Gefeuert wegen Affäre "Eine Liebesbeziehung ist in Deutschland kein Kündigungsgrund"

Steve Easterbrook wurde als Chef von McDonald's entlassen, weil er eine Beziehung mit einer Angestellten hat. Typisch amerikanisch, sagt Arbeitsrechtler Thilo Mahnhold - und klärt auf, was hierzulande geht und was nicht.

Steve Easterbrook: Gefeuert, weil er eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin hat
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Steve Easterbrook: Gefeuert, weil er eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin hat

Ein Interview von


  • Bozica Babic
    Thilo Mahnhold arbeitet seit 2010 als Fachanwalt für Arbeitsrecht und promovierte zum Thema "Compliance und Arbeitsrecht". Er ist Partner von Justem Rechtsanwälte und berät Arbeitgeber vor allem bei Fragen zu Reorganisation, Arbeitszeitkonzepten, Compliance-Themen und Datenschutz.

SPIEGEL: Herr Mahnhold, der Chef von McDonald's wurde gefeuert, weil er eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin hat. Die Affäre ist einvernehmlich - wo ist da eigentlich das Problem?

Mahnhold: Nach deutschem Recht gibt es gar kein Problem! Eine Liebesbeziehung ist in Deutschland kein Kündigungsgrund. Wie ein Mensch liebt und lebt, geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an. Persönliche Beziehungen sind durch das Grundgesetz geschützt. Anders sieht es nur aus, wenn Interessenkonflikte bestehen und die Liebesbeziehung den wirtschaftlichen Erfolg der Firma beeinträchtigen könnte.

SPIEGEL: Eine deutsche Filialleiterin von McDonald's, die mit einem Mitarbeiter liiert ist, muss also jetzt nicht um ihren Job fürchten?

Mahnhold: Nein, das muss sie nicht. Eine Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter - das kommt in Deutschland in den besten Kreisen vor. Dass jemand deshalb gefeuert wird, zeigt, wie anders die Kultur in den USA ist. Beziehungen am Arbeitsplatz zu untersagen, ist etwas typisch Amerikanisches. In den USA haben die meisten Firmen einen eigenen Ethik-Kodex, in dem dann zum Beispiel drinsteht: "Wir dulden keine Beziehung am Arbeitsplatz."

SPIEGEL: Und wenn mein deutscher Arbeitgeber einen solchen Satz in den Arbeitsvertrag schreibt?

Mahnhold: Dann können Sie diesen ignorieren. Klauseln, die das Persönlichkeitsrecht verletzen, haben vor deutschen Gerichten keinen Bestand. Ihr Arbeitgeber darf Sie dann trotzdem wegen einer Liebesbeziehung weder abmahnen noch kündigen. Es gab schon vermehrt Vorstöße von US-Unternehmen, in Deutschland Ethik-Kodizes mit derlei Klauseln einzuführen, aber diese sind alle gescheitert.

SPIEGEL: Aber ganz unproblematisch ist eine Liebesbeziehung zwischen Chef und Mitarbeiter ja auch nicht. Wie soll ein verliebter Chef denn die Arbeit seiner Partnerin objektiv beurteilen?

Mahnhold: Es muss immer abgewogen werden, ob betriebliche Interessen berührt werden. Das kann zum Beispiel auch der Fall sein, wenn jemand eine Affäre mit einem Kunden hat. Im Einzelfall kann es schwierig sein, das Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer mit dem betrieblichen Interesse zusammenzubringen. Aber eines darf der Chef nicht: seine Partnerin gegenüber anderen bevorzugen.

SPIEGEL: Und wenn er es doch tut?

Mahnhold: Dann drohen Abmahnung und Kündigung. Die Liebe muss vom Betrieb ferngehalten werden. Häufig ergibt es Sinn, wenn alle Beteiligten überlegen, ob vielleicht ein Wechsel auf einen anderen Posten im Unternehmen helfen kann.

SPIEGEL: Muss ich meinem Chef denn überhaupt von der Beziehung berichten?

Mahnhold: Nein. Liebe darf geheim bleiben. Aber auch hier gilt: Wenn das wirtschaftliche Interesse der Firma gefährdet wird, sollte man das Gespräch mit den Führungskräften suchen und sich eine Lösung überlegen.



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
draco20007 04.11.2019
1.
Der größte Witz an der Nummer ist, dass der McDonald's Chef eine Affäre mit einer Angestellten hat und gefeuert wird...und der Pussygrabber, Pornostar-Schweigegeld-Zahler und Ehebrecher immer noch im Amt ist...
olli0816 04.11.2019
2. Diese Klausel ist in amerikanischen Firmen nicht selten
Das gab es vor geraumer Zeit auch bei einem anderen amerikanischen Unternehmen, wo ein Vorstand entsorgt wurde. Allerdings hat man diese Formel verwendet, um ihn durch den Schmutz zu ziehen, weil er in anderen Bereichen persönliche Defizite hatte. Ich schätze, bei McDonalds war das auch nicht der primäre Grund. Amerikanische Firmen haben noch viel affigere Klauseln, wenn man Pech hat. Ich habe eine Firma erlebt, da war Alkohol in der Freizeit trinken (am Arbeitsplatz ist das plausibel) verboten, bei einer anderen rauchen. Amerika ist arbeitstechnisch eine komplett andere Welt und kann man mit Deutschland nicht vergleichen. Auch wenn Menschen aus der USA oberflächlich westlich sind, so agieren und denken sie komplett unterschiedlich. Und deshalb sind manche Bestimmungen für uns unverständlich und vice versa.
hse 04.11.2019
3. Wer kann's beweisen?
Es ist also in Deutschland nur illegal, als Vorgesetzte*r die geliebte Person zu bevorzugen, nicht die Beziehung am Arbeitsplatz an sich. Wer glaubt das im Ernst, dass eine solche Bevorzugung ausbleibt? Wie soll man als benachteiligte*r Nicht-Sexpartner*in vom Chef Gleichbehandlung einklagen? Völlig unrealistisch, hier gegen Vorgesetzte vorgehen zu können - oder sich gegen diese zu schützen. Klare Regeln wie in den USA sind das einzige, was gegen Missbrauch von Macht und Sex hilft.
eagle2014 04.11.2019
4. Problem
Es handelt sich hier immerhin um den CEO und nicht um einen Filialleiter, daher schlechter Vergleich. McD sichert sich nur ab. Es ist nur eine Frage der Zeit bis "me-too" auch hier ein Problem werden koennte und McD dann eine Millionenklage am Hals haette. So kurzsichtig koennen doch die Deutschen nicht sein oder doch?
blume4000 04.11.2019
5. Recht so
Er ist Chef und Sie Angestellte, Job ist Job und für einen Vorgesetzten ein no Go. Aber egal wie es ist, einer muss gehen, so läuft das eben. Kommt ja auch nicht wirklich gut als ceo eher undiszipliniert.
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