Gute Nacht, Chef! Wie unsere Leser Mittagsschlaf im Büro machen

In der Mittagspause kurz einpennen: Experten fordern, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern das ermöglichen. Hier berichten unsere Leser, was passiert, wenn sie im Büro ein Nickerchen machen.

Mittagsschlaf-Möglichkeiten am Arbeitsplatz gibt es noch zu selten. Manche SPIEGEL-Leser machen ihr Nickerchen deshalb direkt am Schreibtisch (Symbolbild)
Bernd Vogel/ Getty Images

Mittagsschlaf-Möglichkeiten am Arbeitsplatz gibt es noch zu selten. Manche SPIEGEL-Leser machen ihr Nickerchen deshalb direkt am Schreibtisch (Symbolbild)


Ich bin dann mal kurz schlafen, lieber Chef: So könnte die Abschiedsformel lauten, mit der sich Arbeitnehmer in ihre Mittagspause verziehen - zum Nickerchen. Genau dafür sollen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern längere Auszeiten zur Mittagszeit ermöglichen, forderte jüngst der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).

Experten befürworten das ausdrücklich, Schlafforscher Alfred Wiater etwa empfiehlt als besten Ort für ein Nickerchen: "Ein ruhiger Raum, gedimmtes Licht, eine Liege."

Ein Schläfchen am Arbeitsplatz, wie soll das gehen?

Das wollten wir von Ihnen wissen. Machen Sie ein Nickerchen - und wenn ja, wohin gehen sie dafür? Wir haben Sie gebeten, uns per E-Mail davon zu berichten - und veröffentlichen hier eine Auswahl Ihrer Einsendungen.

Christian Kölbel arbeitet in einem Krankenhaus. Er schreibt:

"Seit vielen Jahren halte ich gegen 14 Uhr einen regelmäßigen Mittagsschlaf von maximal 20 Minuten auf einer Untersuchungsliege in meinem Büro. Das Telefon wird abgestellt; ich bin für niemanden zu sprechen. Danach bin ich frisch und gestärkt und kann meinen elf- bis zwölfstündigen Arbeitstag gut absolvieren. Meine Kollegen und Mitarbeiter wissen davon und respektieren meine Siesta."

Yasmin Heisler hat sich digitale Hilfe geholt, um ihren Mittagsschlaf genießen zu können:

"Ich habe eine Powernap-App und suche mir für etwa 16 Minuten einen nicht genutzten Besprechungsraum. Dort lehne ich mich mit Nackenkissen, Schlafbrille und In-Ear-Kopfhörer zurück und folge der 15-minütigen Hypnose. Ich kann mittlerweile total entspannen. Danach bin ich wieder fit für die zweite Hälfte des Tages. Meine Kollegen wissen davon, finden das gut - aber bislang macht keiner mit."

Ein IT-Manager aus Dresden will seinen richtigen Namen nicht veröffentlicht wissen. Er arbeitet neun bis zehn Stunden pro Tag in einem Großraumbüro - und schreibt:

"Jeden Tag ist meine Mittagspause 90 Minuten lang. 60 Minuten wird gegessen und gequatscht und 30 Minuten sind für die Siesta reserviert. Ich versuche, in dieser Zeit auf meinem Büro-Stuhl mithilfe von lauter Musik und einer Augenbinde 'wegzunicken'. Dafür brauche ich zehn bis 20 Minuten.

Ich muss laute Musik ohne Gesang hören. Am besten funktioniert schnelle, klassische Musik. Gespräche sollten nicht zu hören sein, Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung sind sehr hilfreich. Danach einen Kaffee und noch etwas Zeitvertreib im Internet. Fertig, ich bin wieder 100 Prozent fit!

Ich merke, dass ich in puncto Konzentration und Effektivität vor allem zwischen 13 und 15 Uhr, aber auch nach 17 Uhr meinen Mitarbeitern überlegen bin.

