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Job & Karriere

Profi-Fußballerinnen Und was machen Sie so beruflich?

Für Deutschlands Nationalspielerinnen ist Fußball längst mehr als ein Hobby. Trotzdem haben fast alle eine Ausbildung, einen Zweitberuf, oft auch einen Plan B für später. Guck mal, wer da kickt: 22 Steckbriefe von Bundeswehr bis Physiotherapie, von der Stadtkämmerin bis zur Fleischereifachverkäuferin.
Nadine Angerer (links) mit Birgit Prinz

Nadine Angerer (links) mit Birgit Prinz

Foto: MARCUS BRANDT/ AFP

Nadine Angerer (Jahrgang 1978), Torfrau, Rückennummer 1

Verein: 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Ihre Bilanz bei der WM 2007 war verblüffend makellos - als die deutschen Frauen den Titel holten, ließ Nadine Angerer keinen einzigen Treffer zu. Ein Rekord, das gelang weiblichen wie männlichen WM-Torhütern nie zuvor. Im Finale hielt "Natze", so ihr Spitzname, auch einen Elfmeter von Brasiliens Star Marta. Bei Olympia in China 2008 kassierte sie im Halbfinale gegen Brasilien dann gleich vier Treffer, hielt aber in allen anderen Spielen den Kasten einschlagfrei.

"Für mich ist jedes Gegentor eine persönliche Niederlage", sagte sie jüngst der "Süddeutschen Zeitung". Die Doppel-Weltmeisterin und vierfache Europameisterin, die sich einst per Los gegen den Handball und für den Fußball entschied, ist bei der WM gesetzt - sie ist und bleibt die Nummer eins.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Angerer absolvierte 1999 in Giesing ihr Fachabitur, begann zunächst eine Ausbildung zur Kamerafrau, lernte dann den Beruf der Veranstaltungstechnikerin und absolvierte ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin. Als drittälteste Spielerin im deutschen Team will sie mindestens noch bis Olympia 2012 durchhalten, kann sich auch ein Engagement in den USA, Australien oder England vorstellen. Sponsoring-Verträge hat sie mit Adidas und einem Mittelständler.

Nadine "Nicht ohne meine Mütze" Angerer ist vielseitig interessiert; sie fotografiert, reist und taucht zum Beispiel gern, hört Reggae und Ska, gehört eher zur Partyfraktion. Das Magazin "Kicker" beschrieb sie als "angenehm verpeilt", manche nennen sie "das St. Pauli der Nationalmannschaft". Eine Arbeit später als Clubmanagerin kann Angerer sich kaum vorstellen - "wenn ich bei einem Verein spiele, will ich zwar auch wissen, wie er funktioniert. Aber ich glaube, ich wäre keine gute Managerin, was finanzielle Dinge angeht".

Erst einmal träumt sie davon, nach der Karriere mit einem eigenen Bus durch Afrika zu fahren. Kann sein, dass aus ihrem Hang zum Reisen sogar ein Beruf wird. Vielleicht Tauchlehrerin. Oder: "Es ist tatsächlich eine Idee von mir, irgendwo in Afrika einmal ein Backpacker-Hotel aufzumachen. Da hätte ich Bock drauf." Oder: eine Torwartschule. Oder: etwas ganz anderes. Die Ideen werden Nadine Angerer kaum ausgehen.

Lockenwunder Kim Kulig - tunnelte fies den Familienhund

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

Kim Kulig (Jahrgang 1990), Mittelfeld, Rückennummer 14

Verein: bisher Hamburger SV, bald 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Erst 21 und schon Stammspielerin in der Nationalelf - Kim Kulig befindet sich im rasanten Aufstieg. Als Kind war sie Leichtathletin und fuhr BMX-Rennen (Platz vier bei den Deutschen Meisterschaften), kickte im Garten mit dem Familienhund Buck ("Ich habe ihn oft getunnelt", sagte sie der "Zeit") und auf der Straße mit den Nachbarjungs, schlich sich heimlich zum Fußballtraining. Dann spielte sie fünf Jahre lang in Jungenmannschaften im Heimatort Poltringen und in Unterjesingen, später in Sindelfingen.

Wie so viele Nationalspielerinnen hat Kulig alle Jugend-Auswahlteams durchlaufen. Als Sechser, in einer Schlüsselposition, ist die selbstbewusste, schnelle, technisch versierte Spielerin bei der WM gesetzt. Ihr Lebensmotto "Mut und Leidenschaft" hat sie sich in arabischer Schrift auf den linken Arm tätowieren lassen.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Ihr Abitur am Hamburger Gymnasium Heidberg, einer "Eliteschule des Fußballs", erledigte sie mit der Durchschnittsnote 2,8 und fand das eher nebensächlich: "Ein schönes Tor finde ich besser als eine gute Note." Für den Herbst plant sie, ein Fernstudium zur Sportmanagerin aufzunehmen. "Ich liebe den Fußball, für den Kopf brauche ich aber noch etwas anderes nebenbei - und für später", sagte sie der "Frankfurter Rundschau".

