Bergführerinnen in Pakistan Hoch hinaus

Ein kleines Dorf im Norden Pakistans bildet erstmals Frauen zu Bergführerinnen aus. Die Musliminnen stellen das traditionelle Rollenbild der Region auf den Kopf. Dabei haben sich viele schon als Kinder den Job vom Vater abgeschaut.

AFP

Klettergurt, Steigeisen und Eispickel - für Takht Bika, 23, sind das Werkzeuge, die sie bei ihrer Arbeit bald regelmäßig benötigen wird. Die junge Pakistanerin wird zur Bergführerin ausgebildet, zusammen mit einigen anderen Frauen aus ihrem Dorf, einem kleinen Nest im Norden des Landes nahe der Grenze zu China. An der Shimshal Mountaineering School lernt Bika, wie sie auf dem Weg zu den schneebedeckten Gipfeln der Region durch Eisfelder klettert oder wo Gefahren durch Lawinen lauern. "Ein Traum ist wahr geworden", sagt sie.

Auch ihr Onkel und ihr Bruder sind Bergsteiger. "Schon als Kind habe ich immer mit ihrer Ausrüstung gespielt - Puppen hatte ich nie", so Bika. Eine andere Schülerin treibt die finanzielle Not in den Kurs. Ihr Mann ist als Bergführer tödlich verunglückt, nun muss sie die beiden Kinder allein durchbringen.

Shimshal liegt im Karakorum, in einer Höhe von 3100 Metern über dem Meeresspiegel. Jenem Gebirge, zu dem auch der K2 gehört, der zweithöchste Berg der Welt. Nur 250 Haushalte gibt es in dem Dorf, kein fließendes Wasser, der Strom wird über einige wenige Solarpanels auf den Hausdächern erzeugt.

Bilder von selbstbewussten Alpinistinnen

Dennoch ist Shimshal unter Alpinisten bekannt - zahlreiche einheimische Bergsteiger führen Touristen zu den schneebedeckten Gipfeln der Region. Die Berge sind eine sichere Einnahmequelle - im Schnitt lebt in jedem Haushalt mindestens ein Bergsteiger. Auch Samina Baig, die erste Pakistanerin, die auf dem Mount Everest stand, kommt von hier.

Die muslimische Gesellschaft der Region ist patriarchalisch geprägt. Trotzdem werden Frauen in Shimshal zum ersten Mal zu Bergführerinnen ausgebildet, einem Job, der bisher eher Männern vorbehalten war. Das verdanken sie auch der Mountaineering School, die 2009 mithilfe des italienischen Spitzenbergsteigers Simone Moro gegründet wurde.

Der AFP-Fotograf Aamir Qureshi hat die Schule besucht. Seine Bilder zeigen selbstbewusste Alpinistinnen, die Bergsteigern aus aller Welt schon bald zeigen könnten, wo es auf dem Weg zum Gipfel langgeht.

Hier geht es zur Fotostrecke.

joe



insgesamt 2 Beiträge
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bertholdalfredrosswag 27.10.2014
1. ein ermutigender Bericht.
Ein sehr ermutigender Bericht, wie sich natürliche Vernunft durch die Rizen des finsteren Religionsdogmas aus dieser steinzeitlichen Festung, sich den Weg zur Vernunft bahnt.
123456789abc 28.10.2014
2. Soso
"Das verdanken sie auch der Mountaineering School, die 2009 mithilfe des italienischen Spitzenbergsteigers Simone Moro gegründet wurde." Simone Moro, war das nicht im April 2013 der Ppöse, dessen Faststeinigung (zusammen mit Ueli Steck) damals alle Sherpa-Versteher so prima fanden.
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