OECD-Forderung Arbeiten im Alter muss attraktiver werden

Auf immer weniger Beschäftigte in den OECD-Ländern kommen immer mehr Rentner und Arbeitslose über 50. Die Organisation warnt vor schwerwiegenden Folgen - und gibt Tipps, wie Ältere im Betrieb gehalten werden können.

Getty Images

In Industrienationen wie Deutschland werden die Menschen im Schnitt immer älter - und das bei meist guter Gesundheit. Einerseits höchst erfreulich, heißt es von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), andererseits ein gravierendes Problem: für die Staatskasse.

Wenn ältere Menschen künftig nicht länger arbeiteten, könne das "schwerwiegende Folgen für den Lebensstandard und die öffentlichen Finanzen" haben, warnt Stefano Scarpetta, OECD-Direktor für Beschäftigung, Arbeit und Soziales.

Anlass ist die Veröffentlichung einer neuen OECD-Studie, in der erhebliche politische Anstrengungen gefordert werden, um ältere Menschen in Arbeit zu halten oder zu bringen. Passiere dies nicht, könnten im Jahr 2050 auf 100 Erwerbstätige bereits 58 Ruheständler und Nichterwerbstätige im Alter "50 plus" kommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 kamen auf 100 Arbeitnehmer 42 Ruheständler und Nichterwerbstätige im Alter von über 50 Jahren.

In der Studie werden konkrete Vorschläge genannt, um diesen Anstieg deutlich zu bremsen und Hürden abzubauen, die Menschen vom Arbeiten im Alter oftmals abhalten.

  • Arbeiten im Alter sollte demnach belohnt und Altersdiskriminierung abgebaut werden. Arbeitgeber sollten ermutigt werden, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzustellen oder im Unternehmen zu halten.
  • Menschen, egal welchen Alters, sollten für den Arbeitsmarkt attraktiv bleiben und dazu selbst beitragen, etwa durch lebenslanges Lernen.
  • Menschen in jeder Lebensphase sollte es leicht gemacht werden, arbeiten zu gehen - etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle, von denen oft gerade ältere Menschen und junge Mütter profitieren.

Die Maßnahmen müssten aber nicht in allen OECD-Länder gleichermaßen angewendet werden, heißt es in der Studie. In Deutschland, Italien und Japan beispielsweise ist die Bevölkerung im Schnitt besonders stark gealtert. Hier sei bereits die Hälfte der Bevölkerung über 46 Jahre alt. In den meisten OECD-Ländern liege der Median bei 40 Jahren.

Deutschland, Japan, Korea, Australien, Großbritannien und Kanada hätten in den vergangenen zehn Jahren aber schon einen Anstieg der Erwerbsbeteiligungsquote der 55- bis 64-Jährigen erreicht. Im OECD-Durchschnitt sei die Quote von 56 Prozent im Jahr 2008 auf 64 Prozent im Jahr 2018 gestiegen.

sun



insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sleeper_in_Metropolis 30.08.2019
1.
Die meisten Menschen sind doch froh, das sie nach ca. 40 Berufsjahren endlich in den Ruhestand gehen können und eben nicht mehr arbeiten müssen. Dagegen wird man auch mit den tollsten Methoden in der Masse nur wenig machen können. Anders sieht es natürlich in Fällen von Altersarmut aus.
Sibylle1969 30.08.2019
2.
Ich werde in Kürze 50, und mein Job macht mir eigentlich viel Spaß. Aber in ein paar Jahren will ich unbedingt weniger arbeiten. Weniger Wochenarbeitszeit, also 3-4-Tage-Woche, und vor allem mehr Urlaubstage, damit ich genug Zeit für meine zahlreichen anderen Interessen habe. Nach fast 25 Jahren in der IT-Branche mit permanent 45-50 Wochenstunden will ich bald kürzer treten. Ich hoffe, mein Arbeitgeber macht da mit. Wenn mir diese Flexibilität gewährt wird, dann kann ich mir gut vorstellen, noch ein paar Jährchen zu arbeiten. Ansonsten würde ich mich aus dem Arbeitsleben verabschieden, sobald ich es mir leisten kann.
Leonia Bavariensis 30.08.2019
3. Da fehlt etwas Wesentliches!
Trotz körperlicher und geistiger Fitness, häufig sogar mehr als bei deutlich jüngeren Kolleg(inn)en, war ich froh, als ich es mir mit 64 leisten konnte, mit meinem mit engem Terminkorsett versehenen Job aufhören konnte. Zwar ermöglichte es mir meine jahrzehntelange Routine ebenso wie noch immer mindestens ein Ass im Ärmel, wenn es eng wurde, mit den Aufgaben zur allerbesten Zufriedenheit fertig zu werden. Auch neue Aufgaben konnten mich nicht schrecken, Weiterbildungsmaßnahmen, die etwas brachten, habe ich immer gern mitgemacht, oder aber mit entsprechenden Fragen dafür gesorgt, dass sie einem was brachten. Aber abends und am Wochenende war ich zu nichts mehr zu gebrauchen, und die freie Zeit reichte kaum für die notwendige Regeneration. Also ziehe ich den Schluss, dass das längere Arbeiten zwar möglicherweise notwendig ist, die Rentenkasse stabil zu halten, dass aber die Kehrseite sein wird, dass die älteren Arbeitnehmer wegen chronischer Erschöpfung sehr viel früher als die vorherige Generation in die Kiste springen werden. Ich hoffe, dass das nicht der unausgesprochene Hintergedanke ist. Denn eines sollte klar sein: das derzeitige Arbeitstempo ist mindestens doppelt, wenn nicht dreifach so hoch, wie noch vor ca. 20-25 Jahren! Das kann man langfristig gar nicht so viel länger durchhalten, selbst in Bürojobs, von den körperlich anstrengenderen ganz zu schweigen.
tsuru 30.08.2019
4. Können vor wollen
Bei mir in der Firma ist es immer noch so, dass alles getan wird, teure alte Leute loszuwerden. Mit über 50 noch einen Job bekommen? Geht doch gar nicht! Und dann... Ich bin jetzt grad mal 40. Aber in besonders stressigen Wochen, besonders wenn der letzte Urlaub länger her ist, kann ich mich ab Donnerstag Mittag schon wegschmeissen. Freizeitaktivitäten an Abenden in der 2. Wochenhälfte kannst vergessen, die Arbeit braucht alle Energie, die ich aufbringen kann. Und ich arbeite nun nicht mal körperlich.
malesara 30.08.2019
5. die Praxis sieht anders aus ...
... ich war 25 Jahre bei der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beschäftigt. Gerne wäre ich länger tätig gewesen, doch mit 65 Jahren und 4 Monaten hat man mich ungeachtet meines Antrages auf Weiterbeschäftigung in die Rente hinaus komplementiert. Ich wollte bleiben, die Bereichsleitung wollte das auch, doch in der zentralen Personalabteilung meinte man, ich wäre nach so vielen Dienstjahren zu teuer, neues Personal gäbe es für ein erheblich kleineres Gehalt ... so sieht die Praxis in einem Großunternehmen aus ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.