Notfallprogramm Nichts wie raus aus der Trainee-Falle!

Liebevoll gepäppelt oder eiskalt ausgenutzt: Vielen Trainee-Stellen sieht man vorher nicht an, ob sie seriös sind. Wer in die Falle tappt, muss schnell entscheiden, welche Konsequenzen er zieht: Kündigen? Abmahnen? Die Verunsicherung ist groß. Einige Regeln helfen bei der Schadensbegrenzung.

Lieber ein Ende mit Schrecken? Hängt auch von der Größe der Firma ab
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Lieber ein Ende mit Schrecken? Hängt auch von der Größe der Firma ab

Von Maria Zeitler


Vom Jungakademiker, dem ein roter Teppich bis zur ersten Führungsposition ausgerollt wird, bis zum unterbezahlten Dauerpraktikanten: Hinter der Bezeichnung Trainee könne sich die unterschiedlichsten Stellen verbergen. Im Englischen meint der Begriff etwa das, was in Deutschland ein Auszubildender ist - aber auch nicht immer.

Da kommt leicht etwas durcheinander. Und manchem Anbieter eines Trainee-Programms ist das sogar recht. Wie aber kommt ein Trainee unbeschadet aus der Sache raus, wenn sich eine viel versprechende Stelle als Reinfall entpuppt? Und wie geht es dann weiter? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Lassen sich aus der Bezeichnung irgendwelche rechtlichen Ansprüche ableiten?

Nein. Trainee ist kein geschützter Begriff, er ist in keinem arbeitsrechtlichen Gesetz erwähnt. Das macht es schwierig. Auch wenn viele annehmen, dass es sich um einen Ausbildungsvertrag handelt, geht es nach Einschätzung des Arbeitsrechtexperten Jobst-Hubertus Bauer in 90 Prozent der Fälle um Arbeitsverträge, auch wenn der Begriff "Trainee" eine Art Ausbildungsverhältnis suggeriert. Entscheidend ist der Inhalt des Vertrages. Wird also beispielsweise einfach eine 40-Stunden-Woche beschrieben und keinerlei Lehrinhalt genannt, sind Lehrabschnitte eben nicht einforderbar.

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Hart, aber herzlich: Worauf es bei Trainee-Programmen ankommt

In meinem Vertrag wurden Lehrstationen versprochen, doch der Arbeitgeber hält sich nicht daran. Was kann ich tun?

Zunächst sollte der konstruktive Dialog gesucht werden, sagt Karriereberater Gerhard Winkler. Oft lasse sich im Gespräch ein Weg finden, das Problem für beide Seiten im Guten zu lösen. Ist das nicht der Fall, muss der Arbeitgeber zunächst abgemahnt werden.

Meinen Arbeitgeber abmahnen? Wie mache ich das denn?

Um es später nachweisen zu können, sollte man den Arbeitgeber schriftlich abmahnen. Ansonsten gibt es aber keine Formalitäten, die zu beachten sind. Man sollte zunächst beschreiben, was im Vertrag genannt ist - zum Beispiel drei Monate Einsatz im Controlling. Anschließend sollte man den Arbeitgeber auffordern, das bis zu einem bestimmten Termin einzuhalten. Wahlweise kann man ihm eine Frist setzen, bis zu der er selbst den Termin für den Einsatz im Controlling mitteilen soll. Wenn er dem nicht nachkommt, kann man kündigen. Adressieren sollte man solch ein Schreiben an den Personalverantwortlichen.

In meinem Vertrag sind keine konkreten Details beschrieben, auf die ich mich berufen kann. Kann ich trotzdem etwas erreichen?

Wenn es sich um einen sittenwidrigen Lohn handelt, kann man ebenfalls fristlos kündigen - wiederum nach einer Abmahnung. Leistungen einzuklagen ist dagegen nur sehr theoretisch möglich: Bis ein Arbeitsgericht so etwas entschieden hätte, ist das Trainee-Programm längst beendet. Ebenso schwierig ist es mit Schadensersatz. Dafür müsste man nachweisen können, welcher Schaden entstanden ist. Aber zu beweisen, welche Chancen man am Arbeitsmarkt mit einem besseren Trainee-Programm gehabt hätte, ist nach Einschätzung von Arbeitsrechtler Bauer unmöglich.

Sollte man einfach doch durchhalten, egal wie unglücklich man dabei ist?

