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Arbeitgeber auf Bewerberfang: Diese Unternehmen können's

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Arbeitgeber im Netz "Bewerber möchten keine Zeit verschwenden"

Nur ein Klick, und das Onlineprofil wird an den Arbeitgeber überspielt - ist das die Bewerbung der Zukunft? Berufsanfänger sind ungeduldig. Eine Studie zeigt, welche deutsche Unternehmen es klugen Köpfen leicht machen.
Von Silvia Dahlkamp

Jeder kennt sie, die klassische Online-Bewerbung: auf die Firmen-Homepage gehen, das Bewerbungsportal suchen, komplizierte Online-Formulare ausfüllen. Anschließend den Lebenslauf und die Zeugnisse hochladen, Dokumente anhängen. Natürlich darf die Datei nicht zu groß, muss das Layout perfekt, das Anschreiben fehlerfrei formuliert sein.

Das kann dauern. Von der Anzeige bis zum Button "Senden" - bis die Bewerbung ein Unternehmen erreicht - vergehen nicht Minuten, sondern Stunden.

Früher, als es noch mehr Bewerber als Stellen gab, trennten große Firmen mit diesem umständlichen Verfahren die Spreu vom Weizen. Und heute? Heute können sich Firmen so viel Bürokratie nicht mehr leisten, lautet das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Potentialpark. Die Marktforscher warnen: Viele Firmen unterschätzen den Wettbewerb, halten an alten Systemen fest und verprellen so den Nachwuchs.

Wer als Arbeitgeber in der Technik hinterherhinkt, wird abgestraft: Die Karrierewebseite bietet zu wenig Service, die Online-Bewerbung dauert zu lange? Schon ist der Interessent weg. 40 Prozent der Befragten haben schon einmal mitten im Bewerbungsprozess den Stecker gezogen. Als Gründe nannten die Studenten und Absolventen: Sie möchten sich nicht durch kryptische Stellenanzeigen quälen. Oder sich über unübersichtliche Systeme ärgern, die immer wieder abstürzen.

Kurze Frage, schnelle Antwort

"Bewerber sind nicht faul, sondern möchten keine Zeit verschwenden", sagt Julian Ziesing, Studienleiter bei Potentialpark. Zwischen September und Januar nahm das globale Marktforschungsinstitut großen Anlauf: Weltweit untersucht wurden 3705 Karriereseiten, Systeme zur Onlinebewerbung und Social-Media-Kanäle (Facebook, Xing, LinkedIn, YouTube, Twitter, Blogs). Allein in Deutschland waren es rund 900 Kanäle von 161 Arbeitgebern. Außerdem befragte die Beratungsfirma fast 1200 Betriebswirte, Mathematiker, Informatiker, Natur- und Ingenierwissenschaftler nach ihren Erwartungen.

Einige Ergebnisse: Vor allem Karrierewebseiten verlieren an Attraktivität. Im Vorjahr suchten dort noch 94 Prozent aller Studenten nach Jobs, inzwischen sind es zehn Prozent weniger. Auf den Seiten präsentieren sich die Arbeitgeber, aber oft fehlen Informationen über Fortbildungen, Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierewege. Doch gerade das vermissen Berufseinsteiger und weichen deshalb oft auf Bewertungsplattformen aus: Ein Viertel der Befragten hat bei Kununu oder Glassdoor - in Deutschland noch neu - schon Mitarbeiter-Kommentare gelesen. 82 Prozent waren mit der Auskunft zwar zufrieden, die meisten hielten die Kritik an die Launen der Chefs aber für übertrieben (64 Prozent).

Kurze Frage stellen, schnelle Antwort bekommen: Für die "Generation Y" soll eine Bewerbung am liebsten so einfach gehen wie das Buchen einer Reise. Aufs Reiseportal gehen, Stadt eingeben, Hotel suchen, Zimmerpreise und Bewertung finden - alles auf einer Seite. Übertragen auf die Jobsuche bedeutet das: Portal öffnen, Anzeige finden, Bewertungen prüfen, Bewerbungen schicken - mit wenigen Klicks ist alles erledigt.

Netzwerk-Profil per Klick überspielen

Einige Unternehmen stuft Potentialpark als vorbildlich ein. Auf den ersten Plätzen des Rankings für Deutschland (siehe Tabelle unten) landeten Fresenius, die Deutsche Telekom und Ernst & Young. Der Allianz-Konzern zum Beispiel, Rang vier, akzeptiert nun auch mobile Bewerbungen. Entdeckt ein Interessent eine Anzeige, kann er dem Personaler einen Link zu seinem Xing-Profil schicken. Dann meldet sich der Personaler, wenn er eine Bewerbung wünscht.

Bei Fresenius und Continental können Mehrfachbewerber registrierte Stammkunden werden. Vorteil: Sie müssen ihre Daten nicht immer neu eingeben. Obwohl in der Praxis noch fehleranfällig, hat sich Ferrero Italien für die Technik der Zukunft entschieden: Ein Klick, und das Online-Profil bei einem Netzwerk wie LinkedIn oder Xing wird direkt an den Arbeitgeber überspielt.

Wenn die Entwicklung so rasant weitergeht, ist vielleicht bald auch schon der Lebenslauf out. Ein Drittel aller Bewerber würde schon heute lieber nur noch ein Netzwerk-Profil versenden. Bisher bieten das jedoch nur 18 Prozent der Unternehmen an. Auch dann gilt: Wer in die engere Wahl kommt, muss am Ende trotzdem noch einen Lebenslauf und ein Anschreiben tippen, hochladen und per Mail schicken.

Top 30 der Potentialpark-Studie 2015

Rank Company Score Diff
1 Fresenius 82,2 0
2 Deutsche Telekom 79,8 0
3 EY 70,2 1
4 Allianz 69,3 -1
5 Otto 67,5 1
6 ProSiebenSat.1 Media 64,5 15
7 Infineon 62,8 91
8 Henkel 62,8 44
9 Accenture 60,3 -2
10 Philips 60,2 50
11 Deutsche Post DHL 60,2 1
12 Deloitte 60,0 2
13 TÜV NORD 59,6 0
14 Deutsche Bahn 59,4 22
15 ABB 59,0 33
16 ALTANA 59,0 11
17 BASF 58,6 11
18 Bayer 58,6 -7
19 Bertelsmann 58,0 -14
20 Bosch 57,5 9
21 UBS 56,8 13
22 Tchibo 56,5 8
23 Schaeffler Gruppe 56,0 15
24 Munich Re 55,8 46
25 BMW 55,4 0
26 Continental 55,3 -16
27 Roland Berger 55,1 37
28 Bertrandt 55,0 -11
29 ThyssenKrupp 54,5 -21
30 Sanofi 54,3 33
Quelle: potentialpark

KarriereSPIEGEL-Autorin Silvia Dahlkamp (Jahrgang 1967) arbeitet in einer Hamburger Redaktion und daneben als freie Journalistin.

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