"Der Erste, der die Siesta so offen praktiziert hat"

Meine Vorgesetzten sehen es gelassen, dass ich Mittagsschlaf mache. Dennoch: Einige Mitarbeiter mussten mich schon mal wachrütteln oder planten Termine, die um 13 Uhr begannen. Da hat bisher immer ein Gespräch geholfen. Sowohl in meiner vorherigen als auch in meiner jetzigen Firma war ich der Erste, der die Siesta so offen praktiziert hat. Doch nach einigen Monaten fanden sich erste Nachahmer.

Aber nicht alle trauen sich zu diesem Schritt. Andere wollen am Ende des Arbeitstags lieber früher zu Hause sein und nehmen sich nicht die Zeit für eine Pause - lieber quälen sie sich durch den Nachmittag. Ich denke, ein Mitarbeiter, der sich Zeit für ordentliche Pausen nimmt, ist einer, der seine Freizeit in das Unternehmen investiert. Und diese sind meistens die Leistungsträger in der Mannschaft.

Ich muss sehr viele Entscheidungen treffen und mich in Diskussionen einbringen, die einen großen Einfluss auf das Unternehmen und auf einzelne Mitarbeiter haben. Ich möchte durch den Powernap sicherstellen, körperlich und im Geiste dafür in einer sehr guten Verfassung zu sein."

Und jetzt sind Sie dran
  • imago images/Panthermedia
    Schreiben und erzählen Sie uns Ihre schönsten, längsten oder kürzesten Mittagsschlafgeschichten und schicken Sie uns Bilder von Ihrem Mittagsschlaf im Büro.
  • Schreiben Sie uns eine E-Mail.
Mit der Einsendung unter Ihrem vollen Namen - und gegebenenfalls Nennung der Quelle - bestätigen Sie, dass Sie einer honorarfreien Veröffentlichung unter Nennung Ihres Namens zustimmen.

Rolf Benz ist 78 Jahre alt und bereits pensioniert. Als er noch arbeitete, machte er regelmäßig Mittagsschlaf - und ließ sich nur im Falle einer Katastrophe oder einer finanziellen Überraschung ablenken:

"Ich halte meine Routine des Mittagsschlafes bis heute bei. Ich fuhr 17 Jahre zur See, davon fünf Jahre als Kapitän. An meiner Kabinentür befand sich ein Schild: 'Zwischen 13 und 15 Uhr nur stören im Falle drohenden Untergangs oder 100 Prozent Heuererhöhung'."

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
barklug 15.07.2019
1. Nichts Neues!
Ich mache seit Jahren ein kurzes Mittagsschläfchen. Das stört niemanden. Nur der Chef weckt mich ab und zu zur Kaffeepause.
fox111 15.07.2019
2. Wer möchte gerne
Also ich versuche eher weniger Pause zu machen als mehr und würde auch auf die Barrikaden gehen. Der durchschnittliche Arbeitstag geht eh von 7/8 Uhr bis 17 Uhr und da ist man schon gezwungen 30 min Pause zu machen. Noch später nach Hause kommen will ich nicht. Dann würde ich meine Tochter gar nicht mehr sehen und Hobbys könnte man komplett vergessen. Jede Minute Pause ist aus meiner Sicht verschwendete Zeit die man nicht außerhalb der Arbeit verbringen kann. Daher wer will soll das gerne machen aber wer möchte sollte auch gar keine Pause machen müssen um nach 8-9 Std auch nach Hause gehen zu können.
herm16 15.07.2019
3. wie wirkt
so ein Artikel, auf einen Arbeiter? Kein Wunder, dass Angestellte als Sesselführer bezeichnet werden. Solche Artikel sind eine Diskriminierung für jeden, der nicht die Möglichkeit hat ein Nickerchen zu machen
scxy² 16.07.2019
4. @fox111
Sie sollten sich und Ihren Arbeitgeber mit den Regelungen des Arbeitszeitgesetzes vertraut machen. Danach sind Arbeitstage mit elf bis zwölf Stunden Arbeit grundsätzlich nicht zulässig und die Pausenzeit von 30 min. zu kurz!
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