Gender Pay Gap in Kalifornien Frauen klagen gegen ungleiche Bezahlung bei Google und Oracle

Die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern wird für US-Konzerne zum Problem: Angestellte von Google und Oracle klagen gegen ungleiche Bezahlung, Hunderte Frauen könnten sich anschließen.

Oracle-Zentrale in Redwood Shores, Kalifornien
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Oracle-Zentrale in Redwood Shores, Kalifornien

Von manager-magazin-online-Redakteurin


Der amerikanische Softwarekonzern Oracle ist wegen seiner Gehaltspolitik in die Schusslinie geraten. Der Vorwurf: Oracle soll über Jahre Frauen deutlich schlechter bezahlt haben als ihre männlichen Kollegen. Um durchschnittlich 13.000 Dollar sollen Frauen für gleiche Arbeit pro Jahr schlechter gestellt worden sein, heißt es in einer Untersuchung, die mehrere Klägerinnen am Freitag zusammen mit einer Klageschrift bei einem kalifornischen Gericht einreichten.

Erklärtes Ziel der Frauen: eine Sammelklage der mehr als 4200 aktuellen und ehemaligen weiblichen Angestellten in Kalifornien. Die früheren Beschäftigten des Softwarekonzerns beschuldigen Oracle, über Jahre wissentlich und willentlich weibliche Angestellte schlechter bezahlt zu haben als ihre männlichen Kollegen - und damit gegen kalifornisches Recht verstoßen zu haben.

Auch gegen Google läuft eine Klage

Als Beleg legten sie eine Auswertung der Oracle-Lohnbuchhaltung vor. Demzufolge lag das Grundgehalt von Frauen im Mittel rund 3,8 Prozent unter dem ihrer männlichen Gegenparts, die Boni 13,2 Prozent und die Aktienbeteiligungen 33,1 Prozent niedriger. Ungleichheiten, die den Angaben zufolge davon unberührt waren, ob die Betreffenden dieselben Bewertungen seitens ihrer Vorgesetzen erhielten sowie über dieselbe Erfahrung verfügten.

Oracle ist nicht das einzige Unternehmen, das sich aktuell mit einer Klage wegen ungerechter Gehaltspraktiken konfrontiert sieht. Gegen Google läuft in Kalifornien eine ähnliche Klage, der sich bis zu 8300 weibliche Beschäftigte anschließen könnten.

Diskriminierung amtlich festgestellt

Als problematisch für beide Konzerne könnte sich dabei erweisen, dass sowohl bei Google als auch bei Oracle bereits 2017 seitens des US-Arbeitsministeriums eine Diskriminierung weiblicher Angestellter festgestellt wurde. Daraus wurden aber

Oracle wies die Vorwürfe des Arbeitsministeriums damals zurück und erklärte, sie entbehrten jeglicher Grundlage. Der Softwarekonzern stellte laut Presseberichten nach einer entsprechenden Gesetzesänderung im Jahr 2017 lediglich die Praxis ein, Beschäftigte auf Basis deren früherer Verdienste zu bezahlen.

Ob das Gericht in San Mateo die Sammelklage gegen Oracle zulässt, ist noch offen.

Nike ist schon weiter

Ein anderer Weltkonzern hat indes aus ähnlichen Vorwürfen bereits Konsequenzen gezogen und seine Gehaltsstruktur egalisiert: Nike. Der Sportartikelhersteller aus Oregon hob nach einer internen Untersuchung das Gehaltsniveau von mehr als 7000 und damit rund 10 Prozent aller weltweit Beschäftigten an, nachdem zahlreiche Mitarbeiter öffentlich gegen Diskriminierung und Belästigungen innerhalb des Konzerns protestiert hatten.

Zudem kündigte Nike an, seine Bonuspraxis zu ändern und diese statt an subjektiven Kriterien wie der persönlichen Leistung künftig hauptsächlich an Zahlen festzumachen. Im Zuge der Affäre verließen zahlreiche Manager das Unternehmen, darunter auch der einst als potenzieller CEO-Kandidat gehandelte ehemalige Nike-Markenchef Trevor Edwards.

Und auch bei anderen Konzernen schien zuletzt - auch angesichts drohender Klagen - die Sensibilität hinsichtlich fairerer Bezahlung gewachsen zu sein. Zumindest haben mehr als 100 Firmen, darunter auch große Unternehmen wie AT&T, Gap, Mastercard und Target, angekündigt, sich um die Schließung der sogenannten "Gender Pay Gap" zu bemühen.

