Karriere ohne BWL Trainees in fremden Welten

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3. Teil: KfW Traineeprogramm: Der Entwicklungsbanker - "Sendung mit der Maus für Erwachsene"


Johannes Kannicht, 27, betreut Entwicklungsprojekte bei der KfW
KfW Bank

Johannes Kannicht, 27, betreut Entwicklungsprojekte bei der KfW

"Ich hätte nie gedacht, dass ich mal für eine Bank arbeiten würde: Ich habe Politikwissenschaft in Freiburg und Aix-en-Provence studiert. Meine erste Stelle führte mich zur OECD. Und jetzt mache ich ein Trainee-Programm bei der KfW Bankengruppe.

Viele in Deutschland kennen die KfW nur für ihre Immobilienförderung, aber einen großen Teil ihrer Arbeit macht sie im Ausland. Der Geschäftsbereich Entwicklungsbank betreut zahlreiche Entwicklungsprojekte in mehr als 100 Ländern weltweit. Dabei arbeitet die KfW eng mit dem deutschen Entwicklungsministerium zusammen.

Ich bin jetzt seit zwei Monaten bei der KfW, und mit Bankarbeit, wie man sie sich klassischerweise vorstellt, hat das bisher wenig zu tun. Meine Aufgabe ist es, Entwicklungsprojekte in der Kaukasus-Region zu koordinieren, neue Stromleitungen oder Windkraftanlagen zum Beispiel. Als ich hier angefangen habe, durfte ich sofort mitarbeiten: Unter Anleitung meiner Tutorin habe ich ein Projekt für kleine Wasserkraftwerke in Armenien ausgewertet.

Bereits in den vergangenen Jahren haben dort private Unternehmen mit unserer Unterstützung mehrere solcher Kraftwerke gebaut, und wir mussten prüfen, ob es sich lohnt, das Programm fortzuführen. Dafür recherchieren wir, was es für die Entwicklung der Region gebracht hat, wo geeignete neue Standorte wären und welche Folgen deren Bau hat. So verhindern wir, dass am Ende ein Fluss einen Staudamm bekommt, der in jedem wärmeren Sommer austrocknet, oder dass ein Kraftwerksbau ein Naturschutzgebiet zerstört.

Wir übersetzen komplexe Sachverhalte, auch wirtschaftliche und technische, für Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung. Jedes Mal muss ich mich von neuem einarbeiten, unter anderem auch in technische Fragen. Ein Projektleiter von mir sagt immer: 'Das ist wie die Sendung mit der Maus, nur für Erwachsene.' Für die Details der Technik ist aber in jedem Projekt ein eigener Ingenieur zuständig.

Gerade ist mein Klavier angekommen

Je nach Partnerland gibt es für diese Projekte einen Zuschuss des Bundes oder ein zinsgünstiges Darlehen. Erst hier wird es bankentypisch, denn die KfW besorgt sich die verliehenen Gelder am Finanzmarkt. Sie muss Risiken kalkulieren und Kreditkonditionen festlegen - wie andere Banken auch. Dadurch, dass unsere eigene Finanzierung staatlich abgesichert ist, bekommen wir aber besonders günstige Konditionen, die wir auch an die Entwicklungsprojekte weitergeben.

So werde ich in den 13 Monaten meines Trainee-Programms in fünf verschiedenen Stationen in der Bank und relevanten Ministerien arbeiten und auch Projekte vor Ort begutachten. Darauf freue ich mich besonders, weil ich gerne international arbeite. Ich habe ja in Deutschland und Frankreich studiert, erste Arbeitserfahrungen habe ich in Peru und bei der OECD in Paris gemacht. Dort habe ich zum Beispiel ein Antikorruptionsprogramm im Auftrag des stellvertretenden Generalsekretärs entwickelt, das nun erstmals in Tunesien angewandt wird.

Gegenüber solchen Aufgaben hat die Arbeit im Projektmanagement der KfW einen großen Vorteil: Man verbringt nur zwei bis drei Monate des Jahres im Ausland, auf Dienstreisen zu den Projekten vor Ort. Die übrige Zeit arbeitet man in der Bankzentrale hier in Frankfurt. Das ermöglicht mir endlich private Pläne: Ich habe jetzt eine gemeinsame Wohnung mit meiner Freundin. All die Sachen, die ich jahrelang verstreut bei meinen Eltern oder Freunden zwischengelagert hatte, hole ich jetzt zu uns, meine Kletterausrüstung zum Beispiel. Gerade ist mein Klavier angekommen."

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