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Stressmonat Januar Diese Menschen schuften für Ihre Neujahrsvorsätze

Geruhsam ins neue Jahr starten? In vielen Jobs ist das nicht möglich. Ein Scheidungsanwalt, ein Abnehm-Coach, ein Karrierenetzwerker und eine Partnervermittlerin berichten.
Kirsten Lüttgen, 46, Abnehm-Coach bei WW / Frank Legeland / Tobias Zink, 46, Scheidungsanwalt aus Stuttgart / Lisa, Teamleiterin im Kundenservice der Partnervermittlung Parship

Kirsten Lüttgen, 46, Abnehm-Coach bei WW / Frank Legeland / Tobias Zink, 46, Scheidungsanwalt aus Stuttgart / Lisa, Teamleiterin im Kundenservice der Partnervermittlung Parship

Foto: Privat / Valentin Heyde / Nikolaus Grünwald / Parship

Mehr Sport, weniger Süßes, gelassener werden oder endlich die große Liebe oder den Traumjob finden: Veränderung beginnt für viele Menschen nicht mit dem ersten Schritt, sondern im Januar. Im neuen Jahr soll alles anders werden - und damit das gelingt, haben viele Menschen sehr viel zu tun. Hier erzählen zwei Frauen und zwei Männer, warum der Januar für sie der stressigste Monat des Jahres ist.

"Wir bekommen im Kundenservice bis zu 25.000 Anfragen pro Woche"

Lisa, Teamleiterin im Kundenservice der Partnervermittlung Parship

Lisa, Teamleiterin im Kundenservice der Partnervermittlung Parship

Foto: Parship

"Bei uns ist im Januar Urlaubsstopp, wir brauchen im Kundenservice jeden unserer 80 Mitarbeiter. Bei Parship melden sich im Januar bis zu 50.000 neue Kunden pro Woche an. Während der Feiertage lassen vermutlich viele das Jahr Revue passieren, und wenn dann an Silvester alle Freunde in den Armen ihrer Partner liegen, nehmen sich viele vor, jetzt aber mal wirklich nach der Liebe zu suchen. Ein Parship-Abo ist auch ein beliebtes Weihnachtsgeschenk, das sehen wir an der Zahl der vor Weihnachten verkauften Gutscheine.

Im Kundenservice bekommen wir im Januar bis zu 25.000 Anfragen pro Woche, das sind 5000 bis 7000 Anliegen mehr als in anderen Monaten. Die Fragen reichen von 'Hilfe, meine Kreditkarte funktioniert nicht' bis zu 'Was soll ich zum ersten Date anziehen?' oder 'Welches Foto finden Sie als Profilbild besser?' Es ist ein sehr vielfältiger Mix, von reinen Sachbearbeitungsthemen bis hin zu persönlicher Betreuung. Für mich macht das den Reiz der Arbeit aus.

Wenn die Kunden das möchten, schauen wir uns auch ihre Fotos an und geben Feedback. Oft helfen schon vermeintlich einfache Tipps: Auf dem Profilbild sollte man sich von vorne zeigen, ohne Sonnenbrille. Zum ersten Date zieht man am besten etwas an, in dem man sich wohlfühlt. Wer nie Krawatte oder Pumps trägt, sollte das auch beim ersten Date nicht tun.

Und statt einem Treffen im Restaurant empfehlen wir eine gemeinsame Aktivität: ein Spaziergang, ein Besuch im Museum, in der Kletterhalle oder eine Kanutour. Das ist oft angenehmer, weil man gleich ein Thema hat, über das man sprechen kann, und auch einfach wieder aus der Situation herauskommt.

Natürlich bekommen wir auch Frust ab. Wir sind für viele der erste Anlaufpunkt, vielleicht sogar noch eher als die besten Freunde, weil wir objektiv sind. Wir versuchen dann, die Leute mit Feingefühl abzuholen. Manche haben sehr festgefahrene Vorstellungen: Der Partner soll zwischen 1,71 Meter und 1,75 Meter groß sein, nur zwischen 40 und 45 Jahre alt. Da ist die Suche natürlich schwierig.

