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MBA-Programme: Per Livechat zum Business-Meister

Foto: IE Business School

MBA-Programme Online ist oft besser

Einen MBA absolviert man an einer Business School in Übersee. Oder zu Hause am Computer. Onlineprogramme stechen inzwischen Präsenzkurse aus. So sparen sich Teilnehmer lange Auszeiten im Beruf. Aber Geld sparen sie kaum.
Von Bärbel Schwertfeger

Jeden Freitag um halb sechs loggt sich David Hoeffler, 31, in das virtuelle Klassenzimmer ein. Jeweils eineinhalb Stunden dauern die beiden MBA-Kurse. Ein Professor stellt das Thema des Tages vor. Gemeinsam werden Inhalte erarbeitet und Fragen beantwortet. Die Studenten schalten sich per Webcam dazu, der Professor fasst das Wichtigste auf einer digitalen Tafel zusammen.

Seit Oktober absolviert Hoeffler den 15-monatigen Studiengang zum Global MBA an der IE Business School in Madrid. Dazu muss der Psychologe, der sich als Berater bei SAP mit der statistischen Auswertung von Geschäftsdaten beschäftigt, kaum das Haus verlassen. Der Studiengang läuft weitgehend online, lediglich zwei Wochen Präsenzunterricht in Madrid sind Pflicht.

Dabei ist der Live-Kurs mit Professor nur ein Baustein. Am Wochenende bearbeitet Hoeffler mit sechs Kommilitonen aus Spanien, Frankreich, Bulgarien und Ägypten Aufgaben, etwa zur Wirtschaftspolitik. Von Montag bis Donnerstag muss er Beiträge in den Online-Foren schreiben: "Die Kontakte sind wahnsinnig intensiv. Wir tauschen uns meist mehrmals täglich aus."

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Foto: Trium Global MBA

Mit ihrem Global MBA ist die spanische Business School höchst erfolgreich. Rund 200 Berufstätige aus mehr als 50 Ländern absolvieren derzeit das Programm. Gerade landete die Schule damit im Online-MBA-Ranking der "Financial Times"  auf dem ersten Platz.

Lange galten die Online-Studiengänge eher als Billig-Variante des Managementstudiums. Doch das Image hat sich deutlich geändert, immer mehr Top-Schulen bieten Onlineversionen an. Dafür sprechen gute Argumente, vor allem die geringere Abwesenheit vom Arbeitsplatz und die größere Flexibilität im Studium.

Ohne Präsenzphasen geht es nicht

"Es gibt exzellente Studenten auf der Welt, die nicht zum MBA-Studium auf unseren Campus in London kommen können oder wollen. Dann kommen wir eben zu ihnen", sagt David Lefevre, Programmdirektor des neuen Global MBA an der Imperial College Business School. Dort gibt es in zwei Jahren drei Wochen Präsenzpflicht. Denn ganz ohne Präsenzphasen geht's nicht. "Vor allem das Treffen zum Studienbeginn ist wichtig", weiß Lefevre, "wer die anderen kennt, arbeitet auch online besser zusammen."

Mit dem klassischen Fernstudium, bei dem jeder für sich vorproduziertes Material durcharbeitet, haben die neuen Onlineprogramme wenig gemein. Zwar haben auch die etablierten Fernhochschulen digital aufgerüstet, doch die Online-Elemente sind hier vor allem eine Ergänzung gedruckter Studienbriefe. So können sich inzwischen auch die MBA-Studenten der renommierten britischen Open University, mit derzeit 375 Studenten in Deutschland wohl das größte MBA-Programm hierzulande, am Computer mit ihren Tutoren und Kommilitonen austauschen.

Bei den neu aufgelegten Programmen dagegen steht der virtuelle Austausch im Mittelpunkt. "Das Wesentliche ist die Kommunikation und das soziale Erlebnis", so Imperial-Programmdirektor Lefevre. "Wir bilden die soziale Dynamik des Klassenzimmers mit Live-Unterricht, Simulationen, Tests, Diskussionen und Projektarbeiten nach."

"Fotografieren Sie Cola-Werbung"

Je nach Thema habe man dabei die geeignete Form gesucht. "Für den Werdegang eines Unternehmers eignet sich ein Video, für Verhandlungsstrategien eine interaktive Übung", erklärt Lefevre. So müssen die 70 MBA-Studenten aus aller Welt zum Beispiel im Marketingkurs Fotos der Coca-Cola-Werbung in ihrem Land online stellen, um dann über globale Markenstrategien zu diskutieren.

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Foto: Corbis

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Martin Boehm ist davon überzeugt, dass Online-Lernen dem Präsenzunterricht sogar überlegen ist. "Die Diskussionen in den Foren sind oft qualitativ wesentlich besser, weil man sich genauer überlegt, was man schreibt", sagt der Professor an der IE Business School.

So sieht es auch MBA-Student Hoeffler. "Da kann man nicht einfach was labern, sondern muss präzise formulieren und auf bisherige Beiträge eingehen." Schließlich wird jeder Beitrag bewertet, der Professor sieht genau, wer wann was schreibt. Rund eine Stunde verbringt Hoeffler täglich mit den Forumsbeiträgen; pro Woche gehen rund 25 Stunden für das Online-Studium neben dem Job drauf.

"Keiner studiert allein vor sich hin"

Dass dennoch 98 Prozent das Studium mit Erfolg beenden, liegt für IE-Professor Boehm vor allem am festen Klassenverband: "Bei uns fangen alle zusammen an und hören auch zusammen auf. Da studiert keiner allein vor sich hin wie bei den klassischen Fernstudiengängen." Die Klassengröße ist auf 32 Studenten beschränkt.

Billiger als ein Vollzeit-Studium sind die neuen Online-MBAs mit Studiengebühren von mehr als 40.000 Euro nicht. "Es ist einfach teuer, hochwertige Online-Materialien herzustellen", sagt Imperial-Manager Lefevre. Zudem unterrichteten keine Tutoren, sondern dieselben Professoren wie im Vollzeitprogramm, und es gebe ein intensives Karriere-Coaching.

Für Martin Boehm müssten gute Online-MBAs eigentlich sogar teurer sein. Der IE-Professor: "Sie bieten schließlich nicht nur mehr Flexibilität, sondern auch eine qualitativ bessere Lernerfahrung."

Foto: Helga Kaindl

KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA - auch in ihrem "MBA-Journal".

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