Playmobil-Hersteller gegen Betriebsrat Hitzepausen landen vor dem Arbeitsgericht

Haben Playmobil-Mitarbeiter an extrem heißen Tagen unerlaubt die Arbeit niedergelegt? Und wurden sie dazu von Gewerkschaftern angestachelt? Darüber streiten Firma und Betriebsrat vor dem Arbeitsgericht.

Playmobil-Figuren
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Zoff in Zirndorf: Beim Playmobil-Hersteller Geobra Brandstätter streiten sich Unternehmen und Betriebsrat um Hitzepausen. Das fränkische Unternehmen wirft acht Betriebsräten und IG-Metall-Mitgliedern vor, im Sommer wegen der extremen Hitze eigenmächtig zu zehnminütigen Arbeitspausen aufgerufen zu haben.

Das sei eine grobe Pflichtverletzung, argumentierte die Firma am Montag vor dem Nürnberger Arbeitsgericht. Geobra Brandstätter will, dass die acht Gewerkschafter deshalb aus dem Betriebsrat ausgeschlossen werden. Der Versuch des Richters, die Parteien zu einer außergerichtlichen Einigung zu bringen, scheiterte jedoch. So blieb umstritten, ob es - wie von der Firma behauptet - überhaupt zu Arbeitsunterbrechungen gekommen war.

Was Unternehmen tun müssen

Arbeitsrechtler müssen sich immer mal wieder mit den Regelungen bei besonders hohen Temperaturen beschäftigen. So hatten Berliner Behörden in diesem Sommer den Mitarbeitern früher freigegeben, diese Regelung dann aber wieder einkassiert. Grundsätzlich gilt: Ein Recht auf Hitzefrei gibt es für Arbeitnehmer nicht. Nach der Arbeitsstättenregelung soll die Temperatur in Arbeitsräumen grundsätzlich aber nicht über 26 Grad Celsius liegen. Allerdings müssen Beschäftigte auch bei 35 Grad und mehr arbeiten - der Arbeitgeber muss dann allerdings Schutzmaßnahmen ergreifen.

Ausgenommen sind Schwangere und Mitarbeiter, die mit einem Attest belegen können, dass sie ab bestimmten Temperaturen gesundheitliche Probleme bekommen. Sie dürfen vom Arbeitgeber eine bestimmte Raumtemperatur einfordern. Falls der Chef oder die Chefin nicht für Kühlung sorgen kann, gibt es für sie Hitzefrei.

Ein Playmobil-Sprecher hatte betont, das Zirndorfer Unternehmen habe von sich aus wegen der Hitze zahlreiche Maßnahmen ergriffen. So seien die Lüftungssysteme verändert und Wasserspender aufgestellt worden. Aus Sicht der Gewerkschafter reichte das an den heißen Tagen im Juli und August aber nicht aus. Beide Seiten müssen ihre Argumente jetzt noch einmal schriftlich darlegen, der nächste Verhandlungstermin wurde für Ende Januar anberaumt.

Streit mit Vorgeschichte

Der Knatsch zwischen Geobra Brandstätter und der IG Metall hat Tradition, in den vergangenen Jahren hatte es bereits mehrfach Auseinandersetzungen gegeben. Die Gewerkschaft forderte etwa jahrelang vergeblich einen Tarifvertrag. Weil das Unternehmen überwiegend Kunststoff und kaum Metall verarbeitet, lehnte die Firmenspitze Verhandlungen mit der Metallgewerkschaft lange ab.

Dann trat Geobra Brandstätter in den Verband der Kunststoff verarbeitenden Industrie Bayern ein. Anfang 2017 handelte die IG Metall schließlich mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) einen Tarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband aus. Im Jahr 2016 hatten außerdem Auseinandersetzungen über die Betriebsratswahlen dem Unternehmen Negativschlagzeilen beschert.

him/dpa

insgesamt 29 Beiträge
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sebko 17.09.2018
1. Nicht korrekt recherchiert
Ab einer Temperatur von über 35 Grad, ist ein Arbeitsraum nicht mehr als solcher geeignet. Der Arbeitgeber muss schon ab 30 Grad "Maßnahmen ergreifen"!
Bin_der_Neue 17.09.2018
2. Interessant wäre..
..wie Horst Brandstätter die Situation zu seinen Lebzeiten gelöst hätte. Was hier nun passiert, wäre gewiss nicht in seinem Sinne gewesen.
Pela1961 17.09.2018
3. Und dann gäbe es noch
den rein menschenfreundlichen Aspekt. Auch ein Arbeitgeber könnte ja vielleicht mal einsehen, dass bei bestimmten Temperaturen kurze Erholungspausen einfach nur nett sind. Vielleicht nicht dringend vorgeschrieben, sondern einfach nur menschlich. Aber das ist wohl Träumerei. Ich wünsche solchen Arbeitgebern von Herzen, dass aufgrund der Temperaturen die Konzentration so nachließ, dass mehr Ausschuß als sonst produziert wurde.
foamberg 17.09.2018
4. playmobil
war ja schon in meiner jugend eine asoziale, müll produzierende dreckschleuder! dass sie auch bei den produktionsbedingungen asozial sind hätte ich nie bezweifelt! das traurige ist, wir reden, wenn wir über ausbeutung reden immer von bangladesch oder china - und nie von deutschland! ein großer fehler weil nicht den tatsachen entsprechend...! ;-)
user124816 17.09.2018
5. Einfach weiter arbeiten
…und wenn es gesundheitliche Probleme gibt, Kreislaufkollaps z.b., den Arbeitgeber wegen Körperverletzung anzeigen. Nur mal so Interesse halber… Wie viel Liter vom angebotenen Wasser muss man eigentlich trinken um die Auswirkungen von 35°C auszugleichen? Reichen 4 Liter? Oder doch besser 5-6?
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