Anzeige

Ausstieg aus Astronautentraining

Nicola Baumann will doch nicht als erste deutsche Frau ins All

Sie hatte sich gegen 400 Mitbewerberinnen durchgesetzt, jetzt schmeißt sie hin: Nicola Baumann steigt nach Informationen des SPIEGEL aus dem Programm "Die Astronautin" aus. Nun soll eine andere Frau für den Flug zur ISS trainieren.

Von

Donnerstag, 14.12.2017   15:35 Uhr

Anzeige

Sie hatte stundenlang Tests am Computer gelöst, in Rollenspielen gezeigt, dass sie teamfähig ist, Blut-, Urin- und Ultraschalluntersuchungen über sich ergehen lassen und erste Parabelflüge in Russland überstanden. Und jetzt steigt sie aus. Die Eurofighter-Pilotin Nicola Baumann ist nicht mehr Kandidatin der Initiative "Die Astronautin". Das sagte Claudia Kessler, die Gründerin der Initiative, dem SPIEGEL.

Baumann war im April zusammen mit Insa Thiele-Eich zur Siegerin eines einjährigen Auswahlverfahrens für eine Forschungsmission zur Internationalen Raumstation ISS gekürt worden und nahm seither - neben ihrem Job -an einem Astronautentraining teil.

Anzeige

"Ich möchte weiterhin Astronautin werden, aber dieser Weg ist einfach nicht der richtige für mich", sagte Baumann dem SPIEGEL. "Die Initiative und ich passen nicht zusammen. Aber es gibt ja zum Glück viele kommerzielle und staatliche Alternativen, und da ich nun schon einmal eine Auswahl bestanden habe und auch das Training bislang sehr gut gelaufen ist, bin ich optimistisch, dass ich den richtigen Weg ins All für mich finden werde."

Ziel der Initiative "Die Astronautin" ist es, 2020 die erste deutsche Frau ins All zu schicken. Kessler ist zuversichtlich, dass dieser Zeitplan trotz des Ausscheidens von Baumann noch eingehalten werden kann. "Wir hatten ja noch vier weitere Frauen in der Endauswahl, von denen wird nun eine nachrücken." Eine Auswahlkommission habe schon getagt, die neue Kandidatin werde voraussichtlich im Januar präsentiert.

Anzeige

"Ich habe mich mit allen Kandidatinnen gut verstanden und bin mit Insa Thiele-Eich auch befreundet. Ich sehe das sehr entspannt und sehr positiv und drücke allen die Daumen", sagte Baumann. Die Erste zu sein, sei ihr nie wichtig gewesen. "Ich will einfach nur ins Weltall. Und das ist auch groß genug für mindestens zwei deutsche Frauen."

Dass ihre Nachrückerin gegenüber Insa Thiele-Eich, die ja schon seit April das Training durchläuft, im Rückstand sein wird, sei nicht weiter schlimm, so Kessler. "Sie wird das gut aufholen können. So viel Training gab es in diesem Jahr noch gar nicht."

Welche der beiden Frauen dann tatsächlich zur ISS fliegen darf, soll erst nach dem Training entschieden werden. Die Doppelkür sei international üblich, hatte Jury-Mitglied und Ex-Astronaut Ulrich Walter bei der Bekanntgabe der Siegerinnen erklärt. Wer erste Wahl sei und wer weiter als Back-up zur Verfügung stehe, werde in der Regel ein Jahr vor dem Start der Mission bekannt gegeben.

Der Flug zur ISS soll mit privatem Geld finanziert werden, Kessler kalkuliert mit rund 40 Millionen Euro. Das Geld soll zum Großteil von Sponsoren kommen, die im Gegenzug von der PR der Astronautin, aber auch von ihren Experimenten im All profitieren könnten. "Es sind noch keine Sponsorenverträge unterschrieben, aber wir haben schon viele Meilensteine erreicht und von vielen Firmen Unterstützung zugesagt bekommen", sagt Kessler. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden."

Bislang ist noch keine deutsche Astronautin ins All geflogen. Beinahe für Deutschland ins All geschafft hätten es die Meteorologin Renate Brümmer und die Ärztin Heike Walpot. Sie waren in den neunziger Jahren lange Zeit im Rennen für den zweiten deutschen "Spacelab"-Flug.

Weitere Artikel

Forum

Forumskommentare zu diesem Artikel lesen
Anzeige
© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung