Work-Life-Balance in Australien Von wegen Paradies

Wellenreiten in der Mittagspause, Barbecue nach Feierabend: In Australien lassen sich Arbeit und Privatleben bestens verbinden, sollte man meinen. Doch Deutsche kriegen das mit der Work-Life-Balance noch viel besser hin, zeigt ein internationaler Vergleich.

Oh, wie süß! Niedliche Tierbilder kann man auch in Deutschland betrachten
Corbis

Oh, wie süß! Niedliche Tierbilder kann man auch in Deutschland betrachten


Opernhaus oder Fernsehturm, Indischer Ozean oder Wannsee? Mathias Bahner, 29, fiel die Wahl zwischen Berlin und Sydney nicht schwer. 2008 wanderte er nach Australien aus. "In Berlin war ich meist arbeitslos, aber hier war es total einfach", sagt er. Er arbeitet jetzt für einen Kurierdienst.

Rund 185.000 Menschen aus aller Welt ziehen jedes Jahr nach Australien. Im vergangenen Jahr waren 3154 Deutsche dabei. Damit liegt das Land im Auswanderer-Ranking der Deutschen bei den außereuropäischen Zielen auf Platz zwei, hinter den USA.

"Verglichen mit dem Rest der Welt bietet Australien die besten Chancen auf ein lockeres Leben", meint ein stolzer Einwanderer auf der Community-Webseite Whirlpool. "Wir haben sämtliche Zutaten für ein wunderbares Leben hier", schreibt ein anderer. Die Einträge auf der Seite lesen sich wie Zitate aus einer Werbebroschüre.

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Top 5 und Flop 5: Work-Life-Balance im Ländervergleich
Was dort nicht steht: Die Australier sind arbeitswütiger als man meinen sollte. In einer Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gaben 14 Prozent der Australier an, mehr als 50 Stunden pro Woche zu arbeiten. In Deutschland überschritten nur fünf Prozent der Arbeitnehmer die 50-Stunden-Marke. Aber auch Deutsche, die weniger arbeiten, haben den Australiern einiges voraus: Im Schnitt widmen sie täglich 15,3 Stunden ihrer Lebenszeit Freunden, Hobbys - oder schlafen. In Australien gönnt man sich fast eine Stunde Freizeit weniger.

Im "Better Life Index" vergleicht die OECD die Lebens- und Arbeitsumstände in ihren 34 Mitgliedsländern plus Brasilien und Russland. Die Daten stammen aus eigenen Umfragen der OECD oder kommen von den jeweiligen Statistikämtern. Verglichen werden neben der Work-Life-Balance auch Faktoren wie Sicherheit, Gesundheit oder Ausbildung. Was die Work-Life-Balance angeht, schafft Deutschland es im aktuellen Ranking auf den zehnten Platz, Australien landet abgeschlagen auf Rang 30.

Nicht alles ist in Down Under also besser - und so manchen Auswanderer zieht es nach ein paar Jahren zurück in die Heimat. Soziologen haben das Phänomen an britischen Expatriates in Australien untersucht: Die meisten vermissten die Familie, viele beschwerten sich über mangelndes Kulturangebot. Und dann ist auf dem fünften Kontinent noch eine Sammlung der giftigsten Tiere der Welt anzutreffen: tödliche Würfelquallen, blaugeringelte Kraken, Rotrückenspinnen, Giftnattern - und, nicht zu vergessen, Krokodile und weiße Haie.

