Urteil des Landesarbeitsgerichts Berliner Polizei darf Bewerber mit Mafia-Tattoo ablehnen

Tätowierungen von Polizeibewerbern sorgten schon häufig für Diskussionen. Ein Berliner Gericht entschied nun: Wer einen Mafiabegriff unter der Haut trägt, darf abgelehnt werden.

Immer wieder Streitfrage vor Gericht: Tätowierungen bei Polizeibeamten (Symbolfoto aus Sachsen, nicht aus Berlin)
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Immer wieder Streitfrage vor Gericht: Tätowierungen bei Polizeibeamten (Symbolfoto aus Sachsen, nicht aus Berlin)


Die Berliner Polizei darf Bewerber ablehnen, die sichtbare Tätowierungen mit Mafiabegriffen tragen. Das entschied das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg am Dienstag. Eine solche Tätowierung könne Zweifel an der Verfassungstreue des Bewerbers wecken, begründeten die Richter das Urteil.

Im konkreten Fall hatte sich der Kläger erfolglos um eine ausgeschriebene Stelle im Objektschutz der Berliner Polizei beworben. Das Land Berlin hatte den Mann abgelehnt, weil er das Wort omertá sowie Revolverpatronen und Totenköpfe auf dem Arm tätowiert trägt. Der Begriff Omertá bezeichnet die Schweigepflicht bei der Mafia und anderen kriminellen Organisationen.

Ob der Bewerber tatsächlich verfassungstreu ist, sei nicht entscheidend, so das Landesarbeitsgericht. Stattdessen komme es auf die Sicht des Betrachters an. Der Kläger muss für die Kosten des Gerichtsverfahren aufkommen und kann das Urteil nicht anfechten.

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In vorherigen Fällen hatten Gerichte mehrfach die Ablehnung von Polizeibewerbern wegen bestimmter Tätowierungen für zulässig erklärt. So entschied etwa das Arbeitsgericht Berlin im April 2018, dass das Tattoo einer barbusigen Göttin Diana als sexistisch wahrgenommen werden könne und daher zum Ausschluss aus dem Bewerbungsverfahren führen darf.

Geht es dagegen nur um die ästhetische Beurteilung von Tattoos, darf sich die Polizeiführung kein Urteil erlauben - das hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zuletzt entschieden. Große Tätowierungen mit Frauenschädeln dürfen demnach für einen Polizeibewerber in Berlin keinen Nachteil darstellen.

jkl/jur

insgesamt 9 Beiträge
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Leser_01 14.05.2019
1.
Im "Handbuch für Untersuchungsrichter" von Hans Gross aus dem Jahre 1893 wurden Tattoos noch ein sicheres Indiz für Kriminelle aufgelistet.
dasfred 14.05.2019
2. Zeitgemäß
Tätowierungen an sich zu dulden, weil immer mehr Menschen dieser Altersgruppe tätowiert sind finde ich ok. Gleichzeitig wird durch das Gericht aber auch bestätigt, dass Körperschmuck, der über das rein Dekorative hinausgeht, nicht geduldet werden muss. Botschaften, die nicht mit dem Beruf vereinbar sind, gehören nicht auf sichtbare Körperstellen. Statt eines Prozesses hätte ich dem Bewerber eine Laserbehandlung oder ein Cover Up empfohlen. Mit dem Prozess hat er sich eher selbst geschadet.
MisterD 14.05.2019
3. Ja Zeiten ändern sich...
allerdings wird mir bei der Polizei mitunter zu tolerant mit Tattoos umgegangen. Man kann es sich oft gar nicht ausdenken, wie blöd das Leben manchmal spielt. Und so kann es dann heute schon passieren, dass ein Polizist vor der Tür steht, die Mütze in der Hand und auf dem Unterarm lacht ein Totenkopf. Das wird der Empfänger der Todesnachricht wenig witzig finden... Die Polizei soll ein Spiegel der Gesellschaft sein, das ist mir auch klar. Und wer tätowiert ist, kommt vermutlich auch in gewissen Gesellschaftsschichten besser rüber bzw. hat mehr Respekt, als ein dürrer blasser Junge. Aber es muss eine ganz eindeutige Linie geben, ab der Tattoos nicht mehr gehen. Und da muss es im Zweifelsfall auch heißen, den Bewerber lieber abzulehnen, als die Unschuldsvermutung gelten zu lassen, dass das Tattoo schon nix böses bedeutet... Wer trotzdem zur Polizei will, muss sich das dann eben entfernen lassen. Ein Richter darf auch im Sommer nicht in kurzen Hosen und Feinripp-Unterhemd in die Verhandlung gehen, auch bei 40°C im Schatten alle so rumlaufen...
hegoat 14.05.2019
4.
Dass sowas überhaupt gerichtlich festgestellt werden muss. Demnächst kommen noch Bewerber mit "88" auf dem Hinterkopf oder "Antifaschista" auf dem Unterarm.
Hans-Dampf 15.05.2019
5.
Jeder kann ja in seiner Freizeit machen, was er will (Konvention: es gilt bei der männlichen Schreibweise auch weiblich und divers). Für u. a. den Polizeidienst ist eine Uniformiertheit angesagt und das sollten Bewerber wissen, wenn sie sich über den Beruf erkundigen. Als Polizist kann man sich nicht von der Gesellschaft distanzieren und im Dienst seinen privaten Vorlieben nachgehen. Daher lehne ich sichtbare Tattoos bei Polizisten komplett ab. Piercings kann man i. d. R. für den Dienst entfernen, aber ein Tattoo bleibt auch dann sichtbar. Ich staunte nicht schlecht, als ich einen Polizisten vor dem Kölner Hauptbahnhof sah, der am Unterarm ein Che Guevara Tattoo trug. Was er damit wohl aussagen wollte...
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