Physiker in der Versicherungsbranche Experten für Risikomanagement

Physiker stehen immer im Labor? Ein Vorurteil: Viele Physik-Absolventen landen mit ihren Fähigkeiten in ganz anderen Arbeitsfeldern - beispielsweise im Versicherungsgeschäft. Denn auch dort sind ihre Kompetenzen gefragt.

Bruce Mars / Unsplash

Wer an Physik denkt, erinnert sich vielleicht an seinen Schulunterricht: Ein weißhaariger Mann im Kittel schreibt mit weißer Kreide unendlich lange Zahlen- und Buchstabenfolgen an die Tafel, die die Schüler murrend abschreiben. Einen Sinn scheinen die Formeln nicht zu ergeben und besonders glücklich wirkt auch der Lehrkörper nicht. Doch Physiker können weit mehr als das.

Gerade im Versicherungsumfeld sind sie im Risikomanagement unverzichtbar. "Wir entwickeln ein Modell, das es der Versicherung ermöglicht herauszufinden, wie viel Risikokapital sie zurücklegen muss", erzählt Josephine Wegener. Die 29-Jährige arbeitet seit zwei Monaten bei HDI. "Bei uns versichern zum Beispiel Industrieunternehmen ihren Besitz unter anderem gegen Brandschäden. Sie zahlen einen Jahresbeitrag, den die Versicherung einnimmt. Dafür decken wir im Schadensfall die entstandenen Kosten ab."

Entscheidend für die Kalkulation

Ihr Kollege Adrian Schneider, 27 und ebenfalls Physiker, fügt hinzu: "Mit unserem Modell berechnen wir, wie stark der Schaden von einer erwarteten Höhe rechnerisch abweichen kann. Das tun wir natürlich nicht nur bei dem einen Unternehmen, sondern für all unsere Versicherten." Durch Wegener, Schneider und deren Kollegen weiß die Versicherung, wie sie das vorhandene Kapital verteilen muss, um unter Kenntnis aller Risiken wirtschaften zu können.

Risikomanagement kann aber auch andere Ausprägungen haben. Christoph Lauterwasser, Chef des Allianz-Zentrums für Technik, beschäftigt sich mit der Frage, wie man den Verkehr sicherer machen kann. Er und seine Kollegen untersuchten jüngst die Sicherheit von Fußgängern - mit erschreckendem Ergebnis.

Jeder fünfte der insgesamt 5320 Verkehrstoten in Europa ist ein Fußgänger. "Wir haben untersucht, in welchem Kontext die Unfälle entstehen und können daraus ableiten, wie sie vermeidbar sind", sagt Lauterwasser, "etwa ein Viertel der Unfälle, bei denen ein Fußgänger verunglückt, entsteht beim Rückwärtsfahren. Wir untersuchen, wie Sicherheitssysteme der Fahrzeuge weiterentwickelt werden müssen. Dazu analysieren wir reale Fälle im Detail und testen zum Beispiel die Wirkung von Notbremssystemen, um Unfälle künftig vermeiden zu können."

"Abstrahieren, modellieren, strukturieren"

Aber auch im Kontext der Spracherkennung können Physiker eingesetzt werden. So wie Jessica Simon. Die 32-Jährige arbeitet als Data Scientist bei AXA Deutschland in Köln: "Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich", erzählt sie. "Zuerst muss ich die zu analysierenden Daten aufbereiten, um sie systematisch auswerten zu können. In weiteren Schritten baue ich Vorhersagemodelle, basierend auf Machine-Learning-Algorithmen, die ich mit statischen Tests evaluiere. Wenn diese Modelle später produktiv von anderen Personen genutzt werden sollen, fällt zusätzlich auch die Entwicklung von Software in mein Aufgabengebiet."

Über spezifisches Fachwissen hinaus erwerben Physiker an der Uni viele Fähigkeiten, die sie im Arbeitsleben anwenden können: "Im Physikstudium lernt man zu abstrahieren, zu modellieren und zu strukturieren", sagt Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURG Versicherungsgruppe und ebenfalls Physiker. "Diese Eigenschaften helfen in der täglichen Arbeit eines Versicherers ungemein. Viele entscheidende Bereiche, zum Beispiel die Versicherungsmathematik, haben viele Berührungspunkte mit meinem Studium."

Seit 2017 ist Jörg Rheinländer verantwortlich für die Ressorts Autoversicherung sowie Haftpflicht-, Unfall- und Sachversicherungen. "Mit der Ausweitung auf neue, digitale Geschäftsfelder bietet die Versicherungswirtschaft immer mehr Tätigkeiten, bei denen man Physikers gut einsetzen kann. Zum Beispiel neue Versicherungsansätze wie Telematik, künstliche Intelligenz und Big Data. Und hier bietet die Assekuranz alles andere als langweilige Jobs. Wer in die Versicherungswirtschaft möchte, dem rate ich, frühzeitig Kontakt mit einem innovativen Versicherer aufzunehmen. Mit einer Ausbildung als Physiker stehen die Chancen gut."

Dem stimmt auch Anne Kühne zu, die bei der Ergo Group AG unter anderem für die Bilanzberechnung zuständig ist: "Gefragt sind analytische Fähigkeiten und Social Skills wie Teamwork, Flexibilität und Sprachkenntnisse." Ihre Kollegin Anne Apel, Bereichsleiterin in der Schaden- und Unfallversicherung, fügt hinzu: "Als Physiker ist man mit der Fähigkeit, komplexe Fragestellungen zu bearbeiten, flexibel einsetzbar. Ich arbeite international mit verschiedenen Bereichen zusammen. Verhandlungssicheres Englisch und die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Menschen zusammen zu arbeiten, sind dabei sehr wichtig."

Beide Frauen empfehlen jungen Physikern, auf Jobmessen zu gehen, um die Unternehmen kennenzulernen: "Hier könnt ihr euch am besten ein Bild davon machen, ob das Unternehmen und die Aufgaben zu euch passt und euren Erwartungen entsprechen."

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