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Roben für Frauen: Was nicht passt, wird passend gemacht

Foto: Simon Michaelis

Roben-Mode für Juristinnen Schick sehen Sie aus, Frau Richterin!

Eine Robe soll Würde verleihen. Bei Juristinnen klappt das leider oft nicht so richtig. Zu groß, zu weit, zu unförmig ist die Tracht. Eine Anwältin und eine Schneiderin haben daher nun eine eigene Kollektion entworfen.

Irgendwo zwischen Empörung und Erheiterung - so klingt das Raunen, das gerade die Runde durch die Publikumsreihen macht. Modenschau mal anders. Die Bibliothek des Düsseldorfer Jacobihauses ist heute ein Juristinnen-Catwalk. Und Rechtsanwältin Laura Kubach hat gerade diese Zeilen verlesen:

"Berufe, welche ruhiges Arbeiten in vorgeschriebenen Bahnen verlangen, erfüllt die Frau so gut wie der Mann. Wo rasche Entschlussfähigkeit und große Verantwortung in Frage kommen und besondere Ansprüche an kaltblütiges, von momentanen Stimmungen unabhängiges Urteilen und Handeln gestellt werden, passt die Frau nicht."

Ernst Bumm, Direktor der Universitäts-Frauenklinik der Berliner Charité hatte das einst in seinem "Gutachten über die Eignung der Frau zum Strafrichterberuf" so festgehalten, im Jahr 1921.

Nicht ganz 100 Jahre später ist das Gegenteil längst bewiesen, doch Kubach kämpft mit Damenschneiderin Ulla Kraus einen anderen Kampf: Die Berufstracht soll femininer werden. Sie wollen den unweiblichen Weiten der Robe an den Kragen gehen; weniger Sack, mehr Sitz. Der Name ihres Unternehmens, das sich mit der Show erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: Garde-Robe .

"Der Schnitt wurde damals wohl für kräftig gebaute Männer entworfen, die sich die Robe über das Jackett werfen. Eigentlich soll das Kleidungsstück eine gewisse Würde verleihen. Tatsächlich verliert eine Frau sie darin aber komplett", meint Kraus.

Die Form und das Aussehen der Amtstracht ist für Richter und Staatsanwälte landesrechtlich geregelt. Das "Merkblatt über die Amtstracht" stammt in Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 1963 - einer Zeit, zu der es kaum Juristinnen gab. 1970 lag der Anteil der Rechtsanwältinnen bei gerade einmal 4,5 Prozent.

Rechtsanwälte sind bei der Kleiderwahl an das Bundesrecht gebunden, das die Vorgaben weniger explizit vorschreibt, sich aber an der traditionellen, gewohnheitsrechtlichen Form orientiert. "Diese Regelungen sind einfach nicht mehr zeitgemäß", sagt Kubach.

Ihre Models haben weder kräftige Arme noch schrankige Schultern. Trotzdem versinken sie auf dem Laufsteg, beschallt von "Boston Legal"- und "Ally McBeal"-Titelmelodien, nicht in der Tracht. Die Roben fallen elegant, und die Besucher - hauptsächlich Juristinnen - applaudieren und schauen teilweise ungläubig.

Anwalts-Quiz

Kubach hatte sich für ihren ersten Gerichtstermin die Robe ihres Mannes geliehen. "Es sah aus wie ein Sack, aber ich dachte mir: Klar, ist ja auch eine Männerrobe." Die folgende erfolglose Suche nach einer passenden Damen-Robe ließ sie verzweifeln. "Viele Anbieter trennen ihre Modelle zwar in Damen und Männer, allerdings scheint da eher die Größe maßgeblich zu sein - die Schnitte sind gleich."

Kraus lernte sie bei einem ihrer Nähkurse kennen und berichtete ihr von der Idee einer Robe für Frauen. Keine einfache Aufgabe: Der Grat zwischen den vorgegeben Merkmalen - Farbe, Material und Grundform - und einem neuen, weiblicheren Schnitt ist schmal.

Kraus halbierte die Stoffmenge, von den typischen vier Falten ist nur eine übrig geblieben. Die Ärmel sind viel schmaler, ein Brustabnäher sorgt für die weibliche Form. Noch gibt es die Robe aber nur für Rechtsanwältinnen. Ein einheitliches Modell für Richterinnen und Staatsanwältinnen lässt sich nur schwer mit den landesrechtlichen Vorgaben vereinbaren. Kubach will, dass diese Regelungen geändert oder außer Kraft gesetzt werden: "Unser Ziel ist es, die überholten Vorschriften zu hinterfragen."

Dafür möchte sie die Landesjustizministerien anschreiben. Eine Kleiderordnung an sich findet sie gut: "Anwälte oder Richter werden anders wahrgenommen, wenn sie sich eine Robe überstreifen." Dabei gehe es aber nicht um Zentimetermaße, sondern um eine Grundeinstellung.

Außer den Roben hat Kraus vier verschiedene Fake-Blusen entworfen, die aus einem Kragen und einem Latz bestehen, aber beim Tragen unter der Robe wie eine Bluse wirken. Bei der Modenschau verlosen die Unternehmerinnen eines dieser "Betrügerchen". Die Gewinnerin ist: ein Mann.

Foto: Laura Engels

KarriereSPIEGEL-Autor Simon Michaelis (Jahrgang 1980) ist freier Journalist und lebt in Essen. Für seine Geschichten pendelt er vor allem zwischen den Regionen Rhein-Ruhr, Rhein-Main und Rhein-Neckar.

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