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Neustart So klappt es (diesmal wirklich!) mit den guten Vorsätzen im Job

Um mehr Gehalt kämpfen, den Kollegen die Meinung sagen oder richtig mit Stress umgehen: Wir haben Menschen gefragt, die wissen, wie es funktioniert.
Sebastian Formella, IBO-Champion: "Einen K.o. kannst du nicht erzwingen, es kommt von allein."

Sebastian Formella, IBO-Champion: "Einen K.o. kannst du nicht erzwingen, es kommt von allein."

Foto: Torsten Helmke

Dieses Jahr soll es endlich klappen: Gute Vorsätze im Job hat fast jeder - doch allzu oft hapert es an der Umsetzung. Mit den Tipps dieser Experten werden die guten Vorsätze 2020 endlich zu echten Tatsachen.

Vorsatz: Ein gutes Netzwerk aufbauen

Erklärt von: Thomas Munko (43), Concierge im The Ritz-Carlton Berlin und Deutschland-Chef des Hotelportier-Berufsverbandes Les Clefs d'Or

Thomas Munko, Concierge im Berliner Ritz-Carlton-Hotel

Thomas Munko, Concierge im Berliner Ritz-Carlton-Hotel

Foto: Ritz-Carlton-Hotel

"Netzwerke sind eine der Geheimwaffen in unserem Job. Wir sind auch untereinander bestens vernetzt: Mit unserem Berufsverband Les Clefs d'Or haben wir uns dieses Jahr in Cannes getroffen, 2020 sind wir in Neu-Delhi. Wir helfen einander auch unternehmensübergreifend, man nimmt einander damit ja nicht die Gäste weg.

Einmal zu einem solchen Treffen zu gehen, bringt aber nichts, man muss das pflegen wie eine Freundschaft. Wir zeichnen immer den oder die Nachwuchsconcierge des Jahres aus. Beim Get-Together nehme ich mir den beiseite und frage: "Wie viele Visitenkarten hast du dabei? Fein, du hast jetzt anderthalb Stunden Zeit, alle zu verteilen! Und mach dir Notizen auf die Karten, die du bekommst!"

Der Wow-Effekt ist ja, wenn man Leute wiedererkennt und sich dabei noch an Persönliches erinnert. Fragen Sie neue Kontakte nach Dingen, die deutlich machen, dass Ihr Gegenüber Sie als Mensch interessiert. Beim Netzwerken wird oft vergessen, dass man erst einmal lange in Vorleistung gehen muss: Man gibt, gibt und gibt, um dann irgendwann auch einmal nehmen zu können.

Ich trenne dabei kaum zwischen beruflich und privat: Ich baue Bindungen auf und biete Hilfe an. Ich bin ja Concierge, weil ich gern anderen Leuten helfe. Man sollte jeden Kontakt pflegen. Und nie aufwiegen!

Wichtig ist, dass man jeden wertschätzt und Menschen nicht nach ihrer Position beurteilt. Wir hatten jüngst eine mexikanische Familie zu Gast, deren kleiner Sohn ein Bayern-München-Trikot trug - über einen Münchner Kollegen habe ich es organisieren können, dass Robert Lewandowski es signiert.

Für so etwas ist es wichtig, dass man eben nicht nur wichtige Leute im Vorstand kennt, weil man die mit solchen Dingen ja gar nicht behelligen würde, sondern auch Busfahrer, Sekretärinnen und Security-Personal. Die wichtigste Regel beim Netzwerken? Großzügigkeit kommt immer zu einem selbst zurück!"

Vorsatz: Richtig mit Stress umgehen

Erklärt von: Manlio Bonsignore, 41, Fluglotse bei der Deutschen Flugsicherung

Manlio Bonsignore, Fluglotse

Manlio Bonsignore, Fluglotse

Foto: DFS Deutsche Flugsicherung

"Wir Fluglotsen kontrollieren den gesamten Luftraum über Deutschland - und sorgen dafür, dass alle Flugzeuge sowohl sicher abheben, den Luftraum durchqueren und landen können. Wir müssen also jederzeit hoch konzentriert sein, auch in stressigen Verkehrslagen. Etwa, wenn viele Flugzeuge gleichzeitig in der Luft sind oder aber in potenziell gefährlichen Situationen.

