Karriere bei Porsche "Mit mir wird es keine Frauenquote geben"

Wo findet Porsche seinen Management-Nachwuchs? Im Interview erklärt Matthias Müller, der Chef des Autobauers, wie wichtig das Gespür der Vorstände für Talente ist. Und welche Probleme Kollegen haben, die lange im Ausland arbeiten.

Informatiker am Steuer: Matthias Müller ist Chef von Porsche

Informatiker am Steuer: Matthias Müller ist Chef von Porsche

Ein Interview von Kristian Klooß


KarriereSPIEGEL: Herr Müller, wenn Sie Mitarbeiter suchen, melden sich bestimmt viele Bewerber mit Benzin im Blut. Aber passt das noch in die Zeit?

Müller: Benzin im Blut ist der emotionale Faktor. Aber um bei Porsche zu arbeiten, reicht es natürlich nicht, nur mal Porsche fahren zu wollen. Da spielen schon ein paar andere Kriterien eine Rolle: Fach- und Sachkompetenz auf der einen Seite, ein hohes Maß an gesellschaftlicher Kompetenz auf der anderen. Letzteres ist bei Porsche so wichtig, weil wir als vergleichsweise kleines Unternehmen stark von unserer Tradition und Unternehmenskultur geprägt sind.

KarriereSPIEGEL: Fachkompetenz wird künftig auch bei der Entwicklung von Hybridantrieben und der Batterietechnik gebraucht. Finden Sie dafür genügend geeignete Mitarbeiter?

Zur Person
    Matthias Müller (Jahrgang 1953) wurde 2010 Chef des Sportwagenbauers Porsche, der zu Volkswagen gehört. Bei der Konzernmarke Audi hat Müller Werkzeugmacher gelernt und bald danach Informatik studiert.
Müller: Wir haben im vergangenen Jahr rund 56.000 Bewerbungen bekommen, doch im letzten Jahrzehnt sind in Deutschland die Ausbildungszweige der MINT-Fächer verkümmert...

KarriereSPIEGEL: ...also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Müller: Bei der Batterietechnologie im Speziellen gibt es in ganz Deutschland nur eine Handvoll Lehrstühle. Die Entwicklung von Batteriezellen findet überwiegend im Ausland statt. Dennoch haben wir die Leute, die wir brauchen, bislang immer gefunden. Neben einigen Hochschulkooperationen arbeiten wir auch eng mit Lieferanten zusammen.

KarriereSPIEGEL: Sie haben selbst Informatik studiert. Ist die Bewerbersituation in diesem Fachgebiet entspannter?

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Müller: Ja, da ist es ein bisschen einfacher. 1974 habe ich das Studium begonnen, seit Anfang der Siebziger gibt es erst Informatiklehrstühle. Das Thema wurde in Deutschland seither stark gefördert. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen der konventionellen Informationsverarbeitung im betriebswirtschaftlichen Sinne und der Vernetzung von Daten im Auto und auch zwischen Fahrzeugen. Hier gilt ebenfalls: Wir haben bislang die Mitarbeiter gefunden, die wir brauchen.

KarriereSPIEGEL: Sie sagten einmal, dass Ihr Vater Ihnen einst zu einer Ausbildung geraten habe, woraufhin Sie in die Werkzeugmacherlehre gegangen seien. Heute lautet der Standardweg zur Managementkarriere: Top-Studium, Top-Praktika, Direkteinstieg. Was spricht da noch für eine Lehre?

Müller: Es hat mir bestimmt nicht geschadet, dass ich das Arbeiten mit Werkzeugen gelernt habe, mir die Finger dreckig gemacht habe, Schicht gearbeitet habe und immer auch mit einfachen Leuten zu tun hatte. Bei Lebensläufen, wie Sie sie gerade geschildert haben, fehlt eben meistens so ein Baustein.

KarriereSPIEGEL: Woran erkennen Sie Talente?

Müller: Neben allen Auswahlverfahren entwickelt man mit fast 40 Jahren Berufserfahrung ein Gespür für Leistungsträger. Da spielt dann auch das Unterbewusste rein. Man erlebt Menschen in Besprechungen oder Projektgruppen und ertappt sich dabei, dass man denkt: Da scheint jemand was drauf zu haben. Auch Vorstände liegen nie zu 100 Prozent richtig, aber zu 80 Prozent ist man da schon auf der richtigen Fährte.

KarriereSPIEGEL: In Konzernen kommt es oft vor, dass sich für ausgeschriebene Auslandsstellen keine Bewerber finden. Wie ist das bei Porsche?

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Müller: Wir haben da kein Problem. Schwierig ist ja auch eher die Rückkehr: In der Regel wollen die Leute nach drei oder fünf Jahren gerne wiederkommen. Doch mancher findet sich in der Heimat nicht mehr gut zurecht, wird nicht richtig gemanagt oder stellt fest, dass die Leute, die in Deutschland bleiben, teils schneller Karriere gemacht haben. Das sind Defizite, die wir zu beseitigen versuchen.

