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Mittagspause in Mexiko: Heiß und fettig

Foto: Sonja Peteranderl

Mittagspause in Mexiko-Stadt "Nur zum Essen sind alle pünktlich"

Bitte schön scharf! Wer braucht schon eine Kantine, wenn es Tortillas, Tacos und Enchiladas auf der Straße und in netten kleinen Restaurants gibt? In Mexiko-Stadt ist die Mittagspause ein soziales Ereignis - nur der Chef darf nicht mit an den Tisch.

Klapprige Straßenstände vereinen mittags ganz Mexiko: Männer in Anzügen sitzen dicht gedrängt neben Frauen mit Schürzen, Bauarbeiter neben Bankberaterinnen. Vor ihnen türmen sich Schalen mit gebratenen Kakteen und Rührei, Kartoffeln, Rindfleisch oder Würstchen. In kleinen Bottichen, aus denen sich alle bedienen, gibt es grüne und rote Salsa und Guacamole. Großzügig wird alles auf Tortillas gehäuft. Die handgroßen, runden Fladen aus Mais oder Weizen sind das mexikanische Grundnahrungsmittel und bei fast jedem Essen dabei.

Auch Jacob Falcon, Unternehmensberater aus Mexiko-Stadt, bestellt sich oft gefüllte Fladen auf der Straße, wenn es schnell gehen muss: "Tacos sind das Fast Food Mexikos." Am liebsten isst er die gefüllten Tortillas aber in kleinen Restaurants, in denen es ruhiger ist. Die Mittagspause ist für ihn zwischen acht Uhr morgens und acht Uhr abends meist die einzige Auszeit von der Schreibtischarbeit.

Weil die Stadt zu groß ist, um sich mit Freunden aus anderen Firmen zu treffen, geht Falcon mittags mit Kollegen essen. Allein zu speisen, gilt fast als Tabu. "Essen ist in Mexiko auch immer eine Gelegenheit, sich zu treffen, da ist immer ein sozialer Kontext", sagt Falcon. Die meisten Mexikaner nehmen sich mittags eine Stunde dafür Zeit, Falcon manchmal zwei.

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Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Auch in Mexiko hat sich die Arbeitswelt in den vergangenen Jahren verändert: Viele kennen weder geregelte Arbeitszeiten noch feste Pausen, sie essen mal am Straßenstand, mal im Restaurant, manchmal gar nicht. Aber: Wer mittags eine Verabredung hat, hält sie auch ein. "Die Mittagspause ist wohl der einzige Termin, zu dem die Mexikaner pünktlich sind", so Falcon.

Das Verdauungsschläfchen, ein mexikanisches Klischee, ist in der Hauptstadt längst abgeschafft. Höchstens auf den Dörfern gönnten sich manche nach dem Essen noch eine Siesta, sagt der Unternehmensberater.

Zuckriger Fruchtsaft oder lieber gleich ein Bier?

Chefs und Angestellte essen kaum zusammen, selten mischen sich die Hierarchien. "Die Mittagspause eröffnet einen sehr informellen Raum - wenn man mit jemandem essen geht, ist das ein Symbol für Nähe und Freundschaft", erklärt Falcon. Manchmal nutzt er die Essenszeit, um Firmenkunden besser kennenzulernen. Für Verabredungen mit Klienten wählt er aber gehobenere Restaurants, wo man mit Besteck isst - und die Gefahr geringer ist, sich den Anzug zu bekleckern.

Mexikanische Restaurants bieten oft günstige Mittagsmenüs an: Suppe, Hähnchen mit Reis und Bohnen und als Nachspeise "Gelatina", bunt gefärbter Wackelpudding, oder Milchreis. Das Essen ist meist ziemlich fettig, aber das stört nur wenige. "Wir essen sehr schwer und sehr scharf, mit vielen Gewürzen wie Chili, Pfeffer und Salz", sagt Falcon. Dazu gebe es fast immer Mais und Bohnen. Und viermal in der Woche esse er auch rotes Fleisch.

Zum Essen bestellt Falcon sich Wasser, ein fast merkwürdiges Verhalten, wie er selbst meint: "Die Mexikaner sind es nicht gewöhnt, etwas ohne Geschmack zu trinken." Süße, gezuckerte Fruchtsäfte oder "Refrescos", Erfrischungsgetränke, sind besonders beliebt. Mexiko ist seit Jahren das Land mit dem weltweit höchsten Cola-Konsum, obwohl die Regierung mit Werbekampagnen gegen ungesunde Ernährung und Übergewicht kämpft.

Freitags stoßen viele schon mittags mit Bier an. Angestellte fangen am Freitag nämlich in der Regel früher als sonst mit der Arbeit an und hören schon am frühen Nachmittag auf. So wird die Mittagspause zum Start ins Wochenende.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hatte sich ein Schreibfehler eingeschlichen: Falcon isst mittags nicht rohes, sondern rotes Fleisch. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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