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19. Februar 2018, 03:54 Uhr

Lustlosigkeit im Job

So besiegen Sie das Kein-Bock-Gefühl

Von "Karrierebibel"-Autor Nils Warkentin

Bis Feierabend bringen Sie nichts Produktives mehr zustande? Und auf morgen haben Sie heute schon keine Lust. Akute Bocklosigkeit im Job: Woher sie kommt - und was Sie dagegen tun können.

Schon vormittags haben Sie keine Lust mehr, schieben Aufgaben vor sich her. Der Feierabend kann nicht schnell genug kommen und eigentlich könnte auch gleich Wochenende sein - oder Urlaub, so sieben bis neun Wochen.

Gerade zu Wochenbeginn kommt Lustlosigkeit im Job besonders häufig vor. Doch niemand ist dem Gefühl wehrlos ausgeliefert. Je früher Sie erkennen, dass Ihre Lust schwindet, desto schneller und besser können Sie reagieren.

Welche Ursachen hat Lustlosigkeit auf der Arbeit?

Bocklosigkeit kann viele Gründe haben. Den einen entscheidenden Grund zu finden, ist oft schwer. In vielen Fällen ist es auch eine Kombination verschiedener Ursachen. Wir haben eine Übersicht möglicher Gründe zusammengestellt:

Beides kann zu ausgeprägter Lustlosigkeit führen. Wenn Sie nur mit langweiligen Standardaufgaben betraut werden, für die Sie nicht einmal nachdenken müssen, verlieren Sie jede Motivation, sich überhaupt noch anzustrengen. Gleiches gilt, wenn die Herausforderungen im Job für Sie viel zu hoch sind und Sie mit jedem Projekt überfordert sind. Sobald Sie merken, dass selbst die größte Anstrengung nicht ausreicht, sinkt die Motivation gegen Null.

Im Beruf wollen fast alle Arbeitnehmer etwas erreichen: Mehr Verantwortung, Aufstieg , höhere Bezahlung. Solche Ziele motivieren enorm - wenn sie vorhanden sind. Gibt es diese Chancen nicht, kann schnell die Frage aufkommen "Warum soll ich mich überhaupt anstrengen?".

Jedes Unternehmen sollte die bestmöglichen Bedingungen für seine Mitarbeiter schaffen. Denn das wirkt sich direkt auf Zufriedenheit und Leistung des Teams aus. Veraltete Technik, zu kleine oder zu dunkle Arbeitsplätze können die Mitarbeiter schnell demotivieren.

Nette Kollegen und ein guter Chef können ein guter Grund sein, gern zur Arbeit zu gehen. Andersherum kann aber Streit im Job den letzten Nerv rauben und jegliche Motivation zunichtemachen. Und ist das Betriebsklima erst ruiniert, ist es nur schwer wieder aufzubauen.

Die Arbeit ist ein wichtiger Teil des Lebens, der eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Fehlt ein entsprechender Ausgleich, fehlt auch irgendwann die Lust auf den Job - selbst, wenn Sie ihn gern machen. Es braucht ein Gegengewicht in der Freizeit.

So entkommen Sie der Lustlosigkeit bei der Arbeit

Die meisten Menschen bekommen das Gefühl irgendwann einmal zu spüren. Wenn es Sie trifft, müssen Sie nicht in Selbstzweifel oder Grundsatzdiskussionen verfallen. Es bedeutet nicht gleich, dass Sie sich nach einem neuen Job umsehen müssen.

Vollkommen unbedenklich ist kurzfristige Lustlosigkeit. Sie hält höchstens ein paar Tage an. Mehr Gedanken sollten Sie sich machen, wenn aus der kurzen Phase eine anhaltende Lustlosigkeit wird. Manchmal reichen schon kleine Veränderungen, um wieder mehr Spaß am Job zu finden:

Es mag widersprüchlich erscheinen, bei akuter Bocklosigkeit auch noch Pausen einzulegen. Aber das kann tatsächlich eine effektive Erste-Hilfe-Maßnahme sein, um neue Motivation zu schöpfen. Wenn Sie keine Lust haben, irgendetwas zu machen, dann bringt es Sie kaum weiter, am Schreibtisch zu sitzen und Löcher in die Luft zu starren - oder beschäftigt auszusehen, wenn der Chef in der Nähe ist. Besser ist es, ein paar Minuten alles liegen zu lassen und an die frische Luft zu gehen. So bekommen Sie den Kopf wieder frei, bringen Körper und Gedanken in Bewegung.

Kaum ein Job ist acht Stunden am Tag spannend. Routineaufgaben gehören dazu, können einem aber den restlichen Arbeitstag verleiden. Sorgen Sie für Abwechslung. Mischen Sie langweilige mit spannenden Aufgaben, falls möglich. Oder arbeiten Sie nicht immer nur am Schreibtisch, sondern suchen Sie sich einen anderen Platz, an dem Sie ebenso gut arbeiten können.

"Oh nein, nicht das schon wieder..." Wenn Sie so an ein Projekt herangehen, folgt die Lustlosigkeit fast zwangsläufig. Ihre Gedanken beeinflussen Ihre Gefühle - und umgekehrt. Anstatt nur herumzunörgeln, können Sie sich genauso gut sagen, dass Sie das Beste aus der Aufgabe herausholen werden.

Wer unter Lustlosigkeit leidet, zieht sich meist zurück. Zu groß ist die Angst, als faul angesehen oder sogar kritisiert zu werden. Besser wird es dadurch allerdings nicht. Und allen anderen vorzuspielen, es gäbe kein Problem, wird die Situation eher noch verschärfen. Auch wenn es Mut kostet, sollten Sie deshalb über Ihre fehlende Motivation sprechen. Im privaten Umfeld werden Sie sicherlich auf Verständnis stoßen. Das Gespräch mit dem Chef kann helfen, diese Ursachen abzustellen.

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