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Angehende Schiffsärzte: Trockenübung mit Kreuzfahrer-Puppe

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Training für Schiffseinsätze Kommt ein Kreuzfahrer zum Arzt

Was tun, wenn mitten in der Karibik ein Virus an Bord ausbricht? Bei welchen Patienten muss ein Hubschrauber einfliegen? Auf Kreuzfahrtschiffen sind Ärzte oft für Tausende Passagier zuständig. Spezialtraining bereitet sie auf die Arbeit bei Wellengang vor.

Konzentriert hält die Ärztin den Knochenbohrer an ein Eisbein. In Sekundenschnelle bohrt sie eine Stahlkanüle ins Mark. Der Handgriff am Übungsobjekt sitzt. "Im Notfall lassen sich Medikamente schnell und sicher über eine Infusion in die Knochenmarkshöhle verabreichen", erklärt Professor Olaf Schedler vom Unfallkrankenhaus (UKB) Berlin.

Dort bereitet er Mediziner im Zentrum für Notfalltraining auf besondere Einsätze vor: Als Schiffsärzte arbeiten sie regelmäßig auf Kreuzfahrtschiffen und sind dann wochenlang für Tausende Passagiere zuständig - häufig mit nur einem Kollegen im Wechsel.

"Schiffsärzte kommen oft aus dem ganz normalen Praxisalltag und sind keine typischen Notfallmediziner", sagt Schedler. Dabei können auch auf hoher See jederzeit Notfälle passieren - ob Beinbruch, Geburt, Herzinfarkt oder ein Noroviren-Ausbruch. Dann wird es für Passagiere wie Ärzte heikel. Allein in diesem Jahr registrierte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde bereits sechs solcher Ausbrüche mit mehreren Hundert Kranken auf internationalen Kreuzfahrtschiffen.

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"Nicht immer können Patienten schnell abgeholt oder ausgeschifft werden. Daher muss jeder Handgriff sitzen", sagt Schedler, während seine Kursteilnehmer an einem Schweinetorso weitere Techniken üben. Unter ihnen ist auch Sabine Schmiel. Seit 2012 ist sie neben ihrer Arbeit als Notärztin in Nordrhein-Westfalen wochenweise auf den Weltmeeren unterwegs. "Wir haben jeweils etwa 3000 Passagiere an Bord", erzählt Schmiel. Sie musste auf dem Roten Meer und dem Atlantik schon Herzinfarkte und Knochenbrüche bei Passagieren oder auch Schnittwunden beim Schiffskoch behandeln.

Kurieren oder evakuieren?

Schiffsärzte werden zunehmend gebraucht, denn die Branche boomt. 2012 erreichte die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere in Europa einen Rekord von 6,1 Millionen, so der weltweit größte Kreuzfahrtschiffverband, der Cruise Lines International Association (CLIA). Und je nach Schiffsgröße muss eine bestimmte Anzahl von Ärzten und Pflegern an Bord sein. In der Regel sei es aber unproblematisch, Ärzte zu gewinnen, da die Einsätze sehr beliebt seien, sagt Miriam Lüthje vom deutschen CLIA-Büro.

Von großer Nachfrage berichtet Christian Ottomann, Gründer der Schiffsarztbörse: "Wir haben ungefähr 500 Ärzte in unserem Netzwerk." Allerdings kann der Lübecker Arzt, der selbst regelmäßig an Bord arbeitet, nur etwa jeden fünften Kollegen vermitteln. Ottomann nennt die Voraussetzungen: Die Ärzte müssten unter anderem bestimmte Krankheitsbilder, medizinisches Englisch, Epidemiologie und Fragen der Quarantäne beherrschen.

"Die Ärzte müssen entscheiden können, wann sie ein Schiff evakuieren oder Patienten per Hubschrauber abholen lassen", sagt Ottomann. Diese Rettungsaktionen seien sehr teuer und aufwendig. "Und manchmal ist das Evakuieren bei hohem Seegang gefährlicher, als den Patienten ein paar Tage zu stabilisieren", sagt Ottomann, der ebenfalls Fortbildungen anbietet - genauso wie auch andere Kollegen, etwa die Firma Schiffsarztlehrgang in Kiel.

Einheitliche Qualitätsstandards für die Ausbildung von Schiffsärzten gibt es nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Maritime Medizin hat jetzt aber Empfehlungen erarbeitet. Sie hält unter anderem eine notfallmedizinische Ausbildung für notwendig und auch Kenntnisse in der Inneren Medizin für sinnvoll, so der Vorsitzende Klaus-Herbert Seidenstücker.

Anja Sokolow/dpa/ant
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