Grundsätzlich zahlt es sich aus, eine Sache durchzuziehen. Karriereberater Winkler rät, bei einem größeren Unternehmen ein halbes Jahr Leidenszeit in Kauf zu nehmen und weiter darauf zu drängen, dass man in eine andere Abteilung kommt. Dabei sollte man versuchen, sich zu profilieren. Bei einem kleineren Unternehmen empfiehlt es sich eher, das Traineeprogramm abzubrechen, da es keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

Bevor ich kündige, möchte ich mich erst mit einer neuen Stelle absichern. Wie stelle ich das am besten an?

"Den Wechsel sollte man absolut diskret betreiben", sagt Karriereberater Winkler. Er rät, sich weniger auf Onlinebewerbungen zu stürzen, weil da die Gefahr besteht, wegen des abgebrochenen Traineeprogramms schnell ausgesiebt zu werden. Nutzt man informelle Möglichkeiten wie Anrufe oder Gespräche auf Jobmessen, kann man besser erklären, wie die Situation entstanden ist. Ganz wichtig ist dabei: Auf keinen Fall den Arbeitgeber anschwärzen, sondern immer sachliche Gründe finden, was nicht gestimmt hat. Den Namen der Firma sollte man dabei nicht nennen.

Wie schaffe ich es, dass mir das abgebrochene Trainee-Programm nicht zum Verhängnis wird?

Wenn bei späteren Bewerbungen die Sprache auf dieses Thema kommt, sollte man eine Erfolgsstory daraus machen. Indem man erklärt, wie das Programm ablief und betont, dass es die beste Entscheidung war, die Notbremse zu ziehen, zeigt man Persönlichkeitsstärke und dass man nicht alles mit sich machen lässt. "Tatsächlich ist es so, dass ein geschulter Rekrutierer in der Mehrzahl aller Lebensläufe Pannen findet", sagt Karriereberater Winkler. Kann man seine krummen Karrierewege elegant erklären, ist alles halb so schlimm.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Maria Huber (Jahrgang 1983) ist freie Journalistin in Hamburg.