KarriereSPIEGEL: Wie gehen Sie das Problem an?

Müller: Wir halten sehr engen Kontakt. Denn wenn der Kontakt mit den Mitarbeitern im Auslandseinsatz verlorengeht, kann es schwierig werden. Deshalb holen wir die Leute immer wieder mal in die Zentrale - und wir besuchen sie. Wenn es um die Karriere geht, ist so ein Auslandsbaustein bei Porsche nicht zwingende Voraussetzung, aber doch ein Bonuspunkt, der im Zweifelsfall für diese Kandidaten spricht.

KarriereSPIEGEL: Wie viele Top-Talente stammen inzwischen aus dem Ausland?

Müller: Bei der Besetzung wichtiger Managementpositionen unserer ausländischen Tochtergesellschaften, zum Beispiel, setzen wir sehr stark auf lokale Kompetenz.

KarriereSPIEGEL: Eine Frauenquote steht für Sie aber nicht zur Diskussion?

Müller: Es gibt keine, und mit mir wird es keine geben. Porsche braucht sie nicht, weil wir eine entsprechende Einstellung haben. Bei uns werden Frauen auf allen Ebenen gefördert. Man kann das nicht an Aufsichtsrätinnen oder an Vorstandsfrauen festmachen.

KarriereSPIEGEL: Warum nicht?

Müller: Die Entwicklung geht nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben. Es ist doch eine demografische Aufgabe: Je mehr Frauen zum Beispiel MINT-Fächer studieren, desto häufiger werden sie die oberen Stufen der Karriereleiter erreichen. Gerade im mittleren Management sind wir da gut aufgestellt.

KarriereSPIEGEL: Wenn wir schon bei Quoten sind: Wie hoch ist denn die Quote der Porsche-Fahrer unter Ihren Mitarbeitern?

Müller: (Lacht.) Oh je, das kann ich nicht beantworten. Ich weiß es nicht, aber die Quote wird nicht so hoch sein. Was interessant ist: Viele Mitarbeiter kaufen und restaurieren ältere Modelle.

insgesamt 105 Beiträge
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Seite 1
wandfarbe 24.01.2014
1.
Richtig so! Warum sollte ein privater Konzern Menschen nach anderen Kriterien als ihrer Leistung nach auswählen?
felisconcolor 24.01.2014
2. interessantes
und erfrischend ehrliches Interview. Es ist erstaunlich das ich sowas des öfteren von Porsche gewohnt bin. Im Gegensatz zu anderen Managern
Randgruppe 24.01.2014
3. Bei mir gibts die Frauenquote
Zitat von felisconcolorund erfrischend ehrliches Interview. Es ist erstaunlich das ich sowas des öfteren von Porsche gewohnt bin. Im Gegensatz zu anderen Managern
Allerdings habe ich die Quote nur innerhalb der Familie durchgesetzt, sprich die Positionen Ehefrau und Tochter mit Frauen besetzt. Sonst gehts bei mir nach der Leistung: die Waschmaschine, der Fernseher, das Auto. Ansonsten hatte ich nie einen Porsche, werde nie einen besitzen und finde die Firma trotzdem sehr gut. Dort ziehen Alle an einem Strang und der Erfolg zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Mit Hungerlöhnen ist die FA auch noch nicht aufgefallen und wenn ich das passende Alter und die gesuchte Qualifikation hätte... Aber nur in Leipzig. BaWü ist mir zu kompliziert.
schwarzwälderin_ 24.01.2014
4. Eine sehr konservative...
Einstellung und ein Führungskonzept von vorgestern, nicht nur zur Förderung von Frauen, sondern auch in allen anderen Punkten. Genauso haben Interviews mit anderen Vorständen vor 20 Jahren ausgesehen. Porsche profitiert von Fachkräften, die es aufgrund der Produkte in die Firma zieht. Wir werden in der Zukunft sehen, ob das reicht.
SchneiderG 24.01.2014
5.
Zitat von sysopWo findet Porsche seinen Management-Nachwuchs? Im Interview erklärt Matthias Müller, der Chef des Autobauers, wie wichtig das Gespür der Vorstände für Talente ist. Und welche Probleme Kollegen haben, die lange im Ausland arbeiten. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/porsche-chef-mueller-mit-mir-wird-es-keine-frauenquote-geben-a-945165.html
Etwas irritiert mich in seinem Lebenslauf: 1953 Juni, geboren 1974 Studium beginn 13 Jahre bis zum Abitur 3 Jahre Lehre mit Lehrzeitverkürzung, normal sind 3,5 Jahre ?? Jahre gearbeitet u.a. in der Schicht ?? Bundeswehr ? (vermutlich nicht) Irgendwie fehlen mir da 2-3 Jahre, da ich davon ausgehe, er ist nicht 3 oder 4 zur Schule gekommen.
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