515 Euro pro Monat Bundestag beschließt Mindestlohn für Azubis

Zehntausende Azubis sollen künftig besser bezahlt werden: Vom kommenden Jahr an bekommen sie mindestens 515 Euro pro Monat. Doch was der Bundestag beschlossen hat, ist Kritikern zu wenig.

Auszubildende sollen ab kommendem Jahr einen Mindestlohn bekommen
Jan Woitas/dpa-Zentralbild/picture alliance

Auszubildende sollen ab kommendem Jahr einen Mindestlohn bekommen


Im kommenden Jahr geht es los: Auszubildende im ersten Lehrjahr sollen für ihre Tätigkeit in Betrieben dann mindestens 515 Euro Gehalt im Monat bekommen. Das hat der Bundestag am Donnerstag beschlossen.

Der Betrag wird in den folgenden Jahren schrittweise weiter erhöht auf bis zu 620 Euro monatlich im ersten Lehrjahr. Auch im zweiten und dritten Ausbildungsjahr gibt es mehr: 2024 soll der Azubi-Mindestlohn dann automatisch mit der Entwicklung der Lehrlingsgehälter steigen. Ausnahmen sind künftig nur dann möglich, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen eigene Vereinbarungen treffen.

Das Gesetz sieht außerdem die Einführung neuer Bezeichnungen für die berufliche Fortbildung vor, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der beruflichen Bildung zu sichern. Künftig soll es die folgenden Fortbildungsabschlüsse geben:

  • "Geprüfte/r Berufsspezialist/in"
  • "Bachelor Professional"
  • "Master Professional"

Außerdem soll noch mehr Azubis eine Ausbildung in Teilzeit ermöglicht werden.

Duale Ausbildung als deutsches Markenzeichen

Die Bundesregierung will mit ihrem Gesetz die Berufsausbildung attraktiver machen und Abbrecherquoten in der Ausbildung verringern. Der Bundesrat muss der Reform noch zustimmen.

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte im Bundestag, die duale Ausbildung sei neben "Made in Germany" ein Markenzeichen Deutschlands. Erfolg sei aber kein Selbstläufer, sagte sie mit Verweis auf nicht besetzte Lehrstellen.

Von der geplanten Mindestvergütung könnten rund 115.000 junge Menschen profitieren. So viele Azubis verdienten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit Ende 2017 jedenfalls weniger als 500 Euro im Monat - viele davon sogar weniger als 400 Euro. Im Osten und in bestimmten Berufen, zum Beispiel als Friseur, bekommen Lehrlinge bislang besonders wenig Geld.

Die Gewerkschaft IG Bau begrüßte den Mindestlohn zwar - 515 Euro im ersten Ausbildungsjahr sei allerdings noch "deutlich zu wenig". Hier müsse der Gesetzgeber nachlegen.

Für die neuen Bezeichnungen von Fortbildungsabschlüssen gab es Lob vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK): Die Bezeichnungen seien ein "starkes Signal für die Gleichwertigkeit der beruflichen und der akademischen Bildung". Auch das Handwerk sprach von "attraktiven und international verständlichen Fortbildungsstufenbezeichnungen".

Der Handelsverband warnte hingegen vor "Verwirrung" bei der Einführung der neuen Bezeichnungen sowie vor Mehrkosten für die Betriebe durch Freistellungen aller Auszubildenden an Berufsschultagen. Eine Mehrbelastung drohe auch durch die vorgesehenen bezahlten Freistellungen von Prüfern.

faq/dpa/afp

insgesamt 16 Beiträge
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Mikrohirn 24.10.2019
1. Hat der Bundestag
auch beschlossen, dass die Betriebe für das Geld Auszubildende einstellen müssen? In einem wirklich professionell planwirtschaftlichen Staat wäre das so - und hat sich in deren Geschichte zigfach erfolgreich bewährt.
steuerzahler1972 24.10.2019
2. Friseurbranche?
Fragen über Fragen... Wann waren die Leute, die das fordern zuletzt beim Friseur? Was hat der/die/das Auszubildende damals gemacht? Hat er Ihnen im ersten oder zweiten Lehrjahr die Haare geschnitten? Haben Sie dafür wirklich den vollen Preis bezahlt? Wie soll sich in diesem Segment eine Ausbildungsvergütung von über 500 Euro rechnen? Ich kann nachvollziehen, dass die jungen Menschen Geld zum Leben brauchen. Allerdings wohnen auch Schüler im Normalfall bis 18 Jahre zuhause und müssen mit weit weniger Geld auskommen. Warum soll ein Salon diese gesamtgesellschaftlichen Kosten voll übernehmen, wenn das Ganze für den Betrieb ein Zuschussgeschäft ist? Dies ist meiner Meinung nach auch eine Aufgabe des Staates. Zumindest einen Teil der Kosten sollte er übernehmen. Bei Studenten geht das ja auch. Meine Bekannte hat vor kurzem den Friseurbetrieb nach über 25 Jahren eingestellt. Die Auszubildenden waren leider die letzten Jahre nicht mehr ausbildungsfähig, Angestellte oft krank oder sind kurzzeitig schwanger geworden. Betrieb geschlossen, ein Ausbildungsplatz und zwei weitere Angestellte weniger. Ich bin mir sicher, dass fangen jetzt die Barber-Shops, die an jeder Ecke aufmachen und Männer für 10,-€ schneiden auf.
World goes crazy 24.10.2019
3. Wow
Da hatte ich zu meiner Azubi-Zeit vor gute 10 Jahren ja noch mehr...das reicht nur wenn man daheim wohnt, auf dem Land oder irgendwo im Osten. Ein wirklicher Fortschritt ist das für die meisten sicher nicht.
dieter.wessel 24.10.2019
4. Azubi"gehalt"...
schon bei dem Begriff bekomme ich Pickel. Ich habe einige Bürokaufleute ausgebildet. Die bekamen so um die DM 200, dafür waren sie dann 3 Tage im Büro und 2 Tage Berufsschule. Dem schwächere musste Rechtschreibung und Rechnen beigebracht werden, und dass man Briefmarken nicht mit Tesafilm aufklebt. Der Bessere trug ab Mitte des 2. Lehrjahres zur Wertschöpfung bei. Und mit meinem Besten wurde ich vor der Handelskammer ausgezeichnet. Der hätte natürlich mehr "verdient " , hat aber auch nicht mehr bekommen. Ich würde heute bei den Rahmenbedingungen keine Azubis mehr einstellen.
rabab2k 24.10.2019
5.
Leute die um die 10.000 Euro verdienen und noch dazu von allen Seiten Geschenke erhalten, billigen anderen Menschen 500 Euro zu. Wie großzügig!
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