finanzierung, IT-Management und Personalführung.

Sinnvoll ist das praxisorientierte Studium für Akademiker, die eine Führungs- oder Managementfunktion anstreben, also ihrer Karriere eine neue Richtungen geben möchten - oder sie bereits haben und ihr Wissen vertiefen möchten. Am meisten profitieren Hochschulabsolventen ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund, also etwa Natur- und Geisteswissenschaftler und vor allem Ingenieure.

2. Welche Alternativen gibt es?

Nicht immer muss es gleich ein MBA sein. Es gibt auch kürzere und kostengünstigere Möglichkeiten, grundlegende betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu erwerben: zum Beispiel ein Betriebswirtschafts-Kurs an der Industrie- und Handelskammer oder ein Fernstudium - auch wenn beide natürlich nicht vergleichbar mit dem MBA-Studium sind. Für eine praxisorientierte Managerweiterbildung bieten zahlreiche Schulen mit ihrem mehrwöchigen General-Management-Programm auch eine Art Mini-MBA an, allerdings ohne akademischen Abschluss.

3. Wie finanziere ich das MBA-Studium?

Ein MBA-Studium ist eine Investition in die eigene Zukunft. Die Kosten reichen von ein paar tausend Euro an einer regionalen Fachhochschule bis über 100.000 Euro an einer internationalen Top-Schule. Die meisten Studenten setzen auf eine Mischfinanzierung aus eigenen Ersparnissen, Unterstützung von den Eltern und Krediten. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Stipendien, und manchmal hilft der Arbeitgeber.

Die Finanzierung ist zwar ein Problem, aber viele lassen sich durch die hohen Studiengebühren auch zu schnell abschrecken und schränken ihre Alternativen zu früh ein. Wer nur auf den Preis achtet, findet zwar sicher ein Angebot, profitiert jedoch möglicherweise weniger davon. Denn beim MBA gilt: Nicht der Titel allein zählt, sondern auch die Reputation der Schule, an der man ihn erworben hat.

4. Welche Studienform kommt in Frage?

Vollzeit-Programme erfordern den Ausstieg aus dem Job. Zu den Studiengebühren kommt daher noch der Verdienstausfall. Der Vollzeit-MBA eignet sich vor allem für Karrierewechsler wie etwa den Forscher, der einen Managementjob in der Industrie sucht.

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Berufsbegleitende (Part-time) Programme haben den Vorteil, dass man im Job bleibt und zudem das Gelernte oftmals gleich anwenden kann. Hier wird der Lehrstoff eines Vollzeitstudiums am Abend oder Wochenende vermittelt. Die Teilnehmer haben ein paar Jahre Berufserfahrung, viele stehen vor dem Sprung zur ersten Führungsaufgabe.

Ein Executive MBA richtet sich dagegen an Teilnehmer mit langjähriger Berufserfahrung, oft wird auch Führungserfahrung vorausgesetzt. Das Studium findet an Wochenenden oder in Präsenzmodulen - auch im Ausland - statt. Ein Executive MBA ist meist deutlich teurer, hat einen hohen Praxisbezug, und die Teilnehmer müssen Projekte häufig aus ihren eigenen Unternehmen bearbeiten.

5. Bin ich bereit für den Aufwand?

Ein MBA-Studium kostet nicht nur Geld. Ebenso fordert es auch die Bereitschaft, hart dafür zu arbeiten. Im Vollzeitstudium an einer Top-Schule ist eine Arbeitszeit von hundert Stunden pro Woche durchaus normal. Die Überforderung gehört zum Konzept. Beim berufsbegleitenden Studium muss man in der Regel rund zehn bis zwanzig Stunden pro Woche einplanen.

Dazu kommen oftmals Projekte, die im Team bearbeitet werden müssen. Der Unterricht findet hier meist am Wochenende, in mehrtägigen Modulen oder per Fernunterricht statt. Die Belastung sollte niemand unterschätzen. Denn man muss Job, Studium und Familie unter einen Hut bringen.

