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Gleichberechtigung Warum es in Hamburg Müllfrauen gibt - und in Berlin nicht

Wegräumen, was andere loswerden wollen: Die Arbeit als Müllmann ist ehrliche Maloche - und nichts für Frauen. Oder? In Hamburg, Frankfurt und München dürfen auch Müllfrauen arbeiten. In Berlin und Köln nicht.
Von Martin Scheele
Michaela Fuhrmann: Hamburgs erste Müllentladerin

Michaela Fuhrmann: Hamburgs erste Müllentladerin

Foto: Markus Scholz/ picture alliance / dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt Berufe, die schließen Frauen schon im Namen aus. Müllmann zu Beispiel. Im Duden findet sich nun aber ein neues Wort: Müllfrau.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) ist mit 5000 Beschäftigten Deutschlands größter kommunaler Entsorger und nach eigener Darstellung ein kommunales "Vorzeigeunternehmen". Doch bei den Müllwerkern liegt der Frauenanteil bei null Prozent. Müllfrau? Kenn ick nich.

Die BSR möchte keine "Müllabfuhr light", sagte ein Sprecher. Die Arbeitsbelastung sei laut wissenschaftlichen Studien für Frauen beim Vollservice, bei dem Tonnen aus den Kellern gezogen werden, zu hoch. Auch bekomme man gar keine Bewerbungen von Frauen auf diese Stellen. Ähnlich argumentiert man bei der Kölner Stadtreinigung: Die körperliche Belastung sei für Frauen zu hoch.

In Hamburg kann man das nicht nachvollziehen. "Wir haben strenge Arbeitsschutzrichtlinien, die für Männer und Frauen gleichermaßen gelten. Werden diese konsequent umgesetzt, können auch Frauen diese Tätigkeit verrichten", sagt ein Sprecher. "Natürlich setzt die Arbeit in der Müllabfuhr physische Fitness voraus. Das gilt aber für Männer und Freuen gleichermaßen. Das heißt, nicht jede Frau, aber auch nicht jeder Mann ist für die körperliche Arbeit der Müllabfuhr geeignet."

Althergebracht: Männer bei der Müllabfuhr

Althergebracht: Männer bei der Müllabfuhr

Foto: Holger Hollemann/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die erste Frau bei der Hamburger Müllabfuhr war Michaela Fuhrmann. Sie hat im April 2015 den Job übernommen. Damals verdienten nur insgesamt fünf Frauen deutschlandweit ihr Geld mit dem Schleppen von Mülltonnen. Mittlerweile fahren allein in der Hansestadt fünf Frauen von insgesamt 800 Müllwerkern auf den Wagen mit. "Das ist eine kleine Revolution", so der Sprecher.

Die Hamburger Stadtreinigung sieht überdies viele positive Folgeeffekte. "Es gibt immer wieder junge Männer, die sich als Herkules sehen und ohne Rücksicht auf die Arbeitsschutzbestimmungen herumfuhrwerken." Und sich dann wundern würden, dass sie mit Mitte dreißig einen Bandscheibenvorfall erleiden. "Frauen tragen dazu bei, dass die Regeln besser eingehalten werden."

Auch in anderen Städten werden bei der Müllabfuhr keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht. In Frankfurt am Main finden sich unter 541 Angestellten drei Müllentladerinnen. "Wir hoffen, dass dieser Anteil steigt", sagt ein Sprecherin. Beim Münchner Pendat gehen derzeit vier Frauen dieser Tätigkeit nach.

In Köln und Berlin dagegen soll alles so bleiben, wie es ist. Daran ändert offenbar auch Tanja Wielgoß nichts. Sie führt seit anderthalb Jahren Berlins Entsorgungsbetrieb.