Einmal hat ein Pilot meine Anweisungen nicht richtig befolgt, und es wurde ziemlich knapp. Ich habe das zum Glück frühzeitig erkannt und schnell eingegriffen, sodass nichts passiert ist - aber in so einer Situation schnellt der Puls natürlich nach oben. Es ist total wichtig, Stress bewusst abzubauen, um gesund zu bleiben.

Unsere Schichten beginnen ab 5.30 Uhr; in den jeweils acht Stunden haben wir insgesamt zwei Stunden Pause, sonst lässt sich die erforderliche Konzentration nicht halten. Jeder muss für sich herausfinden, was ihm oder ihr guttut: Uns stehen Ruheräume zur Verfügung, in denen wir ein Nickerchen machen können, sowie eine Bibliothek zum Lesen. Manche suchen in der Pause das Gespräch mit Kollegen, weil sie im Umgang mit anderen am besten abschalten können.

Ich persönlich entspanne am besten beim Sport. Wir haben bei der Deutschen Flugsicherung einen Fitnessraum, bis zum nächsten Wald ist es nicht weit. Ich versuche, mindestens zwei bis drei Mal die Woche trainieren oder laufen zu gehen. Wichtig ist auch die Freizeit als Ausgleich zum Job: Wir arbeiten in der Regel fünf Tage am Stück und haben dann drei Tage frei.

Das Gute an meinem Job ist, dass ich ihn nicht mit nach Hause nehmen und wirklich abschalten kann. Die Stressspitzen in meinem Beruf sind vielleicht höher als in anderen, aber dafür eben auch schnell wieder vorbei. In akuten Situationen muss ich oft an einen Coach denken, der mich einmal trainiert hat: Als es stressig wurde, legte er mir kurz die Hand auf die Schulter. Diese kleine Geste hat mich ungemein beruhigt. Ein Tipp: Schon ein bis zwei Sekunden bewusst und tief durchatmen hilft sehr - auch wenn es brenzlig wird."

Vorsatz: Endlich Grenzen setzen

Erklärt von: Susanne Schnieder, 57, arbeitet als Kita-Leiterin und Autorin

Susanne Schnieder

Susanne Schnieder

Foto: Horst Lüdeking

"Ich kenne ein kleines Mädchen, das einen sehr guten Weg für sich gefunden hat, Grenzen zu setzen. Sie ist gerade fünf. Wann immer sie etwas nicht möchte oder ihr jemand zu nahe kommt, streckt sie ihre Hände vor und sagt: "Hier ist ein Zaun." Sie sagt das freundlich, aber auch sehr bestimmt.

Davon kann man sich auch als Erwachsener viel abschauen. Denn wer eine Grenze setzen will, muss sich als Erstes selbst klarmachen, was er eigentlich will - und was nicht. Erst, wenn man innerlich zu einem klaren Nein kommt, kann man das auch nach außen glaubhaft machen.

Das erlebe ich jeden Tag hier in der Kita. Bin ich selbst unsicher in meinen Entscheidungen, nehmen mich auch die Kinder nicht ernst. Aber nicht nur Kindern müssen wir entschieden gegenüber treten, sondern auch ihren Eltern. Dafür muss ich zuerst eine innere Haltung entwickeln, damit ich mich nicht so leicht umschmeißen lasse.

Kolleginnen rate ich, sich vorzustellen, was die Konsequenz wäre, wenn sie jetzt Nein sagen. Viele haben Angst davor, dass etwas Schlimmes passieren könnte. Wenn sie die Situation im Kopf durchspielen, merken sie: Das stimmt gar nicht. Eigentlich kann mir nichts passieren.

