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Notfallprogramm Nichts wie raus aus der Trainee-Falle!

Liebevoll gepäppelt oder eiskalt ausgenutzt: Vielen Trainee-Stellen sieht man vorher nicht an, ob sie seriös sind. Wer in die Falle tappt, muss schnell entscheiden, welche Konsequenzen er zieht: Kündigen? Abmahnen? Die Verunsicherung ist groß. Einige Regeln helfen bei der Schadensbegrenzung.
Von Maria Zeitler
Lieber ein Ende mit Schrecken? Hängt auch von der Größe der Firma ab

Lieber ein Ende mit Schrecken? Hängt auch von der Größe der Firma ab

Foto: ? Denis Balibouse / Reuters/ REUTERS

Vom Jungakademiker, dem ein roter Teppich bis zur ersten Führungsposition ausgerollt wird, bis zum unterbezahlten Dauerpraktikanten: Hinter der Bezeichnung Trainee könne sich die unterschiedlichsten Stellen verbergen. Im Englischen meint der Begriff etwa das, was in Deutschland ein Auszubildender ist - aber auch nicht immer.

Da kommt leicht etwas durcheinander. Und manchem Anbieter eines Trainee-Programms ist das sogar recht. Wie aber kommt ein Trainee unbeschadet aus der Sache raus, wenn sich eine viel versprechende Stelle als Reinfall entpuppt? Und wie geht es dann weiter? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Lassen sich aus der Bezeichnung irgendwelche rechtlichen Ansprüche ableiten?

Nein. Trainee ist kein geschützter Begriff, er ist in keinem arbeitsrechtlichen Gesetz erwähnt. Das macht es schwierig. Auch wenn viele annehmen, dass es sich um einen Ausbildungsvertrag handelt, geht es nach Einschätzung des Arbeitsrechtexperten Jobst-Hubertus Bauer in 90 Prozent der Fälle um Arbeitsverträge, auch wenn der Begriff "Trainee" eine Art Ausbildungsverhältnis suggeriert. Entscheidend ist der Inhalt des Vertrages. Wird also beispielsweise einfach eine 40-Stunden-Woche beschrieben und keinerlei Lehrinhalt genannt, sind Lehrabschnitte eben nicht einforderbar.

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Hart, aber herzlich: Worauf es bei Trainee-Programmen ankommt

Foto: Corbis

In meinem Vertrag wurden Lehrstationen versprochen, doch der Arbeitgeber hält sich nicht daran. Was kann ich tun?

Zunächst sollte der konstruktive Dialog gesucht werden, sagt Karriereberater Gerhard Winkler. Oft lasse sich im Gespräch ein Weg finden, das Problem für beide Seiten im Guten zu lösen. Ist das nicht der Fall, muss der Arbeitgeber zunächst abgemahnt werden.

Meinen Arbeitgeber abmahnen? Wie mache ich das denn?

Um es später nachweisen zu können, sollte man den Arbeitgeber schriftlich abmahnen. Ansonsten gibt es aber keine Formalitäten, die zu beachten sind. Man sollte zunächst beschreiben, was im Vertrag genannt ist - zum Beispiel drei Monate Einsatz im Controlling. Anschließend sollte man den Arbeitgeber auffordern, das bis zu einem bestimmten Termin einzuhalten. Wahlweise kann man ihm eine Frist setzen, bis zu der er selbst den Termin für den Einsatz im Controlling mitteilen soll. Wenn er dem nicht nachkommt, kann man kündigen. Adressieren sollte man solch ein Schreiben an den Personalverantwortlichen.

In meinem Vertrag sind keine konkreten Details beschrieben, auf die ich mich berufen kann. Kann ich trotzdem etwas erreichen?

Wenn es sich um einen sittenwidrigen Lohn handelt, kann man ebenfalls fristlos kündigen - wiederum nach einer Abmahnung. Leistungen einzuklagen ist dagegen nur sehr theoretisch möglich: Bis ein Arbeitsgericht so etwas entschieden hätte, ist das Trainee-Programm längst beendet. Ebenso schwierig ist es mit Schadensersatz. Dafür müsste man nachweisen können, welcher Schaden entstanden ist. Aber zu beweisen, welche Chancen man am Arbeitsmarkt mit einem besseren Trainee-Programm gehabt hätte, ist nach Einschätzung von Arbeitsrechtler Bauer unmöglich.

Sollte man einfach doch durchhalten, egal wie unglücklich man dabei ist?

Grundsätzlich zahlt es sich aus, eine Sache durchzuziehen. Karriereberater Winkler rät, bei einem größeren Unternehmen ein halbes Jahr Leidenszeit in Kauf zu nehmen und weiter darauf zu drängen, dass man in eine andere Abteilung kommt. Dabei sollte man versuchen, sich zu profilieren. Bei einem kleineren Unternehmen empfiehlt es sich eher, das Traineeprogramm abzubrechen, da es keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

Bevor ich kündige, möchte ich mich erst mit einer neuen Stelle absichern. Wie stelle ich das am besten an?

"Den Wechsel sollte man absolut diskret betreiben", sagt Karriereberater Winkler. Er rät, sich weniger auf Onlinebewerbungen zu stürzen, weil da die Gefahr besteht, wegen des abgebrochenen Traineeprogramms schnell ausgesiebt zu werden. Nutzt man informelle Möglichkeiten wie Anrufe oder Gespräche auf Jobmessen, kann man besser erklären, wie die Situation entstanden ist. Ganz wichtig ist dabei: Auf keinen Fall den Arbeitgeber anschwärzen, sondern immer sachliche Gründe finden, was nicht gestimmt hat. Den Namen der Firma sollte man dabei nicht nennen.

Wie schaffe ich es, dass mir das abgebrochene Trainee-Programm nicht zum Verhängnis wird?

Wenn bei späteren Bewerbungen die Sprache auf dieses Thema kommt, sollte man eine Erfolgsstory daraus machen. Indem man erklärt, wie das Programm ablief und betont, dass es die beste Entscheidung war, die Notbremse zu ziehen, zeigt man Persönlichkeitsstärke und dass man nicht alles mit sich machen lässt. "Tatsächlich ist es so, dass ein geschulter Rekrutierer in der Mehrzahl aller Lebensläufe Pannen findet", sagt Karriereberater Winkler. Kann man seine krummen Karrierewege elegant erklären, ist alles halb so schlimm.

KarriereSPIEGEL-Autorin Maria Huber (Jahrgang 1983) ist freie Journalistin in Hamburg.

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