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Katrin Wilkens

Tipps von der Karriereberaterin Niveau und Teilzeit – wie kann das klappen?

Katrin Wilkens
Ein Gastbeitrag von Katrin Wilkens
Clarissa sehnt sich nach ihrem alten Job zurück: tolle Projekte, viel Verantwortung. Aber mit drei Kindern geht nur noch Teilzeit. Und mit Abstrichen bei den Inhalten. Was kann sie jetzt tun?
Foto: Malte Mueller / fStop / Getty Images

Clarissa, 33 Jahre, fragt: »Ich habe mich als eingefleischte Marketingfrau früher um die Produktvermarktung von allerfeinstem Champagner gekümmert, war viel im Ausland und bin immer in meinen Projekten aufgegangen. Aber jetzt habe ich drei Kinder, pflege meine Schwiegermutter und kann nur noch 15 bis 20 Stunden arbeiten. Teilzeitstellen sind rar – und wenn es einmal eine gibt, ist das ein besserer Sekretärinnenjob. Was raten Sie mir: ein paar Jahre voll aussetzen oder Dödelarbeiten auf niedrigem Niveau machen? Ich sehne mich so nach meinem alten Leben zurück.«

Liebe Clarissa,

ich würde die Arbeit einer Sekretärin nicht als Dödelarbeit abtun: Die müssen permanent priorisieren, kommunizieren, den Überblick behalten und Humor einrieseln lassen, wenn es Not tut.

Was man aber sehr wohl im Allgemeinen festhalten kann: Niveau und Teilzeit schließen sich leider fast immer aus, jedenfalls wenn es eine so kleine Teilzeit wie bei Ihnen ist. Ab 30 Stunden nennen Soziologen das Pensum teilzeitnahe Vollzeit, und ab diesem Zeitkontingent ist dann auch mehr Verantwortung, Führung und Budget zu verwalten.

Nun sitzen Sie ja nicht den Rest der Zeit herum und halten Maulaffen feil. Sie arbeiten ja, nur bekommen Sie kein Geld dafür: Care-Arbeit wird in der Regel nicht entlohnt. Sie haben jetzt drei Möglichkeiten:

  • Sie verhandeln mit Ihrem Mann über mehr Arbeitszeitkapazität, sodass Sie nicht das Gefühl haben müssen, die Kinder und Ihre Schwiegermutter würden den Preis für Ihre Zeitaufstockung bezahlen.

  • Oder Sie nutzen die Zeit für eine Weiterbildung: etwa auf dem Gebiet agiles Coaching, Lob- und Beschwerdemanagement oder New Work. Wenn Sie sich auf dem Gebiet Champagner weiterbilden wollen und es ganz und gar verrückt mögen, könnte auch ein 15-monatiges Studium Luxusmanagement  etwas für Sie sein. Aber Achtung: Die Hürden sind hoch und ähnlich elitär wie der Inhalt, den das Fach vermittelt. Dafür sind die Anschlussbedingungen gut, vorausgesetzt, Sie arbeiten in oder nahe einer Metropole. Wanne-Eickel Süd eignet sich eher weniger für Absolventen dieses Studiengangs. (Luxus studieren kann man seit Kurzem auch in Deutschland.)

  • Die dritte Option, die Sie haben, ist sehr weiblich, weil sie darauf abzielt, es mal wieder allen recht zu machen: Sie suchen eine Post-Corona-Stelle, also auf eine Tätigkeit, die einen hohen Homeoffice-Anteil hat, und suchen sich gleichzeitig ein verlässliches Betreuungs-Back-up, sodass die 25 bis 30 Stunden für eine anspruchsvollere Stelle doch machbar sind. Vielleicht schauen Sie auch gezielt nach Tandemstellen .

Sie haben früher mit Leidenschaft gearbeitet und werden wahrscheinlich mit demselben Perfektionismus und Anspruch jetzt Ihre Kinder erziehen. Deswegen sollte Ihr Mantra für die kommenden Jahre ein Spruch des Komponisten Paul Hindemith sein, den er einst über eine Partitur setzte: Tonschönheit ist Nebensache. Man kann nicht auf beiden Hochzeiten die erste Geige spielen, deswegen kann auch die Anwesenheit eines Au-pairs den Druck aus Ihrem Kessel nehmen, nicht jeden Tag immer für alles verantwortlich zu sein.

In Deutschland (vor allem in Westdeutschland) hat die gute Mutter eine hervorragende Mutter zu sein. Im Osten sind die Frauen, was ihre berufliche Identität angeht, meist weit emanzipierter, das hat sich auch nach dem Wegfall der Mauer nicht verändert. Der schöne Begriff der »good enough mother« kommt aus England. Sie bringt ihren Kindern etwas Entscheidendes bei: Die Welt ist nicht perfekt, Instagram tut nur so, als ob, und ich bin auch nur eine Mangelwesen-Mutter. Eigentlich komisch, dass es keinen »good enough father« gibt, oder?

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