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Mythen der Arbeit Soziologen müssen Taxi fahren - stimmt's?

"Der Rest ist für Sie", so enden Gespräche mit Soziologen. Ein gehässiges Klischee besagt nämlich, dass die meisten Absolventen als Taxifahrer jobben - oder sonst was machen, wofür man kein Studium braucht. Ein Mythos, sagt Arbeitsforscher Joachim Möller. Allerdings werden nur wenige Geisteswissenschaftler reich.
Immerhin Mercedes: Taxifahrer gilt als klassischer Job für Geisteswissenschaftler in Not

Immerhin Mercedes: Taxifahrer gilt als klassischer Job für Geisteswissenschaftler in Not

Foto: dapd

Hartnäckig hält sich die Meinung, dass ein Studium der Soziologie, wenn schon nicht in die Arbeitslosigkeit, dann doch geradewegs ans Steuer eines Taxis führt. In eine nicht ausbildungsadäquate Erwerbstätigkeit also, wie der Arbeitsmarktforscher sagen würde. Die gute Nachricht lautet: Gestimmt hat dieses Klischee noch nie, auch nicht in den siebziger Jahren, als die Legende entstand.

Der Soziologe Werner Meinefeld schrieb das bereits vor zehn Jahren in einer ausführlichen Studie , die ihrerseits auf zahlreiche andere Untersuchungen mit ähnlichem Ergebnis verweist. In der Öffentlichkeit angekommen ist die Erkenntnis bis heute nicht. Vor wenigen Wochen präsentierte der Erlanger Professor erste Ergebnisse aus einer weiteren Studie zum Berufseinstieg und Berufsverlauf der Absolventen soziologischer Studiengänge seiner Universität. Die Überschrift lautete: "Schon wieder kein Taxifahrer dabei".

Meinefelds Ergebnisse passen in das Bild, das auch andere Untersuchungen zeichnen. Über Geistes- und Sozialwissenschaftler im Allgemeinen wie auch über die Soziologen im Besonderen kann man sagen: Der Weg in den Beruf mag zwar manchmal etwas holprig sein und häufig auch etwas länger dauern als bei anderen Hochschulabsolventen. Spätestens nach ein oder zwei Jahren sind die meisten dann aber doch gut ins Berufsleben integriert.

Die Mehrzahl ist zufrieden mit ihrer Lage

Anfangs sind Praktika, freie Mitarbeit, Teilzeitarbeit, befristete Verträge und nicht gerade fürstliche Bezahlung durchaus verbreitet. Die erste Tätigkeit nach dem Studium wird aber in der Regel nur für eine Übergangszeit ausgeübt. Über kurz oder lang kommen auch die Absolventen geistes- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge in der Regel gar nicht so schlecht unter - sie müssen ihr Dasein keineswegs als Taxifahrer fristen. Nach einem bisweilen schwierigen Start wird die berufliche Situation von den Betroffenen selbst überwiegend positiv bewertet.

Bei den Soziologen wie bei vielen anderen Geistes- und Sozialwissenschaftlern gibt es keine vorgezeichnete Laufbahn. Das kann man negativ sehen: Es fehlt bei Studienbeginn die Sicherheit über die Art der späteren Berufstätigkeit, wie sie beispielsweise bei Medizinern oder Lehrern gegeben ist. Man kann dem aber auch einen positiven Aspekt abgewinnen: Es stehen vielfältige berufliche Möglichkeiten offen, und es hängt wesentlich von der eigenen Interessenslage und Spezialisierung ab, was man daraus machen möchte. Geistes- und Sozialwissenschaftler kommen in der Privatwirtschaft ebenso unter wie im Öffentlichen Dienst, und die ausgeübten Tätigkeiten reichen von der Forschung und Lehre über Beratung, Verwaltung oder Management bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus.

Große Spanne bei den Verdiensten

Großer Reichtum winkt den meisten allerdings nicht. Das Durchschnittsgehalt von Geistes- und Sozialwissenschaftlern liegt signifikant unter dem der Akademiker insgesamt, während beispielsweise das von Ingenieuren mit Hochschulabschluss deutlich darüber liegt. Gleichzeitig gibt es aber auch sehr große Differenzen innerhalb der Absolventen der Soziologie. Am unteren Rand der Einkommensverteilung verdienen manche selbst bei Vollzeittätigkeit kaum mehr als 20.000 Euro brutto im Jahr, einige Spitzenverdiener kommen auf 150.000 Euro oder mehr. Beruflichen Erfolg definieren viele Absolventen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer viel stärker durch Arbeitszufriedenheit und Selbstverwirklichung als über die wirtschaftliche Situation.

Die Arbeitslosenquoten der Absolventen geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer liegen ein Jahr nach Studienabschluss im Bereich von rund fünf Prozent und damit unterhalb der durchschnittlichen Arbeitslosenquote in Deutschland von sieben Prozent. Zum Vergleich: Für die Hochschulabsolventen insgesamt beträgt die Arbeitslosenquote ein Jahr nach Studienabschluss rund vier Prozent. Mit zunehmendem Abstand vom Studienende geht die Arbeitslosigkeit noch weiter zurück. Für alle Akademiker zusammengerechnet beträgt sie nicht einmal drei Prozent. Zugleich steigt der Verdienstabstand zu den unteren und mittleren Qualifikationsgruppen.

Akademiker stehen eindeutig auf der Gewinnerseite des Arbeitsmarkts. Studieren lohnt sich. Das gilt auch für die Soziologie und die anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer.