Mitarbeiter werben Mitarbeiter 5000 Euro für einen neuen Kollegen

Unternehmen setzen zunehmend auf die eigenen Mitarbeiter, wenn sie einen Job zu vergeben haben. Wer erfolgreich einen Bekannten vermittelt, dem winken hohe Geldprämien.

Mitarbeiter sind glaubwürdiger als Headhunter
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Mitarbeiter sind glaubwürdiger als Headhunter


Karriereseiten, Jobbörsen, soziale Medien - die Suche vieler Firmen nach neuen Mitarbeitern beschränkt sich oft auf etablierte Kanäle. Gelegentlich gehen die Unternehmen allerdings auch andere Wege - und setzen auf Ressourcen im eigenen Haus. Neben Headhuntern sollen auch Angestellte neue Kollegen werben. Bei erfolgreicher Vermittlung erhalten sie Prämien.

Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung in Nürnberg zufolge wird fast jede dritte Stelle über persönliche Kontakte besetzt. Bei den 1000 größten Unternehmen in Deutschland sei es knapp jede zehnte Stelle, sagt Tim Weitzel, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Damit sei dies der zweitstärkste Kanal bei der Mitarbeitersuche - noch vor Social Media und der Arbeitsagentur.

Das Konzept bietet sich vor allem dort an, wo viele Stellen unbesetzt sind - etwa in technischen Berufen oder in Gesundheits- und Pflegeberufen. Die Vorteile: Eigene Mitarbeiter sind als Botschafter für ein Unternehmen glaubwürdiger als jeder Headhunter, der Bewerbungsprozess wird beschleunigt. Und Mitarbeiter empfehlen nur Leute, von denen sie etwas halten. Weitzel spricht von einem "mächtigen Kanal".

Angst vor einem Flop

Er kennt jedoch auch die Grenzen: "Ein nennenswerter Teil der Mitarbeiter spricht keine Empfehlungen aus." Vor allem Frauen und Ältere hätten die Sorge, eine Empfehlung könnte sich als Flop erweisen. Viele wollten zudem Beruf und Privates trennen.

Lionel von Dobeneck hat vor vier Jahren mit zwei Freunden in München das Start-up Talentry gegründet. Es stellt Firmen die Software für entsprechende Empfehlungsprogramme im Haus zur Verfügung. "In kleinen Unternehmen kann man das über den Flurfunk abdecken", sagt von Dobeneck. Je größer eine Firma werde, desto geringer sei jedoch die Quote der Neuzugänge, die über Empfehlungen eingestellt würden.

Talentry soll das ändern. Mithilfe der Software können Mitarbeiter Freunden über soziale Netzwerke wie Xing, Facebook oder Whatsapp eine Privatnachricht schicken und sie auf eine freie Stelle hinweisen. Die Bewerbung läuft dann mit wenigen Klicks über einen personalisierten Link - das Unternehmen weiß also gleich, wer den Bewerber über die freie Stelle informiert hat.

Von Dobeneck: "Damit spart man allen Beteiligten Arbeit." Zudem würden auch Leute erreicht, die nicht aktiv auf Jobsuche sind. Der Vermittler kassiert eine Prämie - Geld, Urlaubstage oder Warengutscheine. Firmen mit ähnlichem Angebot sind etwa die Schweizer Plattform Eqipia und das Wiener Start-up Firstbird.

Mehr Jobsuchende mit passendem Profil

Der Hamburger Onlinehändler Otto hat eine achtmonatige Pilotphase mit Talentry hinter sich - und weitet das Verfahren auf den Hamburger Campus mit 5000 Mitarbeitern aus. Die ProSiebenSat.1-Gruppe, das Musiklabel Universal oder der Klinikkonzern Vivantes arbeiten ebenfalls mit Talentry.

Die Pilotphase sei sehr gut gelaufen, sagt Myra Monheim von Ondarza, die bei Otto für Personal- und Organisationsprojekte zuständig ist. "Die Möglichkeit der Mitarbeiterwerbung besteht seit über zehn Jahren, ist aber nicht sehr stark genutzt worden." Das Verfahren sei wohl zu kompliziert gewesen.

Während der Pilotphase hätten sich wesentlich mehr Jobsuchende mit passendem Profil gemeldet. Die Quote jener Bewerber, die zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, habe sich verdoppelt, sagt Monheim von Ondarza. Für eine Vermittlung gibt es bei Otto Prämien im Wert von 500 und 5000 Euro.

Otto will Talente erreichen, auf die das Unternehmen sonst weniger Zugriff hätte. Es sei ein Riesenvorteil, wenn Mitarbeiter, die unser Unternehmen schätzen, in ihren Netzwerke auf uns aufmerksam machten, sagt Monheim von Ondarza.

