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Praktikantenspiegel 2014: Zufrieden mit dem Dauerpraktikum

Foto: Corbis

Umfrage Zufrieden mit dem Dauerpraktikum

Praktikanten als mies bezahlte Selbstausbeuter? Das war einmal. "Zufrieden und mobil" sei die neue Generation Praktikum, hat eine Befragung von mehr als 7000 Akademikern ergeben. Wer genauer hinsieht, entdeckt einen ganz anderen Trend: Dauerpraktika.

Perspektivlos, ausgebeutet, frustriert - so kennt man die Generation Praktikum. Das Schlagwort stammt aus dem Jahr 2005, seither hat sich viel getan. Oder doch nicht? Das wollten die Beratungsfirma Clevis und die Online-Jobbörse Absolventa herausfinden. Sie befragten 7500 Praktikanten, von denen drei Viertel noch studieren, zu ihren Arbeitsbedingungen. Allerdings ist die Auswahl der Befragten alles andere als repräsentativ: Befragt wurden vor allem Praktikanten aus Automobil- und Handelskonzernen.

Die recht spezielle Wahl der Befragten erklärt wohl auch die auf den ersten Blick überraschenden Ergebnisse: Etwas mehr als 7000 Praktikanten sagten, sie hätten für ihre Arbeit Geld bekommen - und zwar im Schnitt 736 Euro im Monat. 83 Prozent der Befragten waren zufrieden mit ihrem Praktikum. Der Bewerbungsprozess sei "professionell" gewesen, der Ablauf "strukturiert".

Ist das Praktikanten-Prekariat also ausgestorben, der von der SPD geforderte Mindestlohn für Praktikanten überflüssig? Wer sich die Daten näher ansieht, kann sie auch anders interpretieren: als Trend zum Dauerpraktikum.

Jeder zweite Befragte sagte, sein Praktikum habe sechs Monate oder länger gedauert. Nur drei Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, ein Praktikum von einem Monat gemacht zu haben. Neun Prozent der Befragten nannten zwei Monate, 15 Prozent drei Monate als Praktikumsdauer.

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Der Duden definiert ein Praktikum als eine "im Rahmen einer Ausbildung außerhalb der (Hoch)schule abzuleistende praktische Tätigkeit". Doch wo endet das Praktikum, und wo beginnt die Ausbeutung?

Mit einem Schnupperausflug in den Semesterferien hat ein sechsmonatiges Praktikum in der Regel wenig zu tun. Man muss ein Urlaubssemester einlegen, seine Nebenjobs aufgeben. Man wird eingearbeitet, übernimmt Verantwortung. Und jeder zweite Befragte sagt, er habe für das Praktikum sogar den Wohnort gewechselt. Bei einer Einsatzdauer von mindestens sechs Monaten heißt das: Sachen packen, Wohnung suchen.

Ein Monatsgehalt von 736 Euro erscheint da nicht mehr besonders üppig. Zumal sich diese Summe quer durch alle Branchen errechnet - und Praktikanten aus Konzernen in der Umfrage überproportional vertreten sind. "Wir bilden sicherlich nicht die gesamte Arbeitswelt ab", räumt Studienleiter Jan Zimmermann vom Beratungsunternehmen Clevis ein.

Nur jeder zehnte Praktikant kriegt einen Job

22 Prozent der Studienteilnehmer hatten ein Praktikum in der Automobilindustrie gemacht, 19 Prozent im Groß- oder Einzelhandel, wozu auch Unternehmen wie Henkel oder Beiersdorf gezählt wurden. Knapp zehn Prozent der Befragten hatten ein Praktikum in der IT-Branche absolviert. Aus der Branche Medien/Marketing kamen knapp sieben Prozent der Befragten, aus der Branche Tourismus/Gastronomie/Events nur drei Prozent.

Eine Auswertung der Einträge der Nutzer von meinpraktikum.de aus dem Jahr 2011 hatte als Ausbeuterbranchen Gesundheit, Öffentlicher Dienst und Bildung identifiziert, hier arbeiteten jeweils 80 Prozent der Befragten ohne Bezahlung. In der Studie von Clevis und Absolventa kommen nur 217 Befragte aus "Verwaltung/Forschung/Lehre/Öffentlicher Dienst". Ihr Monatsverdienst liegt im Schnitt laut Studie bei rund 500 Euro. Die bestbezahlten Praktikanten arbeiten demnach in "Beratungen, Vermittlungen, Marktforschungsinstituten und Rechtsberatungen". Hier gab es im Schnitt 935 Euro im Monat.

Trotz Langzeiteinsatz sprang nur für knapp jeden zehnten Praktikanten ein Job heraus. Mehr als 20 Prozent der Befragten sagten, sie hätten keinen Kontakt mehr zur Firma. Die anderen hielten noch mit den Kollegen Verbindung. Alumni-Netzwerke oder Förderprogramme spielten so gut wie keine Rolle.

Fünf Prozent der Teilnehmer wurden von den Studienleitern als "High Potentials" definiert. Sie hatten im Fragebogen zum Beispiel angegeben, später eine Führungsposition anzustreben, sich selbst zu den besten Zehn ihres Jahrgangs zu zählen oder schon mal ein Stipendium bekommen zu haben. Auch diese Befragten gaben an, während des Praktikums in erster Linie private Netzwerke aufgebaut zu haben. Hier gebe es "starkes Verbesserungspotential", so die Studienleiter.

Der Link zu der Online-Umfrage wurde auf mehreren Wegen verteilt: Über einen Newsletter wurde er an Nutzer der Jobbörse Absolventa verschickt, außerdem wurden einzelne Konzerne gebeten, ihre ehemaligen Praktikanten auf die Umfrage hinzuweisen. In manchen Firmen machten bis zu 300 Leute mit, in anderen weniger als ein Dutzend.

vet
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