Traumjob auf Norderney "Ich denke mir oft - geiler geht's doch gar nicht"

Dieke Günther arbeitet als Inselblogger auf Norderney. Der 19-Jährige hat den vielleicht entspanntesten Job der Welt. Jetzt ist die Stelle wieder ausgeschrieben - gibt es einen Haken?

Dieke Günther
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Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Herr Günther, wo erreiche ich Sie?

Dieke Günther: Ich sitze gerade zu Hause in meiner Wohnung, gemütliche 22 Quadratmeter mit Blick auf das Kap, das Wahrzeichen Norderneys, eine Art Leuchtfeuer. Die Wohnung stellt mir mein Arbeitgeber, das Staatsbad Norderney. Bis zur Innenstadt laufe ich von hier aus zehn Minuten zu Fuß und bis zum Strand sind es um die 500 Meter.

Zur Person
  • Dieke Günther
    Dieke Günther, 19, hat im vergangenen Jahr das Abitur abgelegt und arbeitet seitdem auf der Nordseeinsel Norderney als Blogger. Er stammt aus der Gemeinde Südbrookmerland in Ostfriesland - die Insel kannte er schon von der Klassenreise.

SPIEGEL ONLINE: Sie arbeiten jetzt seit zehn Monaten als Inselblogger auf der Nordseeinsel Norderney. Haben Sie in Wahrheit die ganze Zeit Urlaub?

Günther: Ein bisschen stimmt das schon. Laut Vertrag muss ich 40 Stunden im Monat arbeiten, in dieser Zeit kann ich alle möglichen Veranstaltungen auf der Insel besuchen und anschließend auf meinem Blog darüber schreiben. Auf Instagram poste ich auch Bilder. Die Veranstaltungen suche ich mir selbst aus. Neulich habe ich einen Hand-Lettering-Workshop besucht, also einen Schönschreib-Kurs, das hat total Spaß gemacht. Ich habe aber auch schon einen Tag mit den Inselrangern verbracht oder Hotels getestet.

SPIEGEL ONLINE: Hat die Sache auch irgendeinen Haken?

Günther: Die Bezahlung ist eher gering, 450 Euro bekomme ich im Monat. Ich habe Glück, dass mir die Tätigkeit als Praktikum anerkannt wird, deshalb erhalte ich zusätzlich weiter Kindergeld. Ansonsten wäre es finanziell schon etwas knapp.

SPIEGEL ONLINE: Hört sich immer noch nach einem Traumjob an: Ein paar nette Veranstaltungen besuchen und kurz darüber berichten - den Rest der Zeit verbringen Sie am Strand?

Günther: Ganz so ist es auch nicht. Obwohl ich dieses Jahr schon fünf Mal baden war, das erste Mal am 1. Januar zum Anbaden bei 4 Grad Wassertemperatur. Aber ich helfe auch mal im Büro des Staatsbads aus, der lokalen Tourismus-Organisation. Und wenn eine Veranstaltung länger dauert, gehe ich natürlich nicht einfach. Das einzige, was manchmal nervt, sind die Posts für Instagram. Die laufen am besten, wenn ich sie abends gegen neun Uhr rausschicke. Da sitze ich natürlich häufiger mit Freunden zusammen und habe eigentlich anderes zu tun. Aber wenn ich dann mit dem Rad am Deich entlang fahre oder mal eben einen Strandspaziergang mache, denke ich mir schon oft: Geiler geht's doch gar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie viele Mitbewerber auf diese Stelle?

Günther: Na klar, um die 70. Meine Mutter hatte die Stellenausschreibung in der Ostfriesenzeitung gesehen, unserem Lokalblatt. Ich hatte gerade Abi gemacht und wusste noch nicht so richtig, was ich machen will. Das Staatsbad Norderney warb mit 52 Wochen Auszeit. Ich habe dann für die Bewerbung ein Video über mich gedreht und darin ein bisschen herumgealbert, das hat anscheinend überzeugt. Nur bei meinem Beitrag musste mein Chef lachen, das hat man mir später gesagt.

SPIEGEL ONLINE: Direkt nach der Schule auf die Insel - wird das nicht auch mal langweilig für einen 19-Jährigen?

Günther: Bisher hatte ich das Problem nicht. Im Winter ist hier natürlich schon tote Hose. Aber ich habe schon viele nette Leute kennen gelernt und Freundschaften geschlossen. Man trifft sich dann in einer der Kneipen und geht anschließend im Pasadena feiern, das ist die lokale Disco hier auf der Insel. Da ist immer was zu tun, bei diesem Wetter natürlich sowieso.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben die Norderneyer Sie aufgenommen?

Günther: Bei den Jüngeren habe ich schnell Anschluss gefunden. Die Älteren bleiben aber schon eher unter sich. Zum Glück spreche ich fließend Plattdeutsch, da freuen sich einige drüber. Und neulich wurde ich von einem Kollegen zur Feuerzangenbowle eingeladen, zu sich nach Hause mit anderen Freunden. Da hatte ich das Gefühl: Jetzt hab ich's geschafft.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vertrag läuft bald aus, Ihre Stelle ist zurzeit wieder ausgeschrieben. Wie soll es dann weiter gehen?

Günther: Wenn alles klappt, kann ich eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation bei meinem jetzigen Arbeitgeber machen. Zu Hause wüsste ich immer noch nicht so genau, was ich machen soll. Hier auf der Insel gefällt es mir sehr gut. Ich möchte gern noch drei Jahre bleiben.

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insgesamt 7 Beiträge
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koelnrio 25.06.2019
1. Cool
Viel Glück!
-seltsam- 25.06.2019
2. geld ...
...ist eben nicht alles. Glückwunsch zu diesem Einstieg in die "Nach-der- Schule-Welt". Ich denke, das war für Sie eine sehr Erkenntnisreiche Zeit. :)
friesenheino 26.06.2019
3. Hee
gibt es die Sansibar noch und das Hotel Meeresstrand, das waren meine Jugendrenner.
friesenheino 26.06.2019
4. Norderney ist die schönste der ostfriesischen Inseln,
ich denke, da sind wir uns einig. Gerne hätte ich da früher auch eine Ausbildung gemacht.
binibona 26.06.2019
5. Sauber, Dieke.
Genies die Zeit. Stressige Jobs kommen früh genug...
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