In Kooperation mit

Job & Karriere

Neu im Job Fünf Fallgruben für Berufsstarter

Wer eine neue Stelle antritt, will alles richtig machen. Und weder zu blass wirken noch gleich anecken. In den ersten Tagen und Wochen kann man aber flott zum Gespött der Kollegen werden. Felix Schäfer kennt fünf Tipps, worauf Einsteiger achten sollten.
Foto: Corbis

1. Häuptling Hierarchie - wild ist der Westen, schwer ist der Beruf

Auf den Neuankömmling in einem Unternehmen sind viele Augen gerichtet. Kein Berufseinsteiger beginnt als Vorstandsvorsitzender. Auch Stromberg musste erst Abteilungsleiter sein, um Bereichsleiter zu werden. Das ist jedem Feld-, Wald- und Wiesenberufsstarter hinlänglich bekannt. Oft aber vergisst der Übereifrige in seinen ersten Wochen in seinem ersten Projekt, dass jedes Unternehmen neben der offiziellen auch eine informelle Hierarchie hat.

Den informellen Chef der Abteilung, den informellen Treiber eines Themas, den informellen Pförtner sollte man kennen und nicht umgehen, wenn man Rat braucht oder ein Projekt managen will. Denn: Formale wie informelle Häuptlinge fühlen sich schnell hintergangen, wenn man sie nicht zu Rate zieht. Sie wollen gefragt werden, weil sie es gewohnt sind, gefragt zu sein. Gerade von einem Indianer, der neu im Team ist.

Doktorvater Oetker - ihnen schmeckt's nicht

Foto: Corbis

Seit meinem Jobbeginn vor ein paar Jahren habe ich - die Fluktuation in der Agenturbranche ist hoch - zahlreiche Kollegen kommen und gehen sehen. Wer am ersten Tag gleich mit Erfolgen aus seinem Berufsleben prahlt? Wirkt arrogant. Wer gleich, und seien sie noch so gut, Verbesserungsvorschläge macht? Wirkt übermotiviert. Wer sich auch an Tag vier den Namen eines Teamkollegen nicht merken kann? Wirkt unsympathisch.

Ebenfalls eher kontraproduktiv ist der kulinarische Einstand, der im Gedächtnis bleibt - weil er ungenießbar war. Hier gilt die einfache Weisheit: Wer nicht backen oder kochen kann, der sollte nicht backen oder kochen. Ich habe schon viele trockene Backmischungen von Kollegen erlebt, die sich mit Hilfe ihres Doktorvaters (Dr. Oetker) in der Küche ausgetobt hatten. Bevor es staubige Brownies oder Muffins gibt: lieber von der Bäckerei oder Metzgerei gegenüber Butterbrezn, Kuchen oder Leberkäse organisieren.

Stilfragen - Krawattenmann, geh du voran

Foto: Corbis

Wenn Geschmack, gesunder Menschenverstand und Fingerspitzengefühl nur mäßig ausgeprägt sind, dann ist Kleidung an sich ein Fettnäpfchen. Wer nicht gerade wie Maler, Postboten oder Zugschaffner auf Berufskleidung zurückgreifen kann, macht gern und oft Fehler. Leider ist an der von Stilberatern viel zu oft gebrauchten Floskel "Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance" viel Wahres dran.

Grundsätzlich gilt: lieber zu konservativ als zu cool. Und lieber over- als underdressed. Wer eine Krawatte hat, kann sie ausziehen. Wer eine Jeans hat, kann sie zwar auch ausziehen - aber macht dann eher alles noch schlimmer. Und immer (immer!) ordentliche Schuhe.

Small Talk - Bauer sucht Gesprächsthema

Foto: RTL

Ähnlich wie die Kleidung birgt der Small Talk für den allzu sorglosen Berufseinsteiger große Gefahren. Es gibt klassische Themen, bei denen man in der Kantine oder auf den Fluren eher verlieren kann: Politik, Krieg, Sex und Unterschichtenfernsehen. In jedem Fall Eindruck macht es (aber einen schlechten), in den ersten Tagen allzu offenherzig Dialoge aus dem "Dschungelcamp" oder "Bauer sucht Frau" aufzusagen und Daniela Katzenberger zu seinen Idolen zu zählen.

Wer nicht von Natur aus mit Fingerspitzengefühl gesegnet ist, sollte in den ersten Tagen herauszufinden versuchen, was für Typen die neuen Kollegen so sind. Dabei hilft der einfache, imaginäre "Kaffee- oder Tee-Fragebogen", den man für sich im Kopf anfertigt: Loriot oder Mario Barth? "Bild" oder "Zeit"? Fahrrad oder SUV?

Das neue Revier - Duftmarketing für Anfänger

Foto: Corbis

Unter Primaten, Hunden und männlichen Arbeitnehmern ist es relativ üblich, sein Revier abzustecken. Ab und an eine dezente Duftmarke im Dschungel, Park oder Büro zu hinterlassen, ist hier wie dort ebenso legitim wie normal. Nicht aber für Neueinsteiger. Hier heißt es: zurücknehmen.

Eine der größten Fallen nämlich ist Arroganz. Großes Selbstbewusstsein kann man haben, Einsteiger können damit aber kaum punkten. In den ersten Tagen sollte man keine Duftmarke hinterlassen, denn das stinkt den Kollegen meist gewaltig. Der Clevere übt sich in Zurückhaltung: erst mal viel hören, viel sehen, wenig sagen. Es sei denn, man arbeitet als neuer Moderator von "Wetten, dass...?". Dann sollte man fröhlich drauflos quatschen.

KarriereSPIEGEL-Autor Felix Schäfer ist Kommunikationsberater bei einer PR-Agentur in München.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.