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Pega123 18.10.2011
1. Völlig an der Realität vorbei....
Abmahnen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies bei einem zeitlich befristeten Trainee-Programm einen positiven Effekt hat. Vielmehr wird durch eine förmliche Beschwerde doch die weitere Zusammenarbeit nachhaltig gestört. Aus meiner Sicht gibt es hier nur zwei "echte" Möglichkeiten. 1. Das persönliche Gespräch mit der Personalabteilung. 2. Wenn es nicht hilft: Entscheidung, ob bleiben oder kündigen. Eigentlich ganz einfach oder? Deshalb, liebes Karriere-Team, lieber mal über die echte Arbeitswelt nachdenken, anstatt hier irgendwelche formaljuristischem Artikel zu schreiben.
vengeance183 18.10.2011
2. Vor Allem erst mal keine Panik schieben...
Man sollte jungen Menschen nicht noch mehr Panik machen, was der Artikel zugegeben nicht tut. Allerdings räumt er auch nicht die größte Lüge aus dem Weg, die viele gerade junge Bewerber glauben: Dass ein Lebenslauf keine Lücken aufweisen darf und immer schön in gerader Linie auf die nächste Stelle zulaufen soll. 1. Auch Trainee-Progamme haben eine Probezeit. Wenn ich feststelle, dass es mir nicht gefällt, kann ich jederzeit gehen. (Schreibe ich in der Probezeit gleich eine Abmahnung, könnte ich jederzeit gegangen werden. In den meisten Fällen hilft ein Gespräch mit Vorgesetzten und Personalern schon weiter.) 2. Das Abbrechen eines Trainee-Programms, das einem keinen Spaß macht, einem nichts bringt, außer miserabler Bezahlung, ist KEINE Katastrophe. Mal abgesehen, dass die Suche von Neuem beginnt und man für eine Übergangszeit finaziell den Gürtel enger schnallen muss - für die zukünftige Karriere ist es eben kein Fallstrick, auch wenn man das schon in der Schule eingetrichtert bekommt. Vielleicht haben viele junge Leute Schiss, für ein-zwei Monate sparsamer leben zu müssen und nicht zu wissen, wie schnell sich wieder was findet und kündigen deshalb eine Ausnutz-Stelle nicht. Der böse, böse Knacks im Lebenslauf wird dann gern mal als Grund genannt. 3. Wieso soll es einem jungen Menschen zum Nachteil werden, wenn er Mut und Selbstsicherheit beweißt, eigene Entscheidungen bewusst trifft und in seinem Lebenslauf durch für sich falsche Entscheidungen gelernt und Erfahrungen gesammelt hat??? Eben! Gar nicht. Im Gegenteil: Personaler entscheiden sich heute häufiger für nicht ganz so glatte Lebensläufe. Lasst Euch nicht so verunsichern! Geht Euren Weg und wenn da ein blödes Trainee-Progamm nicht reinpasst, lasst es eben wieder sein. Junge Menschen sollten vielmehr ermtutigt werden, dass es ok ist, auch mal auf die Schnauze zu fallen, wenn sie dadurch lernen, richtig zu gehen. Kisses, Veri
karteileiche007 18.10.2011
3. Kündigen?
Das kann man vielleicht dann tun, wenn einem die Arbeitgeber hinterher laufen - dann erübrigt sich aber auch die Frage, wie man ein abgebrochenes Trainee-Programm im Lebenslauf am besten verpackt. Die Realität sieht anders aus: Wer aufmuckt, hat 10 andere hinter sich stehen, die den Job, sei er noch so schlecht bezahlt, mit Kusshand nehmen, und zwar ohne auch noch Forderungen zu stellen. Den Arbeitgeber abmahnen, das ist eines der vielen ach-so-tollen Rechte, die ein Arbeitnehmer theoretisch haben mag - wenn die Arbeitgeberlobby sich nicht Im Gegenzug eine Vielzahl an Rechte erkauft hätte, die es ihnen erlaubt, unliebsame Arbeitnehmer aus den lächerlichsten Gründen zu entlassen. Letztlich sei gesagt, dass man als Arbeitnehmer nur dann kündigen kann, wenn man entweder genügend Rücklagen hat, oder einen neuen Job. Ansonsten ist und bleibt es eines Kündigung, die zur Folge hat, dass man einige Monate kein Arbeitslosengeld erhält. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass für ausgenutzte Trainees andere Regeln gelten als für ausgenutzte Verkäufer/innen, Bauarbeiter und Kellner/innen. Es wäre schön, wenn die Karriereberatung hier sich doch etwas mehr an der Realität orientieren würde. Die meisten Leser hier sind nun einmal nicht in der Chefetage vom Spiegel oder bei SpiegelOnline beschäftigt, sondern üben ganz normale Berufe aus, die einem ein Vorgehen wie hier im Artikel beschrieben, einfach nicht erlauben.
Elizabeth_Tudor 18.10.2011
4. ***
Trainee= Praktikant Apprentice= Lehrling (apprenticeship= Lehre) Quote: "Im Englischen meint der Begriff etwa das, was in Deutschland ein Auszubildender ist - aber auch nicht immer."
Plasmabruzzler 18.10.2011
5. Vorher erkundigen
Zitat von sysopLiebevoll gepäppelt oder eiskalt ausgenutzt: Vielen Trainee-Stellen sieht man vorher nicht an, ob sie seriös sind. Wer in die Falle tappt, muss schnell entscheiden, welche Konsequenzen er zieht: Kündigen? Abmahnen?*Die Verunsicherung ist groß. Einige Regeln helfen bei der Schadensbegrenzung. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,792345,00.html
Diese Tipps sind gut gemein - aber schlecht gemacht. Wenn man eine Arbeitsstelle kündigt, fragt nicht nur der zukünftige Arbeitgeber, wie es dazu gekommen ist, sondern auch das Arbeitsamt. Man kann evtl. mit Leistungskürzung rechnen. Wenn man aber nur Anspruch auf ALG II hat (z. B. nach dem Studium), fragt die dementsprechende Stelle ebenfalls nach und kürzt Leistungen. Ergo braucht man dickes finanzielles Polster und/oder einen bereits unterschriebenen Vertrag bei einem anderen Unternehmen. Wirklich traurig an der Sache ist, dass der Begriff "Trainee" nicht geschützt ist und man so Praktikumsplätze anbieten kann, die einfach nur einen schöneren Namen haben. Ein großer Lebensmittelhersteller aus Solingen und Bonn bietet jährlich auch einige Trainee-Stellen an. Natürlich erhält man branchenüblich nur einen befristeten Vertrag und muss sich gegen ca. 11 Mitbewerber auf 2 Stellen durchsetzen. Durch die enorme Spezialisierung, die man während der Trainee-Phase erwirbt, findet man nach 2 Jahren kaum einen anderen Job. Demzufolge ist das Hauen und Stechen um die 2 Stellen groß. Ein Tipp für zukünftige Trainees: Recherche. Man sollte vorher wissen, auf was man sich einlässt.
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