Die schönsten Momente sind für mich, wenn jemand schreibt: Ich habe Ihre Tipps befolgt, und es hat geklappt! Das kommt gar nicht so selten vor. Wir haben im Büro mehrere Wände mit Fotos von Paaren, die sich über Parship kennengelernt haben. Es gab auch schon Paare, die spontan eine Flasche Sekt vorbeigebracht haben oder auf dem Weg in den Urlaub unser Büro besucht haben.

38 Prozent der Kunden, die sich bei Parship abmelden, geben als Grund an, einen Partner gefunden zu haben. Und ich vermute, die Erfolgsquote ist eigentlich noch höher, denn nicht jeder füllt nach der Kündigung den Fragebogen aus. Gerade Frischverliebte haben da vermutlich andere Prioritäten." (vet)

"Mund abputzen, weitermachen"

Kirsten Lüttgen, 46, Abnehm-Coach bei WW (früher Weight Watchers)

Kirsten Lüttgen, 46, Abnehm-Coach bei WW (früher Weight Watchers)

Foto: Privat

"Bei uns geht es schon ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag richtig los. Da startet unsere Werbekampagne im Fernsehen. Ich leite WW-Studios an drei Standorten: Horrem, Eschweiler und Pulheim. Derzeit habe ich sechs Workshops, im Januar werde ich das auf neun erhöhen. Der Bedarf ist da.

Es kommen immer rund 50 Prozent neue Teilnehmer hinzu, in manchen Gruppen sind wir dann mehr als 40. Das ist für mich aber kein Stress, im Gegenteil: Ich freue mich darauf, weil die Neuen so viel positive Grundstimmung mitbringen.

Das ist aber kein reines Saisongeschäft mehr - die Menschen begreifen immer mehr, dass Diäten nichts bringen, sondern dass man das ganze Jahr über ein gesundes Leben führen sollte. Achtsamkeit, Wohlbefinden und Gesundheit haben einen ganz anderen Stellenwert erhalten als das reine Gewicht auf der Waage. Ich als Coach kann helfen, gute Gewohnheiten zu erkennen und zu etablieren.

In die Workshops kommen auch immer mehr Männer - in der Stadt ist deren Anteil allerdings deutlich höher als auf dem Land. Das ganze Jahr über voll sind die sogenannten AtWork-Workshops, die in Unternehmen stattfinden: Das sind abgeschlossene Kurse über 13 Wochen, die der Arbeitgeber bucht und finanziell unterstützt.

Ich bin selbst übrigens eher kein Typ für Silvestervorsätze. Diese Vorsätze sind meist viel zu hoch gegriffen und passen nicht zum eigenen Lebensstil, so hat man dann auf Dauer kaum Lust, diese umzusetzen. Aber natürlich spreche ich meine Teilnehmer auf deren Vorsätze an.

Meine Herausforderung dabei ist, dass der Vorsatz gleich so realistisch gefasst wird, dass er eine Chance hat, den Januar zu überleben. In der Theorie weiß ja eigentlich jeder, was man besser machen könnte. Wenn man mal scheitert, dann gibt es nur eins: positiv denken. Und sich damit motivieren, indem man sich klarmacht: Was hast du trotzdem bewusster und anders gemacht als früher? Ein Ausrutscher fällt da gar nicht so ins Gewicht. Ich sage immer: Mund abputzen, weitermachen." (mh)

"Mein Tipp: Mit der Trennung bis zum 1. Januar warten"

Tobias Zink, 46, Scheidungsanwalt aus Stuttgart

Tobias Zink, 46, Scheidungsanwalt aus Stuttgart

Foto: Nikolaus Grünwald

"Nach Weihnachten und nach den Sommerferien melden sich schätzungsweise doppelt so viele Mandanten wie in normalen Monaten. Über die Feiertage und im Urlaub suchen Paare eben Frieden und Harmonie - aber ein Ehepaar in der Krise kann das nicht finden. Es fehlt der Alltag, der sonst von den Eheproblemen ablenkt.