dpa/vet/ant

insgesamt 48 Beiträge
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chickenkiller 02.10.2013
1. Nicht zu vergessen ...
Zitat von sysopCorbisWellenreiten in der Mittagspause, Barbecue nach Feierabend: In Australien lassen sich Arbeit und Privatleben bestens verbinden, sollte man meinen. Doch Deutsche kriegen das mit der Work-Life-Balance noch viel besser hin, zeigt ein internationaler Vergleich. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/oecd-work-life-balance-ist-in-deutschland-besser-als-in-australien-a-918283.html
Plus Unmengen von Fliegen, die man im Gesicht hat! Ein Haufen toter Kuscheltiere, die als Roadkill am Highway liegen! Aborigines mit blutunterlaufenen Alk-Augen am Straßenrand! Inzestgeschädigte Landbewohner .... ach, ich will jetzt Australien nicht schlecht machen! ;-) Die Krönung war ein Tankwart ohne Zähne auf dem Stuart-Highway, der vor lauter Fliegen ein fast schwarzes Gesicht hatte und meinte "Flys are very friendly today!". Dann nahm er eine Dose Paral aus dem Gürtel und sprühte sich einmal kräftig in die zahnlose Visage! DAS nenne ich "Work-Life-Balance" !!!
mapesa 02.10.2013
2. wer's glaubt
So nun möchte ich mal wissen wer alles bei "den Deutschen" mit aufgeführt ist die täglich 15,3 Stunden Lebenszeit auf Hobbies und schlafen verteilen. Kinder ? Arbeitslose? Rentner ? Hausfrauen ? Hat man in Australien weniger (Früh-)Rentner, weniger Arbeitslose, mehr Hausfrauen, mehr Kinder, mehr Teilzeitbeschäftigte ? Die Statistik ist doch ohne all diese Informationen überhaupt nicht auswertbar. Richtig wäre eine Statistik nur mit Volzeibeschäftigten. Dann aber bitteschön auch samstage und Sonntage, Feiertage und Urlaub herausrechnen (Hier liegt doch auch bereits ein gehörigre Unterschied) und dann eine Statistik der reinen Arbeitstage.... Allein mit Essen /Duschen /Arbeitsweg und bei unterstellten 8 Stunden Schlaf, Kinderbetreuungszeiten kommt man niemals auf 15,3 Stunden freie Zeit an einem nomalen Arbeitstag. Es gilt wie immer: traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.
thanks-top-info 02.10.2013
3. schlimm, diese giftigen Tiere hier...
Das vermissen der Familie, aus meiner Erfahrung mit meinem Freundeskreis Ausgewanderter, ist durch aus als Grund fürs Heimweh vernehmbar. Das könnte aber eher bedeuten, das als Alternative Freundschaften mit Australiern etwas schwieriger zu unterhalten sind. Australier verbringen viel Zeit mit ihren zum Teil doch großen Familien. Darüber hinaus unterhalten sie Kontakte zu alten Schulfreunden und anderen. Der Bedarf ist wohl eher gedekt, als in Deutschland. Ein mangelhaftes Kulturamgebot ist mir hier noch nicht aufgefallen, aber auch dieses Gefühl mag vom Alltag in einem anderen Kulturraum herrühren. Da vermisst so mancher deutsche Kultur. Wer nun meint anstatt bei Australiern vermehrt unter Ausländern Freunde zu finden, der mag herausfinden, das sehr viele Freunde des eigenen Herkunftlandes bevorzugen. Obendtein habe ich die Deutschen hier nicht unbedingt als jene kennengelernt, die im Ausland besonders zusammen halten. In Sydney oder Brisbane gibt es meetup.com Stammtische, die nur schwerlich Dauerteilnehmer binden, und das sind junge aktive Leute, keine Senioren. Senioren findet man in zig deutschen Clubs und Vereinen, dort gibt es keine Generation junger Leute, die übernehmen möchte. Es ist traurig zu sehen, das wir Deutsche vermutlich durch WW2 einen ordentlichen Kulturbruch erhalten haben. Gearbeitet wird hier hart. Ich denke, viele wollen einfach einen höheren Lebensstandart, oder können mit Geld schlecht umgehen, arbeiten deshalb intensiev. Es gibt mehr und mehr Alleinerziehende, Mieten sind teuer, Jobs in der derzeitigen Kriese rar und unsicher. Das Wetter manchen Regionen ist aber fantastisch und gerade in ländlicheren Regionen, wo Mieten und Häuser noch erschwinglich sind, gibt es guten Bedarf an Handwerkern, da die Jugend derzeit unausgebildet auf Landflucht ist. Es ist halt cooler in der Stadt. Eines der Holzhäuser auf dem Land kostet vielleicht 200000$, ein Handwerkerlohn mag um die 65000$ liegen, auf jeden Fall höher als in Deutschland
dasbeau 02.10.2013
4. Mehr als 50 Std. arbeiten?
Ist natürlich nicht repräsentativ, aber ich habe andere Erfahrungen gemacht. Habe mal ein halbes Jahr in Sydney (Justizsektor) gearbeitet, die Arbeitseinstellung (nicht nur bei den Juristen, wohlgemerkt), war überwiegend durchaus lax. Mittagspausen von 2 Std. waren die Regel (grds. auswärts essen) und spätestens um 15h galt das Hauptaugenmerk der weiteren Tagesplanung: Strand, surfen, Pub etc.. Ich fand das in der Zeit durchaus angenehm, konnte mir aber damals schon nicht vorstellen, das länger mitzumachen. Nicht, weil ich mich totarbeiten möchte, aber dieses äußere Verhalten spiegelte sich auch im Innern wieder: Der überwiegende Teil der Australier, die mir begegnet sind, waren zwar nett und unglaublich gut drauf, aber meistens auch extrem oberflächlich, egal in welchen Bereichen. Sei es Kultur, Politik, Sozialwesen... es hat keinen wirklich interessiert. Und das war nicht auf Jüngere beschränkt, das zog sich durch alle Generationen. Wie gesagt, bestimmt nicht repräsentativ, aber meine Erfahrung.
microbus 02.10.2013
5. was in den Berichten mancher Auswanderer auch nicht steht...
...ist die simple Tatsache, dass Australien nicht das Land ist, wo es Brei vom Himmel regnet. Als junger, gesunder Mensch ist das Leben dort echt lustig. Aber man wundert sich plötzlich sehr, wenn man mit einem Bandscheibenschaden zur Physiotherapie muss und dann feststellt, dass die eigene Krankenversicherung die Therapie einfach nicht zahlt. Was dort auch nicht steht ist, dass man als Mieter praktisch der letzte Dreck ist, weil man eigentlich keine Rechte hat. Man kommt z.B. abends nach der Arbeit in seine Wohnung und findet ein benutztes Glas in der Spüle, weil die Vermietungsagentur tagsüber einen Handwerker vorbei geschickt hat - natürlich ohne dem Mieter etwas davon zu sagen. Es kommt auch schon mal vor, dass man morgens aus der Dusche kommt und im Wohnzimmer steht ein wildfremder Typ, dem die Vermietungsagentur den Schlüssel in die Hand gedrückt hat. Das alles führt dazu, dass man irgendwann in seiner eigenen Wohnung seine Wertsachen versteckt, weil man nie weiß, wer da als nächstes durch latscht. Lockerheit im Leben ist ja ganz nett, aber sie funktioniert leider in zwei Richtungen - wenn man selbst das "Opfer" der Lockerheit anderer Leute ist, findet man das plötzlich nicht mehr so nett.
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