Tipps von den Karrierecoaches Die Chefin lädt nach Hause ein – wie verhalte ich mich professionell?

Ein Gastbeitrag von Dorothea Assig und Dorothee Echter
Ein Gastbeitrag von Dorothea Assig und Dorothee Echter
Die Chefin hat das Meeting mit dem Führungsteam auf ihre eigene Terrasse verlegt. Rebecca ist zum ersten Mal dabei und fragt sich: Welche Stolpersteine lauern hier? Und sollte ich ein Gastgeschenk mitbringen?
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Der schmale Grat zwischen Privatem und Beruflichem: Wenn der Chef oder die Chefin nach Hause auf die Terrasse zum Meeting lädt, kann das eine Herausforderung sein. (Symbolbild)

Foto: Thomas Barwick / Stone RF / Getty Images

Rebecca, 32 Jahre, fragt: Meine Chefin hat zu einem wichtigen Meeting mit der Geschäftsleitung eingeladen – nach sich zu Hause auf ihre Terrasse. Worauf muss ich mich vorbereiten? Soll ich als Teamleiterin etwas mitbringen außer meiner Präsentation? Und wenn ja, was? Alkohol verbietet sich wahrscheinlich bei einem geschäftlichen Anlass – aber wenn ich etwas Nichtalkoholisches nehme, wirkt das vielleicht auch komisch, so, als sähe ich ein Alkoholproblem in der Firma. Und vielleicht wirkt es überhaupt komisch, ein Gastgeschenk mitzubringen – denn es ist doch trotz allem ein geschäftliches Meeting.

Dorothea Assig und Dorothee Echter sind Beraterinnen für das internationale Topmanagement, Konferenzrednerinnen und Autorinnen von Fachartikeln und Fachbüchern. Dazu zählen »Freiheit für Manager« und »Ambition. Wie große Karrieren gelingen«, die beide im Campus Verlag erschienen sind. In ihren Beiträgen gehen sie besonders auf Probleme von Führungskräften ein. E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de schreiben – Stichwort Assig und Echter 

Liebe Rebecca! Die Einladung ist schon mal großartig. Doch Ihr Gefühl trügt Sie nicht, bei Einladungen von Vorgesetzten nach Hause auf die Terrasse kann viel schiefgehen. Nehmen Sie sie als sportliche Challenge. Es geht um die richtige Gestaltung des Raums zwischen Business und Privat. Diese Terrasse ist kein Büro, die Einladung ist dennoch beruflich. Wie bewegen Sie sich ungezwungen in diesem Zwischenraum?

Gesellig sein, ohne privat zu werden

Je höher Sie aufsteigen, umso bedeutsamer wird dieser Zwischenraum für Sie werden. Denn dort werden die wichtigsten geschäftlichen Strategien und Entscheidungen vorbereitet. Ihre Chefin hat weiterhin die Führung und gibt die Stimmung vor. Sie fügen sich unkompliziert ein, besonders, wenn es ähnliche Meetings – ohne Sie – schon vorher gab.

Erforschen Sie diesen Raum: Welche Rituale gibt es, wie gehen alle miteinander um, wie schwingen sich alle in die Stimmung ein? Es kann sein, dass alle von Anfang an die Ärmel aufkrempeln, ihre Unterlagen herausholen und es wird gearbeitet wie verrückt. Oder es wird bis kurz vor Ende dieses launigen Abends geplaudert, und erst dann werden wie der Blitz wesentliche Entscheidungen getroffen. Seien Sie einfach auf alles gefasst. Bleiben Sie gut gelaunt. Schwingen Sie mit. Das ist Socializing im Business. Es ist eine für Ihre Karriere sehr relevante Fähigkeit, gesellig zu sein, ohne privat zu werden. Die können Sie genau hier lernen.

Kleidung und Benehmen sind keine Äußerlichkeiten

Sie sind zum ersten Mal in dieser Runde, und natürlich registrieren alle – weitgehend unterbewusst – wie Sie sich geben. Sie müssen nicht alles richtig machen, sondern können diese Zeit genießen, sofern Sie sich an einige einfache Codes halten, die, gerade auch international, im Topmanagement gelten:

  • Kleiden Sie sich in etwa wie im Büro, also nicht viel Haut, keine Flipflops

  • Sonnencreme bitte vorab auftragen

  • Kommen Sie nicht völlig hungrig oder satt, wenn Sie nicht wissen, ob und wann es etwas zu essen gibt

  • Trinken Sie höchstens ein Glas Alkoholisches, zum Anstoßen, sonst Wasser

  • Falls ein Partner, eine Partnerin da ist und vielleicht sogar für die Bewirtung gesorgt hat, bedanken Sie sich bei dieser Person und erwähnen sie anschließend in Ihrer Dankeskarte

  • Machen Sie Komplimente für alles Private (Kunst, Einrichtung, Garten), das Ihnen gezeigt wird.

Und: Entspannen Sie sich. Niemand übersteht ein solches Treffen, ohne nicht wenigstens eine blöde Bemerkung, einen verunglückten Witz gemacht oder eine unpassende Antwort gegeben zu haben. Die ganze Zeit schweigen, ist ja keine Alternative, und alle sind in der Regel gutwillig. Beachten Sie diese Gesprächstabus: Familienprobleme, Krankheiten, Anzüglichkeiten, Flirten, Politik, Religion. Kein Lästern über nicht Anwesende.

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Schwingen Sie mit, statt Ihre Ausnahmeposition als »Anfängerin« zu inszenieren. Sie müssen nicht Gas geben, nichts beweisen, nicht besonders witzig, herausragend und bemerkenswert sein. Sie sind hier, weil Sie in Ihrem Themenfeld etwas zu sagen haben. Untersuchungen zeigen, dass die eigene Wahrnehmung von Fehlern in Gesprächen viel zu negativ ist – seien Sie großzügig mit sich selbst, denn dies ist eine Lernsituation.

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Ein Gastgeschenk ist bei einer Einladung nach Hause immer richtig

Sogar dann, wenn niemand anderes ein Geschenk mitbringt, zeigt es Ihren Habitus: Ich nehme nichts als selbstverständlich, ich empfinde diese Einladung als Auszeichnung. Was sie tatsächlich ist. Sie können einen guten Wein als Geschenk übergeben, immer zusammen mit einer persönlichen Dankeskarte. Bücher sind schwierig, weil Titel und Inhalt in Bezug auf Ihre Person überinterpretiert werden könnten.

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Wichtig: Sie sind die ganze Zeit loyal, gerade auch den Personen gegenüber, die nicht dabei sind. Sie zeigen Ihre Loyalität, indem Sie positiv über alle Anwesenden sprechen, Bezug nehmen auf deren kluge Äußerungen, und Ihre Chefin gut aussehen lassen. Über nicht Anwesende wird ebenfalls ausschließlich positiv gesprochen.

Im Anschluss an das Meeting ist die Vertraulichkeit wichtig, wie nach jeder geschäftlichen Besprechung. Im Topmanagement ist es selbstverständlich, dass außer den direkt Beteiligten niemandem bekannt ist, dass es dieses Treffen überhaupt gibt. Orientieren Sie sich daran, wie Ihre Chefin damit umgeht, und verhalten Sie sich entsprechend. Wir wünschen Ihnen, dass diese Terrassen-Einladung Sie im Wissen bestärkt, wie gut Sie sind, und dass Entscheiderinnen und Entscheider Sie wertschätzen.