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Dieter Lederer

Tipps vom Karrierecoach Muss ich schauspielern, wenn ich nicht hinter den Entscheidungen der Firma stehe?

Dieter Lederer
Ein Gastbeitrag von Dieter Lederer
Gruppenleiter Frank findet den Krisen-Sparkurs seiner Firma falsch und demotivierend – seinen Mitarbeitern muss er aber genau diesen Kurs vermitteln. Wie kann er seinen Gewissenskonflikt lösen?
Der Schauspieler Willy Millowitsch sagte einmal: »Irgendwann kommt für jeden die Stunde der Wahrheit. Und dann heißt es lügen, lügen, lügen!«

Der Schauspieler Willy Millowitsch sagte einmal: »Irgendwann kommt für jeden die Stunde der Wahrheit. Und dann heißt es lügen, lügen, lügen!«

Foto: Fabio Derby / Getty Images

Frank, 51 Jahre, fragt: »Ich bin Gruppenleiter und soll meinen Mitarbeitern den Krisen-Sparkurs unseres Unternehmens vermitteln. Den aber lehne ich ab, weil er völlig an der Praxis vorbeigeht und im Zweifel Jobs kostet, ohne etwas zu bringen. Das bringt mich in einen Gewissenskonflikt, da ich sowohl gegenüber meinem Chef als auch gegenüber meinen Mitarbeitern loyal sein möchte. Darf ich das in meiner Gruppe äußern oder muss ich schauspielern?«

Zum Autor

Dieter Lederer ist Veränderungsexperte, Unternehmer, Investor und Musiker. Er hat mehr als 300 industrielle Change-Projekte betreut. Sein neues Buch zum Thema: »Der Change-Code – Wie Menschen sich für Veränderungen begeistern und Unternehmen damit gewinnen«.

Am besten weder noch – doch der Reihe nach. Es ist normal, dass Führungskräfte von Zeit zu Zeit in Situationen kommen, in denen ihre persönlichen Überzeugungen von dem abweichen, was die Unternehmensleitung will. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn es Ihnen mit dem Sparkurs Ihres Managements so geht. Dass Sie sowohl mit Ihrem Chef an einem Strang ziehen als auch Ihren Mitarbeitern ein sicheres und optimales Arbeitsumfeld bieten wollen, ist völlig verständlich. Folgerichtig resultiert daraus ein Gewissenskonflikt, wenn das nicht zusammenpasst. Doch auch wenn es nicht so scheint: Meist gelingt es, einen vertretbaren Ausweg zu finden. Probieren Sie es mit den folgenden Schritten.

Ist es überhaupt ein Gewissenskonflikt?

In einem Gewissenskonflikt ruft das, was Sie sagen oder tun, einen innerlichen Widerstand hervor, der Ihnen das Gefühl gibt, dass dabei etwas nicht stimmt. Dieser Unstimmigkeit sollen Sie nachgehen, denn sie zeigt an, dass Sie gegen Ihre Werte und Überzeugungen handeln. Machen Sie sich klar, um welche Werte es dabei geht und ob diese tatsächlich für die akute Situation so bedeutsam sind, dass ein Verstoß dagegen untragbar für Sie ist. Dabei ist wichtig, zu wissen, dass Ihr Wertesystem nicht universell gültig ist, sondern das Resultat Ihrer Prägung und Erfahrungen.

Zur Abgrenzung: Sollte Ihr innerer Widerstand daher stammen, dass Ihnen generell nicht passt, was Ihr Chef will, weil er Ihnen unsympathisch ist oder weil sonstige Konflikte Ihr Verhältnis trüben, dann liegt kein Gewissenskonflikt vor. 

Woher rührt der Gewissenskonflikt?

Geht es bei Ihrem Gewissenskonflikt um Sachfragen und die Folgen daraus, wie Einsparungen, Produktentscheidungen, Projektreviews – oder dreht er sich um den Umgang mit Menschen, also um Aspekte wie Integrität, Achtung, Respekt, Würdigung? Für Erstere lassen sich häufig Handlungsalternativen oder -spielräume finden, siehe die folgenden Punkte. Bei Letzteren hilft nur, dass Sie sich entschieden gegen ethisch fragwürdiges Verhalten zur Wehr setzen.

Handlungsspielraum erkunden: Wie denkt Ihr Chef?

Bringen Sie in Erfahrung, wie Ihr Chef sich zur Frage positioniert, von der Ihr Gewissenskonflikt kommt. Gibt es für ihn ausschließlich den von der Firmenleitung gewünschten Weg, ohne jegliche Abweichung? Oder lässt er durchblicken, dass Handlungsspielraum je nach Situation des einzelnen Mitarbeiters besteht? Damit können Sie einschätzen, wie starr oder frei Sie in Ihrer Einschätzung und im Agieren sind. Möglicherweise ist damit Ihr Gewissen schon beruhigt.

Handlungsspielraum nehmen: Wozu sind Sie bereit?

Jenseits der Haltung Ihres Chefs liegt es darüber hinaus an Ihnen, zu beurteilen, welchen Handlungsspielraum Sie sich auf eigene Verantwortung herausnehmen, um Folgen von Unternehmensentscheidungen für Ihre Mitarbeiter abzumildern. Signalisieren Sie auf jeden Fall Verständnis. Beispielsweise können Sie Ihre Mitarbeiter wissen lassen, dass Sie es sich anders gewünscht hätten, dass jedoch trotzdem der Linie des Unternehmens zu folgen ist, so gut es geht. Damit machen Sie klar, wo Sie stehen, und vermeiden Schauspielerei. Zudem können Sie Ihren Mitarbeitern besondere Hilfe zuteilwerden lassen oder einen Ausgleich schaffen.

Zu guter Letzt: Stimmt das Fundament?

Falls die obigen Punkte für Sie nicht stimmig waren: Klären Sie für sich, ob Sie generell mit den Werten konform gehen, die von der Firmenleitung und Ihrem Chef gelebt werden. Sollte das nicht der Fall sein, werden Sie regelmäßig Gewissenskonflikte spüren, die Ausdruck einer grundsätzlichen Diskrepanz sind. Beantworten Sie sich dann die Frage, ob die positive Überlappung zwischen Ihren Vorstellungen und denen Ihres Unternehmens noch groß genug für eine längerfristige Zusammenarbeit ist oder ob Sie Konsequenzen ziehen sollten.

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