Man sollte immer daran denken, dass andere Menschen es schätzen, wenn man klar in seiner eigenen Haltung ist. Als Berufsanfängerin habe ich in einer Unterkunft für schwer erziehbare Jugendliche gearbeitet. Einmal erzählten sie mir, welchen Betreuer sie am besten finden. Sie wählten den Kollegen, der immer am striktesten auftrat. Weil sie bei ihm wussten, woran sie sind, respektierten sie ihn. Wir müssen uns nicht davor fürchten, auch mal Nein zu sagen."

Vorsatz: Den Kollegen die Meinung geigen - und dabei den richtigen Ton treffen

Erklärt von: Moritz Eggert, 54, Komponist und Musiker

Moritz Eggert, Komponist

Moritz Eggert, Komponist

Foto: Mercan Fröhlich

"Für viele Menschen ist es ein Mysterium, wie ein Musikstück entsteht. Wenn ich mich an eine neue Komposition wage, höre ich die Musik zuerst innerlich. In meinem Kopf entsteht ein neues Stück, das kann Wochen oder auch Jahre dauern. Diese Vorbereitung ist extrem wichtig. Denn erst muss mir das Ziel klar sein, ich muss einen Plan haben. Sonst kann ich die Musik, die in meinem Kopf spielt, nicht visualisieren.

Das würde ich auch jedem raten, der ein konfliktreiches Gespräch im Job führen muss. Wer da unvorbereitet reingeht, der ist emotional und wird mit seiner Kritik gar nichts erreichen. Gute Vorbereitung ist der Schlüssel.

Beim Komponieren versuche ich mir alle Klänge gleichzeitig im Kopf vorzustellen. Blechbläser sind lauter als Holzbläser, Holzbläser wiederum lauter als Streicher. Wie kann ich es schaffen, alle in Einklang zu bringen? Gleichzeitig muss ich darauf achten, dass meine Musik nicht langweilig ist. Da ist es gut, auch mal überraschend auf die Pauke zu hauen.

Meinen Studenten rate ich, sich auf die eigene Intuition zu verlassen. Denn egal, wie gut meine Vorbereitung ist, wie sehr ich die einzelnen Schritte der Komposition durchgeplant habe - am Ende kommt es doch anders. Die Musik entwickelt ein Eigenleben, sie fordert dann Dinge von mir, an die ich nie zuvor gedacht habe.

Genauso ist es in einem Streitgespräch: Vielleicht haben die Kollegen gute Einwände. Darauf muss ich spontan reagieren können und darf mich nicht krampfhaft an das klammern, was ich mir vorgenommen habe."

Vorsatz: Mit dem eigenen Argument durchschlagenden Erfolg haben

Erklärt von: Sebastian Formella, IBO-Champion im Boxen und Hafenarbeiter

Sebastian Formella

Sebastian Formella

Foto: Torsten Helmke

"Unter uns Boxern gibt es diesen Spruch: "Einen K.o. kannst du nicht erzwingen, es kommt von allein." Da ist viel Wahres dran. Natürlich ist es immer mein Ziel, meinen Gegner vorzeitig zu besiegen. Aber ich darf nicht nur versuchen, einen finalen Kopftreffer zu landen. Wer punkten will, muss lernen, spontan zu bleiben, die Schwächen des anderen auszunutzen. Gleichzeitig brauche ich eine gute Deckung. Sonst bin ich nicht erfolgreich. Treffen, ohne getroffen zu werden.

Die Vorbereitung auf einen Kampf beginnt zwölf Wochen davor. Zuerst trainiere ich auf Kraft, dann kommt Ausdauer dazu. Als letzten Schritt hole ich mir Sparringspartner, die meinem Gegner möglichst ähnlich sind. Die Größe, das Gewicht, die Aggressivität sollten übereinstimmen. Mein Team analysiert vorher Videos von Kämpfen, die im Netz zu finden sind. Ich selbst schaue mir nur einen Kampf an, damit ich weiß, wie mein Gegner sich bewegt.