Michel Winde/dpa/lov

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
smartphone 19.05.2016
1. Empfehlung contra HR Methoden
Sicherlich kann Betribsfunk hilfreich sein - aber von solchen "Empfehlungen" kann man haletn ,was man will, Nehmen wir mal BOSCH ... Offenbar funktioniert dieses Modell nihct wirklich, wie man im Nachhinein excellent sehen kann...: Wenn eine HR alle 3 Monate in der Presse vom Fachkräftemangel jammert - intern besagtes Kopfgeld gar ausgelobt .... und wenn sich dann entsprechende Leute bewerbend ...mit Sprüchen wie " Guten Leuten muß man absagen" behandelt werden...... Ist offensichtlich , daß imGrunde die komplette Personalabteilung entsorgt werden muß.... Dieses Problem oftmals seit xx Jahren in den Firmen festgefressener Personalerattitude ist im Grunde das KErnproblem schlechthin, weil gar nicht erkannt wird, wo der Tumor sitzt ....
bawo 19.05.2016
2. Gerade in Führungsetagen
gehen Jobs "unter der Hand" weg und werden nicht klassisch ausgeschrieben. Man kennt sich über Netzwerke, Kollegen, Freunde. Habe selbst schon Leute aus dem Freundeskreis ohne Kopfgeld vermittelt, würde es aber nicht wieder tun, außer ich habe mit den Personen schon mal gearbeitet. Von besagt Vermittelten kam noch nicht mal ein Wort des Dankes und die Freunde entpuppten sich zum Schreck aller anderen Kollegen im Arbeitsleben als Rumpelstilzchen.
aktiverbeobachter 19.05.2016
3. Verständnis
Zitat von smartphoneSicherlich kann Betribsfunk hilfreich sein - aber von solchen "Empfehlungen" kann man haletn ,was man will, Nehmen wir mal BOSCH ... Offenbar funktioniert dieses Modell nihct wirklich, wie man im Nachhinein excellent sehen kann...: Wenn eine HR alle 3 Monate in der Presse vom Fachkräftemangel jammert - intern besagtes Kopfgeld gar ausgelobt .... und wenn sich dann entsprechende Leute bewerbend ...mit Sprüchen wie " Guten Leuten muß man absagen" behandelt werden...... Ist offensichtlich , daß imGrunde die komplette Personalabteilung entsorgt werden muß.... Dieses Problem oftmals seit xx Jahren in den Firmen festgefressener Personalerattitude ist im Grunde das KErnproblem schlechthin, weil gar nicht erkannt wird, wo der Tumor sitzt ....
Ich bin nicht sicher, ob ich Ihren sehr wirr geschriebenen Beitrag richtig verstehe. Aber ich verstehe, dass sie die HR Abteilung als Tumor bezeichnen und das finde ich äußerst primitiv und respektlos. Nach meiner Erfahrung arbeiten da genauso viele kompetente und inkompetente MA/innen wie in jeder anderen Abteilung eben auch. Auch verstehe ih Ihren inhaltlichen Beitrag zum Thema nicht. Aber vielleicht haben Sie auch gar nichts zu sagen, sondern wollen nur ihren persönlichen Frust loswerden. Meine Erfahung mit dem tool MWM ist eher schlecht. Es fühlen sich nur wenige MA motiviert und wenn sind es immer die gleichen, die dann mit aller Gewalt scharf auf die Belohnung sind. Darüberhinaus kommt man als AG immer schnell in eine Diskussion, War das nun eine Empfehlung oder nicht bzw. hat der MA Anspruch auf die Prämie oder nicht. Ebenso halte ich die Aussage "Unternehmen setzen zunehmend auf die eigenen Mitarbeiter, wenn sie einen Job zu vergeben haben" für typisches Beratergequatsche, was nicht real ist.
dingodog 19.05.2016
4. Leider richtig
Zitat von smartphoneSicherlich kann Betribsfunk hilfreich sein - aber von solchen "Empfehlungen" kann man haletn ,was man will, Nehmen wir mal BOSCH ... Offenbar funktioniert dieses Modell nihct wirklich, wie man im Nachhinein excellent sehen kann...: Wenn eine HR alle 3 Monate in der Presse vom Fachkräftemangel jammert - intern besagtes Kopfgeld gar ausgelobt .... und wenn sich dann entsprechende Leute bewerbend ...mit Sprüchen wie " Guten Leuten muß man absagen" behandelt werden...... Ist offensichtlich , daß imGrunde die komplette Personalabteilung entsorgt werden muß.... Dieses Problem oftmals seit xx Jahren in den Firmen festgefressener Personalerattitude ist im Grunde das KErnproblem schlechthin, weil gar nicht erkannt wird, wo der Tumor sitzt ....
Leider nicht nur bei Bosch so, dass nach aussen wie wild gesucht wird, dann aber die Unfähigkeit zuschlägt, im mir bekannten Falle die des einstellenden Managers, der quasi nebenberuflich die Erstkontakte zu übernehmen versuchte. Großer IT-Konzern... absolut unprofessionell.
exil-berliner 19.05.2016
5. Anstatt hohe Geldprämien...
sollten Unternehmen die momentan angestellten Mitarbeiter/innen besser bezahlen. [PUNKT]
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