Muttertag "Ich will keine Badeperlen, sondern einen Kitaplatz"

Zum Muttertag werden viele Mamas mit Blumen oder Basteleien überhäuft. An den eigentlichen Bedürfnissen geht das vorbei.
    • E-Mail
    • Messenger
    • WhatsApp

Blumen zum Muttertag

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Annette Loers, 46, möchte keinen Gutschein für Maniküre, auch keine selbstgebastelten Batikherzen. Sie möchte gar keine Geschenke zum Muttertag. Die konservative Ausrichtung des Tages nervt sie. "Die Mütter kriegen Frühstück zum Muttertag und zum Vatertag gehen die Männer einen heben." Das zementiere Rollenklischees.

Deshalb hat sich die zweifache Mutter im vergangenen Jahr mit anderen Bloggern zusammengetan und mit dem Hashtag #Muttertagswunsch die sozialen Netzwerke geflutet. "Schenk mir keine Blumen, schenk mir eine Lobby", so formuliert es Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter.

So, wie der Tag heute begangen wird, können viele Mütter wenig damit anfangen.

Kritik am Muttertag ist nichts Neues. Da ist einerseits die Blumenindustrie, die mit dem Tag Geld verdienen will. Dann der geschichtliche Hintergrund: Im Nationalsozialismus wurde er als "Ehrentag" der kinderreichen Mutter missbraucht. Und wer will schon einmal im Jahr Wertschätzung und sich die restlichen 364 Tage für Job, Haushalt, Familie aufreiben?

Loers und ihre Mitstreiter fordern stattdessen Aufmerksamkeit dafür, was Familien und Mütter wirklich brauchen: Flexible, finanzierbare Kinderbetreuung, eine Kindergrundsicherung, Lohngerechtigkeit, die Abschaffung des Ehegattensplittings und Einführung einer Individualbesteuerung.

Fakt ist: In Deutschland bekommen Frauen auch bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation weniger Gehalt als Männer, entscheiden sich nach der Geburt eines Kindes häufiger für Teilzeit und bekommen deshalb auch deutlich weniger Rente als Männer.

ANZEIGE

Also geht es darum, den Muttertag neu zu interpretieren, ihm einen neuen Anstrich zu geben. "Ein bisschen mehr so wie der Internationale Frauentag", sagt Spachtholz.

Vorbilder gibt es schon: In Israel wird inzwischen im Sinne der Gleichberechtigung statt des Muttertags der "Tag der Familie" gefeiert. Und in Belgien hat zumindest eine Grundschule das Basteln zum Muttertag abgeschafft - mit Verweis auf die Vielzahl von Familienformen, in denen Kinder heutzutage aufwachsen.

mja/Julia Naue/dpa