Eine Woche vor dem Kampf fahre ich das Training runter. Das ist wichtig, damit der Körper genug Energie hat. Du kämpfst den Kampf aber trotzdem im Kopf. Ich bin zum Glück psychisch sehr stabil, weil ich sehr hart und fleißig trainiere. Ich sage mir in dieser Zeit immer wieder selbst: Du bist gut vorbereitet. Das ist auch mein Rat für alle, die lernen wollen, sich durchzusetzen: Dieses mentale Training ist sehr wichtig. Und: Ich habe mein Team, das mich immer wieder pusht. Nur, wenn ich von mir selbst überzeugt bin, kann ich auch meinen Gegner besiegen.

Auch das Umfeld ist wichtig: Bei meiner Arbeit im Hamburger Hafen hilft mir das Boxen. Meine Konzentration ist sehr gut ausgebildet, das ist wichtig, wenn man Containerbrückenfahrer ist und die tonnenschwere, wertvolle Fracht behutsam verladen muss. Wenn ich merke, dass jemand immer nur negativ ist, gehe ich auf Distanz. Ich will mich nicht runterziehen lassen. Ich habe hier auch sehr viele Freunde. Bei meinem letzten Kampf waren über 300 Leute aus dem Hafen da. Eine bessere Rückendeckung kann es nicht geben."

Vorsatz: Endlich mehr Gehalt verhandeln

Erklärt von: Kenan Kosar, Gebrauchtwagenhändler

Foto: Kenan Kosar

"Vor allem in meinen ersten Jahren habe ich zu oft zu wenig bekommen. Ich war neu im Geschäft und dementsprechend unsicher, wie viel ich verlangen konnte. Hat ein Kunde dann auf laute Motorgeräusche hingewiesen oder war besonders besserwisserisch, bin ich viel zu schnell mit dem Preis heruntergegangen. Mittlerweile weiß ich: Je öfter man verhandelt, desto selbstsicherer wird man und desto mehr wächst die Menschenkenntnis.

Im Gespräch sollte man vor allem auf Mimik und Gestik achten: Wenn ein Kunde unsicher ist, schaut er mich in der Regel kaum an, verdreht höchstens mal leicht die Augen, hat schwitzige Hände. Wenn er einen Wagen unbedingt haben will - egal um welchen Preis - strahlen die Augen, leichtes Grinsen. Wenn das der Fall ist, muss ich das Geschäft nur noch eintüten.

Bei Kunden, die sich gut auskennen, ist es schwieriger. Ein Kfz-Mechaniker findet immer etwas an einem Wagen, um den Preis nach unten zu drücken. Dann schlage ich auch mal eine höhere Einstiegszahl vor - manchmal das Doppelte von dem, was angemessen wäre, um am Ende auf einen realistischen Preis zu kommen. Ist es zu viel, kann der Kunde schließlich immer noch herunterverhandeln oder ablehnen. Bei Laien setze ich den Preis von vornherein niedriger an, damit man sich relativ schnell in der Mitte treffen kann.

Bei der Verhandlung habe ich meinen Spielraum immer im Hinterkopf: Ich weiß, was ich selbst für den Wagen bezahlt habe und wie viel ich am Ende herausbekommen muss, um die Kosten zu decken. Wenn ich mir bei einem Geschäft unsicher bin, beende ich das Gespräch höflich und lasse mir das Angebot noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen. Nehme ich es schließlich an oder einigen wir uns auf eine andere Summe, bleibt es auch dabei. Es ist unseriös, noch drei- oder viermal nachzuverhandeln. Zögere ich länger, lehne ich lieber ab. Denn: Es gibt immer eine Alternative, einen besseren Wagen."

lmd/mh/jl
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