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Peru: Im Kaffeehimmel

Foto: Antonia Schwoche

Deutsche Auswanderin in Peru Wie Antonias Kaffee Señor Raúl begeistert

Antonia Schwoche, 28, wanderte von Hamburg nach Peru aus. In der Stadt Arequipa eröffnete sie eine Rösterei und ein Café, um ausgerechnet Peruanern deutsche Kaffeekultur zu vermitteln. Das stieß auch auf Skepsis.

"Um mein Leben in Deutschland abzuwickeln, habe ich alle Verträge gekündigt, ein paar Haushaltsgeräte wie Kühlschrank und Geschirrspüler verkauft und einen großen Container für rund 8000 Euro gemietet. Dort habe ich das Sofa, das Bett, einige andere Möbel, Bettwäsche, Geschirr, Bücher und Privates wie Fotos reingepackt und drei Wochen, bevor ich nach Peru ausgewandert bin, auf die Reise geschickt.

Ich war damals - vor zweieinhalb Jahren - gerade mit meiner Weiterbildung zur Handelsfachwirtin fertiggeworden. Eine Woche vor dem Flug bestand ich meine letzte Prüfung. Manuel hatte ich zuvor in einer Berufsschule in Hamburg kennengelernt. Wir wurden ein Paar und entschlossen uns, nach Peru zu ziehen. Manuel wollte nach zwölf Jahren in Deutschland wieder zurück in seine Heimat.

Ich hatte schon immer ein Faible für Spanisch, hatte es in der Schule gelernt und später auch Freundschaften zu Spaniern und Lateinamerikanern geschlossen. Natürlich fiel mir der Abschied schwer, meine Mutter war zuerst etwas skeptisch und fragte mich, warum ich mir denn kein Leben in Deutschland aufbauen wollte.

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Peru: Im Kaffeehimmel

Foto: Antonia Schwoche

Aber Manuel und ich hatten ein klares Ziel vor Augen: unsere eigene Kaffeerösterei und ein Café in Peru aufbauen. Ich sollte für das Geschäftliche zuständig sein und Manuel für den Kaffee, schließlich hatte er sechs Jahre lang in der Hamburger Speicherstadt in einer Kaffeerösterei sein Handwerk gelernt.

Wir sind sehr schnell im Alltag angekommen - vielleicht, weil wir so viel zu erledigen hatten. Wir mussten uns für eine Rechtsform unserer Kaffeerösterei entscheiden, Nachweise und Bescheinigungen besorgen, uns überlegen, welche Miete wir uns in welchem Teil der Stadt leisten konnten. Irgendwie klappte alles schneller als gedacht.

Nach drei Monaten eröffneten wir unser Kaffeehaus in einem kleinen Laden, 40 Quadratmeter groß, etwa fünf Minuten vom zentralen Platz der Stadt entfernt. Eine Röstmaschine, eine Espressomaschine und eine Kaffeemühle hatten wir aus Deutschland mitgebracht. Wir wollten peruanischen Kaffee nach deutschem Standard zubereiten und die Leute dafür begeistern, denn obwohl in Peru sehr guter Kaffee angebaut wird, gibt es hier noch keine wirkliche Kaffeekultur.

Wir hatten in Deutschland einiges sparen können und konnten uns damit den Umzug leisten. Die Kaffeerösterei in Hamburg hilft uns auch, sie hat uns einen Kredit auf unsere Espressomaschinen und die Mühlen gegeben. Und dann kommt noch finanzielle Unterstützung von unseren Familien. Und Manuels Mutter hat am Anfang im Service mitgeholfen und vertritt uns, wenn wir auf Geschäftsreise oder im Urlaub sind. Sonst treffen wir seine Familie meist am Wochenende. Hier ist es üblich, sonntags mit der Familie Mittagessen zu gehen. Das schaffen wir allerdings nur ein bis zwei Mal im Monat.

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Kulturschock: Arbeiten in fremden Welten

Foto: Daniel Garofoli

Unser Café liegt direkt neben einem Kulturzentrum, in dem Englisch unterrichtet wird, deswegen sind ein paar Dozenten auf uns aufmerksam geworden, es kamen Freunde und Bekannte von uns vorbei. Wir machten Werbung über Facebook, das hier stark als Marketinginstrument genutzt wird. Inzwischen haben wir sogar schon Stammkunden, einige von ihnen kommen jeden Tag hierher, wie zum Beispiel Señor Raúl, ein älterer Herr, der jeden Morgen zwei Espressi trinkt und seine Zeitung liest.

Ich bin sehr zufrieden und kann mir erst einmal auch nicht vorstellen, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Ende Februar kommt unser Sohn zur Welt und die Schwangerschaft ist für mich bislang die schönste Zeit in Peru. Ich kann mir meine Arbeitszeit recht flexibel einteilen, und das hat es mir ermöglicht, viele Arzttermine wahrzunehmen und regelmäßig zum Yoga- und zum Geburtsvorbereitungskurs zu gehen.

In den zweieinhalb Jahren, in denen ich hier lebe, war ich noch nicht einmal wieder in Deutschland. Die Zeit vergeht so schnell, irgendwie gibt es immer etwas zu tun. Natürlich wäre ich gern an Weihnachten oder zu Geburtstagen in Deutschland, wenn die ganze Familie zusammenkommt, oder auch, wenn es jemandem nicht gutgeht. Aber bislang habe ich es noch nicht geschafft. Dafür haben mich meine Eltern schon besucht.

Die Menschen verdienen hier im Durchschnitt wenige Hundert Euro im Monat. Jeder, der hier nur den Mindestlohn verdient, hat es schwer. Wir gehören zur Mittelschicht, aber ich habe keine Angst, ausgeraubt zu werden. Natürlich würde ich niemals mit wertvollem und auffälligen Schmuck durch die Straßen gehen und meide auch einige Gegenden, wenn es dunkel ist. Aber tagsüber fühle ich mich sehr sicher.

An was ich mich noch gewöhnen muss, ist die Unzuverlässigkeit. Die Leute kommen bei Verabredungen zu spät oder tauchen gar nicht auf. Das kostet viel Zeit. Und auch sonst lassen sich die Menschen hier mehr Zeit für alles. In Deutschland sind wir es gewöhnt, viele Dinge schnell zu erledigen, aber hier ist das anders.

Zum Beispiel wollten wir am Anfang einige Produkte direkt zu uns liefern lassen, wie etwa Milch. Doch das klappte nicht. Dann nahmen wir Kontakt zum Produzenten auf und der Außendienst sollte bei uns vorbeikommen - aber er kam nicht. Erst als wir uns beim Management beschwerten, funktionierte es und wir wurden in die Kundenliste aufgenommen.

Wenn wir mal ausspannen wollen, fahren wir ans Meer. Das ist so zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Da bin ich in Peru am liebsten, aber Arequipa ist auch toll. Eigentlich scheint das ganze Jahr die Sonne und wir haben immer so um die 20 Grad. Das entschädigt ein bisschen dafür, zu Weihnachten nicht in Deutschland zu sein."

Kulturschock
Foto: epa efe Lacerda/ dpa

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