Fachkräftemangel Polen befreit junge Arbeitnehmer von Einkommensteuer

Viele junge Polen wandern ins europäische Ausland ab. Bisher warb die polnische Regierung deshalb um Fachkräfte aus dem Ausland - nun setzt sie verstärkt auch auf die eigenen Leute.

YASUYOSHI CHIBA/ AFP

Die meisten polnischen Arbeitnehmer unter 26 Jahren sollen keine Einkommensteuer mehr zahlen müssen. Das entschied das Unterhaus des polnischen Parlaments mit großer Mehrheit. Damit reagiert die polnische Regierung auf den Wegzug junger Arbeitnehmer in EU-Staaten mit besser bezahlten Jobs.

Bis zu zwei Millionen junge Menschen könnten nach offiziellen Angaben vom 1. August an von der Steuerbefreiung profitieren. Arbeitnehmern mit einem Jahreseinkommen von maximal 85.500 Zlotys (rund 20.000 Euro) wird dann die Einkommensteuer von derzeit 18 Prozent erlassen. Durchschnittlich verdienen Arbeitnehmer in Polen jährlich rund 60.000 Zlotys vor Steuern.

Die regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hatte den Vorschlag eingebracht, um eines ihrer Wahlversprechen aus dem Europawahlkampf zu erfüllen. Nach dem Unterhaus muss nun auch noch das Oberhaus zustimmen. Dies gilt genau wie die Unterzeichnung durch den Präsidenten Andrzej Duda als Formsache.

Der anhaltende Wegzug gut ausgebildeter Arbeitnehmer in die EU-Nachbarländer stellt Polen vor große Herausforderungen. Dem Land fehlen Arbeitskräfte, um das seit Jahren andauernde Wirtschaftswachstum aufrechterhalten zu können. Auch in anderen Staaten Ost- und Südosteuropas nehmen Arbeitskräftemangel und Bevölkerungsschwund immer dramatischere Formen an.

In der Vergangenheit hatte Polen deshalb bereits um Arbeitskräfte aus den Philippinen geworben. Bereits jetzt leben in Polen 1,5 Millionen Ukrainer, die den Mangel an Facharbeitern ausgleichen sollen. Nur eins schließt Polen aus: Arbeitnehmer aus muslimisch geprägten Ländern anzuwerben.

lmd/AFP



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