Kein Paar trennt sich wegen zwei schlechter Wochen oder einem einzigen Streit unter dem Weihnachtsbaum. In der Regel entwickelt sich die Krise über Jahre hinweg. Die häufigsten Gründe: ein neugeborenes Kind, Hausbau, mangelnde Wertschätzung und Kommunikation. Zum Ende des Jahres wird auch in der Liebe Bilanz gezogen und ein Partner hat das Bedürfnis nach einem Neuanfang.

Mein beruflicher Tipp: Wer mit der Trennung bis zum nächsten Jahr wartet, kann kräftig Steuern sparen. Denn erst im auf die Trennung folgenden Kalenderjahr ist das günstige Ehegattensplitting nicht mehr möglich. Ein Beispiel: Wer sich noch vor Silvester trennt, muss ab dem 1. Januar sofort nach Lohnsteuerklasse 1 oder 2 versteuern. Bei einer Trennung ab 2. Januar greift das erst im darauffolgenden Jahr - und das Ehepaar spart somit Geld.

Inzwischen hat unsere Kanzlei so viele Anfragen, dass ich neue Mandanten fast nur noch auf Empfehlung von Bekannten oder Kollegen annehme. Aber selbst das wird manchmal zu viel - vor allem Anfang des Jahres. Dann müssen wir neue Anrufer ablehnen, denn eine gute Beratung braucht seine Zeit. Schon das erste Beratungsgespräch dauert zwei Stunden.

Es geht dann um die Grundsätze von Trennung, Scheidung und Unterhalt: Wie lange dauert es vor Gericht? Was steht mir zu oder was muss ich zahlen? Und wie wird das Vermögen aufgeteilt? Die allermeisten, die sich wegen der Trennung beraten lassen, lassen sich am Ende auch tatsächlich scheiden." (faq)

"Zu Jahresbeginn steigt die Zahl der Anzeigen in unserem Stellenmarkt"

Frank Legeland macht Öffentlichkeitsarbeit für die New Work SE, der Betreiberin des beruflichen Netzwerks Xing

Frank Legeland macht Öffentlichkeitsarbeit für die New Work SE, der Betreiberin des beruflichen Netzwerks Xing

Foto: Valentin Heyde

"In den ersten zehn Wochen des Jahres sind unsere Nutzer deutlich aktiver als in den anderen Monaten. Sie tauschen ihre Profilbilder aus, überarbeiten ihre persönlichen Stärken oder vernetzen sich mit Freunden und Bekannten - über alle Branchen und Altersgruppen hinweg.

Gerade in den letzten Tagen des Jahres fangen viele an, sich über ihren Job Gedanken zu machen: Passt die Arbeit in mein Leben? Was ist wichtiger für mich: ein hohes Gehalt, ein netter Chef oder eine gute Work-Life-Balance? Für das neue Jahr nehmen sich dann viele nicht nur vor, gesünder zu essen oder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, sondern auch, beruflich neu anzufangen.

Das zeigt auch eine Forsa-Studie, die wir in Auftrag gegeben haben: Rund ein Drittel der deutschen Beschäftigten kann sich demnach vorstellen, im neuen Jahr den Job zu wechseln. Sieben Prozent planen das sogar ganz konkret. Dazu passt, dass die Verweildauer von Mitarbeitern in Unternehmen schon seit einigen Jahren immer weiter sinkt.

Zu Jahresbeginn steigt die Zahl der Anzeigen in unserem Stellenmarkt, und in unseren Foren werden fleißig Fragen diskutiert, die die Arbeitswelt betreffen. Dieser Trend lässt nach einiger Zeit allerdings etwas nach - spätestens, wenn die Sommerferien beginnen. In der Urlaubshitze denken nämlich nicht allzu viele an die Arbeit." (faq)