6. Deutschland oder Ausland?

Gerade beim Vollzeit-MBA sollte man sich überlegen, ob man ins Ausland geht und so auch ein neues kulturelles Umfeld erlebt. Wohin jemand geht, hängt auch von den beruflichen Präferenzen ab. Ein Studium in den USA ergibt vor allem Sinn, wenn man später dort arbeiten oder für eine US-Firma tätig sein will. In den USA dauern die meisten MBA-Programme allerdings zwei Jahre, in Europa ist es meist nur ein Jahr.

Auch beim berufsbegleitenden Studium gibt es oft Auslandsmodule. Zudem gehört bei vielen Programmen inzwischen ein Studientrip nach China oder Indien zum Standard. Manche Programme bestehen ausschließlich aus Auslandsmodulen.

7. Woran erkennt man die Qualität der Schule?

Wer an einer Top-Schule war, hat größere Karrierechancen - und dazu meist auch ein weltweites Netzwerk. Doch nicht jeder muss nach Harvard oder Insead. Auch der MBA an einer regionalen Fachhochschule kann für manchen richtig sein. Allerdings sollte man dann auch seine Karriereerwartungen anpassen.

Auf jeden Fall ist es wichtig, auf die Akkreditierung zu achten. Während deutsche Akkreditierungsagenturen lediglich Mindeststandards überprüfen, gelten internationale Akkreditierung wie EQUIS, AACSB oder AMBA als deutlich anspruchsvoller. Ein Anhaltspunkt - aber auch nicht mehr - sind zudem renommierte Rankings wie das der "Financial Times", des "Economist" oder der amerikanischen "Businessweek".

8. Was sind die fachlichen Schwerpunkte?

Auch wenn gute MBA-Programme stets umfassende Managementfähigkeiten vermitteln, so unterscheiden sich die Schulen doch oftmals in ihrer Ausrichtung. Die einen sind stärker auf den Finanzbereich fokussiert, die anderen auf Marketing oder das internationale Geschäft. An vielen Schulen können sich die Studenten zudem im zweiten Studienabschnitt auf bestimmte Bereiche wie Beratung, Entrepreneurship oder Corporate Social Responsability spezialisieren.

Sinnvoll ist auch ein Blick auf die Berufsfelder, in denen die Absolventen am häufigsten landen. Geht der Großteil ins Investmentbanking - was nicht bei allen Schulen der Fall ist -, dann ist jemand, der in der Industrie arbeiten möchte, dort nicht unbedingt am besten aufgehoben.

9. Wie stehen die Chancen für die Zulassung?

Die beste Auswahl nützt nichts, wenn man an seiner Wunschschule nicht zugelassen wird. Grundsätzlich gilt: Je besser die Schule, desto strenger die Zulassungskriterien. Das wissen auch die Unternehmen und rekrutieren daher oft nur an den besten Schulen. Zu den Auswahlkriterien gehören gute akademische und berufliche Leistungen, Referenzen und eine hohe Punktzahl im Graduate Management Admission Test (GMAT).

Die Bewerbung für ein MBA-Studium ist eine aufwendige Sache, für die man ein halbes Jahr einplanen sollte. Natürlich gibt es auch Programme, die weniger streng sind. Da man nie sicher sein kann, an der Schule seiner Wahl auch zugelassen zu werden, ist es stets sinnvoll, sich bei mehreren Schulen zu bewerben.

10. Machen Sie sich selbst ein Bild!

Hochglanzbroschüren und Websites können täuschen. Jede Schule hat ihre eigene Kultur und ihre eigene Atmosphäre. Auch das Umfeld spielt eine Rolle. Der eine studiert lieber auf einem Campus auf dem Land, der andere braucht das aufregende Stadtleben. Wenn irgend möglich, sollte man daher die Kosten nicht scheuen und die Favoriten besuchen. Denn nichts ersetzt den eigenen Eindruck vor Ort.

Manche Schulen bieten auch spezielle Informationstage an. Dabei kann man mit Studenten und Professoren sprechen und außerdem in den MBA-Unterricht hineinschnuppern. Dieses Bild lässt sich durch persönliche Gespräche mit Alumni ergänzen.

  • Helga Kaindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA - auch in ihrem "MBA-Journal".

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