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Coaching für Manager "Poker lehrt Mut und Demut"

Wer gut pokern kann, hat's im Beruf leichter. Davon ist Profipoker Stephan Kalhamer überzeugt. Im Interview erzählt er, was Führungskräfte aus dem Spiel lernen können.
Pokerchips auf Computertastatur

Pokerchips auf Computertastatur

Foto: Carla Schaffer/ AAAS
Zur Person

Stephan Kalhamer ist studierter Mathematiker und arbeitet als Poker-Coach, Redner und Autor. Er betreibt die Live-Poker-Schule Gaming Institute  und ist Präsident des Deutschen Poker Sportbunds.

Frage: Herr Kalhamer, Sie coachen Führungskräfte am Pokertisch. Was soll das bringen?

Kalhamer: Beim Pokern ist man ständig in einer Extremsituation, die dazu führt, dass der Charakter sich sehr deutlich zeigt. Ungeduldige werden noch rastloser, Ängstliche noch defensiver, dominante Menschen besonders pushy. Diese Typisierungen sind ein wichtiges Thema in meinen Workshops für Manager. Wenn ich etwas über das Spielerprofil sage, fühlen sich die Leute nicht als Person angegriffen und wir können offen darüber reden.

Frage: Was hilft es mir, zu wissen, welcher Spielertyp ich bin?

Kalhamer: Man lernt, sich bewusst wahrzunehmen. Zum Beispiel in Verhandlungen: Wenn Sie ein weicher Typ sind, können Sie Ihre Position nach eigenem Empfinden ganz hart vortragen, für Ihr Gegenüber wird es immer noch weich genug sein.

Frage: Kann man das nicht der Situation anpassen?

Kalhamer: Es funktioniert nicht alles bei jedem. Mein Lächeln wird ganz anders wirken als Ihres. Man sollte weder denken, man könne jede Rolle der Welt einnehmen, noch sich selbst unnötig limitieren. Welche Karten Sie bekommen, das ist Schicksal, aber ob Sie innerhalb Ihres eigenen Handlungshorizonts das Beste abrufen können, das ist trainierbar.

Frage: Verdirbt Pokern nicht den Charakter, wenn man die Spielprinzipien mit ins Arbeitsleben nimmt? Sollten manche Führungskräfte nicht lieber einen Ethikkursus besuchen?

Kalhamer: Ich liebe das Spiel, und trotzdem habe ich nie versucht, allein Spieler zu sein. Ich habe das immer mit anderen Tätigkeiten wie dem Coaching und dem Bücherschreiben ausbalanciert. Denn es stimmt schon: Poker ist pures Gegeneinander. Es ist radikal. Man will immer allen Mitspielern alles wegnehmen. Als Mensch möchte ich niemals allein danach leben.

Frage: Schließen Poker und Moral einander aus?

Kalhamer: Spitzenspieler haben meist extrem hohe moralische Werte. Auch mir hat Poker moralisch viel gebracht. Denn beim Pokern hat man viel Zeit - man beobachtet, trifft alle zwei Minuten Entscheidungen, beobachtet wieder. Am Tisch entwickelt man daraus dann böse Manöver. Das heißt aber auch: Ich kenne das Negativ so gut, dass ich es im zivilen Leben leicht in etwas Positives umwandeln kann. Ich weiß, wie die Leute ticken, was sie verschreckt - und daher weiß ich auch, was ihnen guttut.

Frage: Wie hilft Poker im Alltag?

Kalhamer: Poker lehrt Verantwortung und vor allem einen Mix aus Mut und Demut, aus Aggressivität und Zurückhaltung, großen und kleinen Einsätzen, Aktivität und Passivität. Es gibt immer ein Zuviel und ein Zuwenig. Wer das verinnerlicht, kann frei, aber verantwortungsbewusst entscheiden. Die meisten Leute gehen aber einen Weg, den sie einmal gefunden haben, und gehen ihn immer wieder. Sie beschränken sich selbst.