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04. März 2012, 07:16 Uhr

Online-Lebenslauf

Schlüsselreize für Personaler

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Wer seinen Lebenslauf online stellt, erhöht seine Chancen, unerwartet ein Jobangebot zu bekommen. Dumm nur, dass auch zigtausend Andere auf diese Idee kommen. Um aus der Masse der Talente herauszuragen, hilft nur eine gelungene Präsentation.

Dana P. hatte - fast - alles richtig gemacht: Für den Shoot beim Profi-Fotografen warf sie sich in Business-Schale. Sie wusste auch, dass sie mit Mailadresse "kleinehexe@" in Personalabteilungen nicht landen konnte. Sie wählte einen seriösen Namen und wechselte zu einem Provider, der nicht jede E-Mail mit Werbesprüchen verziert.

Nur ganz am Schluss ließ Dana P. neune gerade sein. Dabei hätte es sie keinen Cent gekostet, einen Ausdruck ihres Onlinelebenslaufs einer Freundin zur Korrektur zu geben: Die Buchstabendreher in "Abendgynmasium Dresden" und "Verhandlnugssicheres Englisch" fielen ihr erst auf, nachdem ihr Qualifikationsprofil sechs Wochen wie Blei in der Bewerberdatenbank einer großen Jobbörse gelegen hatte.

Der Online-CV eröffnet Absolventen und Wechselwilligen einen einfachen und kostengünstigen Weg in den Job. Fast alle Karriereportale bieten die Möglichkeit, nach der Registrierung mit wenigen Klicks einen Lebenslauf anzulegen und in eine Bewerberdatenbank einzustellen.

Aus diesem Pool fischen Unternehmen und Headhunter interessante Kandidaten, um sie zur nächsten Auswahlrunde - Telefoninterview, persönliches Vorstellungsgespräch oder Assessment-Center - einzuladen. Für Jobsucher ist dieser Service kostenlos.

Die Latte für Bewerber liegt niedrig, was zwei Haken hat: Zum einen ist die Konkurrenz in diesem Job-Web riesig, zum anderen wird manch einer zu einer schlampigen Präsentation verleitet. Karriereberaterin und Buchautorin Svenja Hofert rät zu besonderer Sorgfalt, "denn das Internet vergisst nichts".

Anspruchsvoll wie ein gedruckter Lebenslauf

Dieter Schmich vom Bewerbungs-Center Schwetzingen empfiehlt, allzu private Informationen oder Fotos draußen zu lassen. "Nehmen Sie sich genügend Zeit", lautet die Devise, die Unternehmen wie Volkswagen oder die DAB Bank ausgeben. Was manchem nicht bewusst ist: Die formalen Ansprüche sind genauso hoch wie bei einer gedruckten Bewerbung.

Aus bis zu 200 Mustern können sich Jobsucher im Internet einen Online-CV "nach Maß" aussuchen. Der Aufbau ist meist gleich: An einen Block mit den persönlichen Daten schließen sich Berufspraxis, Studium, EDV-Kenntnisse, Fremdsprachen, besondere Kenntnisse an.

Die "amerikanische Chronologie", die das Leben rückwärts aufrollt, also bei den jüngsten Stationen beginnt, hat sich weitgehend durchgesetzt. Die Bewerber klicken in ein Formular und füllen die sich öffnenden Textfelder, wobei die Freitextfelder besondere Aufmerksamkeit verdienen. Denn sie bieten die Möglichkeit, Schlüsselreize auszusenden: Überlegen Sie zuvor, welche Stichworte in Ihrem Lebenslauf für Personaler besonders attraktiv sein könnten. Wichtig ist, sie in ausformulierte Argumente einzubauen, statt sie plump herunterzubeten.

Damit der Chef nicht mitliest

Ein Passwort verhindert unbefugten Zugriff. Auf dem Bildschirm des Personalers hat der Online-CV die normale Print-Anmutung. Oft stehen verschiedene Lebenslauf-Versionen zur Verfügung. Bestimmte Daten werden für das Unternehmen erst sichtbar, nachdem es einen Kontaktwunsch geäußert hat. Diese Funktion ist als Schutz für Kandidaten gedacht, die sich aus einem ungekündigten Arbeitsverhältnis bewerben und ungern ihrem Chef in einer Jobbörse über den Weg laufen wollen.

Einige Plattformen bieten neben der automatischen Übersetzung zwischen Dateiformaten auch die in eine Fremdsprache. Die Ergebnisse überzeugen aber in der Regel nicht. Wer auf Unternehmen im Ausland zielt, sollte sich lieber auf "vor Ort" programmierten Plattform eintragen. Rechtschreibfehler, wie sie Dana P. unterlaufen sind, lassen sich so natürlich auch nicht ausschließen. Da hilft wieder nur die Freundin, die Korrektur liest - und hoffentlich Muttersprachlerin ist.

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