In Deutschland, wo Frauen laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit rund 6 Prozent weniger verdienen als Männer, haben Konzerne aufgrund dieser Praxis deutlich weniger zu befürchten als in Kalifornien.

Kaum Druckmittel gegen deutsche Konzerne

Zwar greift seit Juli 2017 auch hierzulande ein sogenanntes "Entgelttransparenzgesetz", das Angestellten das Recht gibt, Auskunft über die Gehälter von Kollegen in vergleichbaren Positionen zu erhalten. Es gilt allerdings nur dann, wenn der Betrieb mindestens 200 Beschäftigte hat.

Bislang blieb das Gesetz allerdings weitgehend folgenlos. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung löste das Gesetz in den meisten Betrieben keine Aktivitäten aus. Hierzulande haben Betriebe, die das Gesetz ignorieren, bislang aber auch keinerlei rechtliche Konsequenzen zu fürchten.

insgesamt 20 Beiträge
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gekreuzigt 23.01.2019
1. Gleicher Lohn für gleiche Leistung.
Das wäre vernünftig. Aber das Narrativ des Pay Gaps ....
LauraD 23.01.2019
2. Man(frau) kann ja von amerikanischen Konzernen halten, was man will -
aber wenn eine IBM, das mit Abstand größte IT Unternehmen der Erde, seit Jahrzehnten, als eines der ersten Großunternehmen überhaupt, ein "Equal Gender Pay", neben der "Total Gender Diversity", praktizieren kann, dann sollte dss doch auch allen anderen gelingen. Daß ich in Deutschland trotzdem nicht (mehr) dort arbeiten möchte, hat andere Gründe - diese gehören ausdrücklich nicht dazu. Im Gegenteil: Die besten Manager, die ich in meiner Karriere hatte, waren großenteils weiblich. ;)
roenga 23.01.2019
3. Die alte Leier
Wieder einmal werden Durchschnittsgehälter verglichen, ohne Angaben zu Qualifikationen, Jobprofilen, geleisteten Stunden, Erfahrung im Job, besser/mutiger verhandelte Gehälter oder Gehaltserhöhungen etc. Nur unter Berücksichtigung dieser Parameter macht ein Vergleich Sinn. Außerdem - was passiert denn wenn Frau ein höheres Gehalt als andere Frau erhalten hat? Steht dann eine neue Klage an und wie wird die begründet? 'Non gender pay gap' vieleicht?
Malshandir 23.01.2019
4. Statistisches Mittel
Also, es gibt Studien, dass grosse Menschen mehr bezahlt bekommen als kleine. Hier geht es um 3,8%. Ich kenne oracle und dessen bezahlungssystem. Grundsätzloich kann jeder verhandeln, wer schlecht verhandelt hat Pech. Daneben richten sich die Boni nach messbaren Kriterien, ich kam auf 173% des OTE und entsprechend bis zu 225% Boni, dieses hängt von vielen Dingen ab und wer es nicht erriecht, ist halt so. Aktienoptionen kann jeder selber wählen und so eben profitieren oder verlieren. 3,8% sind da ein statistisches Mittekl.
5b- 23.01.2019
5. Leistung in Zahlen
Gleicher Lohn für gleiche Leistung. Ungleicher Lohn für ungleiche Leistung. Wie aber misst man Leistung, so dass man sie in Zahlen ausdrücken kann? Das ist schwierig. Am einfachsten geht es durch ständige Überwachung. Wie viel wird gearbeitet? Wie effizient ist ein Mitarbeiter? Es geht bei einfach mess- und vergleichbaren Vorgängen. Wie misst man aber Projektarbeit im Büro? Das wüsste von der Bewertung des Vorgesetzten abhängen. Die viel größere Frage ist aber: Was außer der Produktivität zählt noch bei der Betrachtung der Leistung? Krankheitstage? Elternurlaub? Flexibilität in Sachen Überstunden und Reisebereitschaft? Wenn die Unternehmen nach Leistung bezahlen dürfen, wird es weiterhin Ungleichheit geben, ganz einfach aus dem Grund, dass man Männer und Frauen getrennt betrachtet werden. Was wäre wenn herauskommt, dass weibliche und männliche Menschen nicht gleich leistungsfähig sind? Das kann durchaus geschehen. Nachdem definiert wurde, was als Leistung gemessen wird, muss man das Ergebnis akzeptieren.
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