Handynutzung im Dienst Was erlaubt ist - und was nicht

Ein Unfall mit Toten, weil ein Fahrdienstleiter mit dem Handy daddelt? Das ist ein Extremfall. Aber wie viel elektronische Spielerei ist im Arbeitsalltag erlaubt?

Auf dem Handy tippen im Büro
imago/ Westend61

Auf dem Handy tippen im Büro


Zwölf Menschen starben beim Zugunglück von Bad Aibling. Der damalige Fahrdienstleiter hat vor Gericht gestanden, dass wohl sein Fehler zu dem Zusammenstoß der zwei Züge führte. Nach allem, was bekannt ist, soll er zur Zeit des Unglücks ein Handyspiel gespielt haben.

Der Fall ist ein furchtbares Extrembeispiel, wie gefährlich Ablenkungen am Arbeitsplatz sein können. Auch, wenn es nicht um Menschenleben geht, ist für Arbeitnehmer wichtig, was mit privaten Elektronikgeräten im Job erlaubt ist und was nicht. Die wichtigsten Fragen:

Gibt es eine Faustregel für die Handynutzung am Arbeitsplatz?

Ja, und die ist für juristische Verhältnisse sehr einfach: Der Chef entscheidet darüber. Der kann zum Beispiel bei Tätigkeiten, die besonders viel Aufmerksamkeit erfordern, die Nutzung von Handys strikt verbieten. Für solche Verbote muss in der Regel nicht einmal der Betriebsrat gefragt werden. Im Fall des Fahrdienstleiters in Bad Aibling soll es solch ein Verbot gegeben haben.

Für weniger sensible Aufgaben werden viele Arbeitgeber meist kein Komplettverbot aussprechen. Nicht nur, weil ihre Begründung vor Gericht vielleicht anfechtbar sein könnte. Es ist ja durchaus wünschenswert, wenn die Arbeitnehmer in privaten Notfällen erreichbar sind: sei es ein Krankheitsfall in der Familie oder der Klassiker, ein Wasserrohrbruch in der Wohnung.

Aber was ist mit Spielen?

Wer spielt, während er laut Vertrag eigentlich arbeiten müsste, begeht Arbeitszeitbetrug. Das kann ein Chef ahnden, meist erst mit einer Abmahnung. Häufen sich solche Fälle trotz Ermahnungen, ist das auch ein möglicher Kündigungsgrund. Allerdings muss solch ein Betrug auch nachgewiesen werden: Hat jemand andauernd mit dem Handy gespielt? Waren das lange Partien? Im Streitfall kümmern sich Gerichte um solche Fragen.

Wobei die Position der spielfreudigen Arbeitskraft in solchen Fällen eher schlecht ist. Selbst ein kurzes Kartenspiel zur Entspannung hat Arbeitnehmer schon den Job gekostet.

Wenn es keine eindeutige Regelung in einer Firma gibt: Darf man privat surfen?

Formulieren wir es mal so: Besser, Sie tun's nicht. Und wenn es doch mal sein muss: Machen Sie schnell, denn Sie kommen dann leicht in einen Bereich, wo man Ihnen Arbeitszeitbetrug unterstellen kann.

Wie sieht es mit der privaten Nutzung dienstlicher Rechner aus?

Meist ist unproblematisch, schnell etwas im Netz zu suchen oder die privaten Mails abzurufen, wenn all das nicht Überhand nimmt. Im Alltag sagt ja niemand etwas, wenn die Arbeitsergebnisse stimmen. Allerdings sollten Sie sich alles, was illegal sein könnte, verkneifen, zum Beispiel den illegalen Download von Filmen oder Spielen. Und wenn Sie sich bei so einer Aktion einen Computervirus einfangen, müssen Sie für den Schaden geradestehen.

Wie steht es um den Datenschutz, wenn ich privat mit dem Dienstrechner surfe?

Im Prinzip gilt das Fernmeldegeheimnis. Eine Rundumüberwachung ist normalerweise nicht erlaubt, eine Stichprobe oft aber schon, vor allem, wenn die private Netznutzung untersagt ist. Manche Gerichte haben hier aber schon entschieden, dass der Arbeitgeber Verdachtsmomenten nachgehen darf - zum Teil auch, indem er den Browserverlauf eines Arbeitnehmers prüft. Eine höchstrichterliche Entscheidung fehlt hier noch, deshalb: Obacht!

Wie steht es um den Datenschutz, wenn ich auf dem privaten Handy im Job surfe?

Wenn Sie das W-Lan der Firma nutzen, gilt das gleiche Prinzip wie beim Privatsurfen am Dienst-PC. Gehen Sie über Ihren eigenen Datenvertrag ins Netz, hat die Firma keine (legalen) Möglichkeiten der Überwachung. Sie müssen Ihren Browserverlauf nicht offenlegen.

mamk



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