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MBA-Studiengänge Das gewisse Extra

Erst ein Fachstudium, dann Managementwissen als Nachschlag - für deutsche Führungskräfte sei der MBA wie geschaffen, findet Christoph Loch. Er leitet die Business School der Uni Cambridge und erklärt im Interview, warum trotzdem so viele Unternehmen mit dem MBA fremdeln.
Mysterium Absolvent: "In Deutschland ist die Fachdisziplin sehr wichtig"

Mysterium Absolvent: "In Deutschland ist die Fachdisziplin sehr wichtig"

Foto: Corbis

KarriereSPIEGEL: Wer einen Bachelor in Betriebswirtschaft macht, studiert drei Jahre. Ein MBA-Programm dauert Vollzeit nur ein oder zwei Jahre - ein Schmalspurstudium?

Loch: Ein MBA-Studium wendet sich an Akademiker, die bereits ihren ersten Studienabschluss haben, egal in welchem Fach. Zudem ist Betriebswirtschaft eine Systemwissenschaft. Dazu gehört Ökonomie, aber auch Psychologie oder Soziologie: Schließlich geht es in Unternehmen um Menschen, und die funktionieren nun mal nicht wie Maschinen. Man muss die richtigen Strukturen entwerfen können, in denen Menschen arbeiten, und verstehen, was sie motiviert. Außerdem ist Betriebswirtschaft immer eine angewandte Disziplin. Was in der Praxis funktioniert, weiß man erst, wenn man dort Erfahrungen gemacht hat. Deshalb verlangen gute MBA-Programme mindestens drei Jahre Berufserfahrung.

KarriereSPIEGEL: Halten Sie einen MBA gleich nach dem Erststudium für sinnlos?

Loch: Ich selbst hatte ein Stipendium und habe meinen MBA in den USA direkt nach dem Studium zum Wirtschaftsingenieur gemacht. Das hat mir außer etwas mehr Theoriewissen wenig gebracht. Ohnehin empfehle ich, zuerst eine andere Wissenschaft zu lernen, ob Ingenieurwesen, Soziologie oder Biologie. Wenn ich die wissenschaftlichen Methoden beherrsche, kann ich das auf die Betriebswirtschaft mit all ihren Disziplinen übertragen. Dann verstehe ich zum Beispiel auch die soziologischen Konzepte von Kultur besser und kann in einem Jahr die Methoden lernen, die ich als Manager benötige.

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KarriereSPIEGEL: Wozu brauchen deutsche Manager überhaupt einen MBA?

Loch: Es ist eine Stärke deutscher Manager, dass sie ein tiefes, oftmals technisches oder naturwissenschaftliches Hintergrundwissen haben und näher dran sind an dem, was wirklich im Unternehmen passiert. Dagegen hat die obere Managementebene in den USA oft nur einen Finanzhintergrund und ist weit weg vom operativen Geschäft. Diese Stärke ist aber zugleich auch eine relative Schwäche: Obwohl deutsche Managementkompetenz sicher nicht niedriger ist als die angelsächsische, tun sich doch manche deutsche Manager schwer, mit den brutalen Regeln der Finanzwelt klarzukommen, die Marktchancen und die richtige strategische Herangehensweise zu erkennen. Daher wäre der MBA eigentlich genau richtig, quasi das gewisse Extra.

KarriereSPIEGEL: Warum winken dann gerade deutsche Arbeitgeber beim MBA oft ab?

Loch: Das MBA-Konzept ist nach wie vor kaum bekannt, viele verstehen es nicht. Das sieht man schon bei der Einstellungspraxis. Wenn eine Firma einen MBA-Absolventen, der zuvor schon fünf Jahre in einer verantwortungsvollen Position gearbeitet hat, so behandelt wie einen Bachelor-Absolventen, geht das schief. Die meisten Unternehmen kennen heute nur zwei Rekrutierungskanäle: die Unis für Berufseinsteiger, Headhunter für Berufserfahrene. Der MBA liegt irgendwo dazwischen.

KarriereSPIEGEL: Unternehmen scheinen alles andere als überzeugt vom gewissen Extrakönnen der MBA-Absolventen.

Loch: In Deutschland ist die Fachdisziplin nach wie vor sehr wichtig. Wer Manager in einem Technikkonzern werden will, muss häufig Ingenieur sein und wissen, wie man jede einzelne Schraube berechnet. So ein Unternehmen muss dann eben einen Ingenieur mit MBA-Abschluss einstellen. Aber ein MBA-Studium ist ja gerade so konzipiert, dass Teilnehmer aus verschiedensten Disziplinen ihre Managementfähigkeiten erweitern, Juristen ebenso wie Mediziner oder Psychologen. Jemand mit einem anderen fachlichen Hintergrund stellt auch andere Fragen und erhöht so oft die Kreativität. Wenn eine Firma diese Chance nicht nutzen will, braucht sie auch keinen MBA.

KarriereSPIEGEL: Bei berufsbegleitenden MBA-Programmen sind viele Firmen skeptisch, weil sie befürchten, dass sich der Mitarbeiter nach dem Abschluss sowieso einen anderen Job sucht.

Loch: Das zeugt vor allem von Kurzsichtigkeit der Personalentwicklung - genau dieselbe Katastrophe wie beim Auslandseinsatz: Firmen wollen, dass ihre Mitarbeiter ins Ausland gehen. Aber wer das macht, kommt nach zwei Jahren zurück und hängt oftmals im Nichts; sein alter Job ist vergeben, einen passenden neuen Job gibt es nicht. Also sind viele frustriert und kündigen. Wenn ich einen MBA nicht bei seiner weiteren Karriereentwicklung fördere, ist er ebenfalls frustriert und geht. Ein Arbeitgeber muss Interesse daran zeigen, was der Mitarbeiter im Studium macht. Wenn er zum Beispiel seine Masterarbeit über ein Thema aus dem Unternehmen schreibt, profitieren beide.

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KarriereSPIEGEL: Für ein einjähriges MBA-Studium muss man bis zu 50.000 Euro Studiengebühren hinblättern. Nur eine Option für die Elite?

Loch: Unsinn. Es gibt zahlreiche Stipendien, sonst muss ich halt einen Kredit aufnehmen. Immerhin ist der MBA eine Investition in die eigene Zukunft, ein weiterführendes Studium, mit dem ich langfristig meine Karrierechancen verbessere. Also ist es auch legitim, dass ich dafür zahle. Langfristig lohnt sich der Besuch einer guten Schule. Man bekommt völlig neue Möglichkeiten, in anderen Funktionen, Branchen oder Ländern zu arbeiten. Natürlich braucht man dazu eine gewisse Risikobereitschaft.

KarriereSPIEGEL: Die Zahl der MBA-Programme ist riesig. Wo sehen Sie den wichtigsten Unterschied zwischen guten und schlechten Schulen?

Loch: Das ist wie bei einer Bohrmaschine. Wenn ich nur ein Loch in Gips bohren will, genügt eine für 19,99 Euro. Wenn's auch mal ein Loch in einer Stahlwand sein soll, ist es besser, eine für 99 Euro zu kaufen. Der Unterschied beginnt schon bei der Qualität der Studenten, denn beim MBA lernt man auch von den anderen. Dazu kommt das Netzwerk mit Firmen und Alumni, von dem ich im Studium und bei der Jobsuche profitiere.

KarriereSPIEGEL: Kann der MBA in Deutschland den Durchbruch schaffen?

Loch: Die Internationalisierung deutscher Unternehmen wächst rasant. Auch dafür ist ein guter MBA mit stark internationaler Ausrichtung eigentlich optimal geeignet, weil er Manager besser auf die Herausforderungen vorbereitet. Der MBA hat durchaus Potential in Deutschland. Wann das erkannt wird? Dazu wage ich keine Prognose.

Das Interview führte Bärbel Schwertfeger

Zur Person
Foto: Ben Watkins

Christoph Loch ist Diplom-Wirtschaftsingenieur. Nach dem Studium an der TU Darmstadt absolvierte er ein MBA-Studium an der University of Tennesee in Knoxville und promovierte an der Stanford Graduate School of Business. Von 1994 bis 2011 war er auf verschiedenen Positionen an der INSEAD Business School tätig, zunächst als Professor für Technologiemanagement, später als Dean des PhD-Programms. Seit September 2011 ist Loch Direktor der Cambridge Judge Business School an der renommierten Cambridge University.

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