Lange schlief sie in VfB-Stuttgart-Bettwäsche, ein Geschenk des früheren VfB-Managers Horst Heldt. Inzwischen ist ihr das zu uncool. Ein Traum aber bleibt: "dass der VfB Stuttgart mal eine Frauenmannschaft hat. Vielleicht werde ich dann dort die Managerin."

Manager und persönlicher Berater von "Kimi" alias "Kim Coolig" ist Siegfried Dietrich, der unter anderem auch Birgit Prinz und Nadine Angerer vermarktet, außerdem Nia Künzer, das "Golden Girl" der WM 2003. Ein Strippenzieher, immer an der Spitze der Fußballfrauenbewegung - der Frankfurter Clubpräsident ist eine Art Frauenfußball-Pate und hat ein Händchen für lukrative Werbeverträge. Davon profitiert auch Kulig; das Lockenwunder steht unter anderem bei einer Shampoo-Marke und einem Sportartikelfabrikanten unter Vertrag.

Babett Peter - ihr Zweitname ist "Hulk"

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

Babett Peter (Jahrgang 1988), Abwehr, Rückennummer 4

Verein: FFC Turbine Potsdam

  • Was bisher geschah:

Die Fußball-Karriere begann mit neun Jahren in ihrem Heimatort Oschatz, bei den Jungs. Später schaffte sie von Lokomotive Leipzig den Sprung in sämtliche DFB-Auswahlteams von der U15 aufwärts. Bei der WM 2007 war Babett Peter im Kader, blieb aber auf der Ersatzbank. Dafür holte sie 2008 Olympia-Bronze und absolvierte bei der EM 2009 alle sechs Spiele bis zum Titel. Peter hat Übersicht, ist zuverlässig, kopfballstark und schnell, aber keine Filigrantechnikerin. Bei der WM hat die Potsdamerin beste Einsatzchancen.

Die Mitspielerinnen nennen die Außenverteidigerin nicht nur Babs, auch "Hulk", wegen ihrer Athletik und ihres Fleißes gerade im Krafttraining. Schon als Kind litt Babett Peter unter einer Nervenkrankheit, die zu Teillähmungen der Gesichtsmuskulatur führte.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

2007 schaffte Peter das Abitur am Sportgymnasium Leipzig, obwohl sie "die Schule hasste", wie sie auf ihrer Homepage  schreibt. Und über Frauenfußballprofis: "Ich bin leider keiner." Und über Nienburg: "Hölle, Grundausbildung der Bundeswehr." Denn dort verpflichtete sie sich nach dem Abitur in einer Sportkompanie und begann im Herbst 2009 ein Sportmanagement-Fernstudium an der Europäischen Sportakademie Potsdam.

Sportsoldatin ist mehr ein offizieller Status als ein Beruf, die Uniform habe sie zuletzt 2007 angehabt, erzählte sie der "Sächsischen Zeitung". Neben Fußball und Studium ist sie auch Botschafterin eines SOS-Kinderdorfes.

Celia Okoyino da Mbabi - Sonnenschein und Senkrechtstarterin

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Celia Okoyino da Mbabi (Jahrgang 1988), Mittelfeld/Angriff, Rückennummer 13

Verein: SC 07 Bad Neuenahr

  • Was bisher geschah:

Fußballkarriere mit Turbo, Tochter eines Kameruners und einer Französin, - Sportreporter haben die Ausspracheübungen längst bewältigt. Direkt nachdem Celia Okoyino da Mbabi 2004 ihren deutschen Pass erhielt, debütierte das Riesentalent in der U19. Als 16-Jährige. Und schoss auch gleich den Führungstreffer. Und wurde im gleichen Jahr Weltmeisterin. So ging es weiter, wenngleich ein Schienbeinbruch 2007 ihren steilen Aufstieg bremste, später das Pfeiffersche Drüsenfieber.

Ihr Verein Bad Neuenahr druckt nur "Celia" aufs Trikot, der DFB den vollen Namen und machte sie auch zur "Integrationsbotschafterin". Im letzten November sprach sie bei Merkels Integrationsgipfel im Kanzleramt. Auf dem Platz überzeugte "Momo" oder auch "Öko" als Einwechselspielerin stets, erarbeitete sich allmählich den Status in der Startelf. Und fit ist sie kaum zu halten, immer so offensiv, wie die Trainerin sie lässt. Das bewies sie auch mit ihrem Sonntagstreffer im WM-Eröffnungsspiel gegen Kanada. Am Tag danach wird sie erst 23 Jahre alt.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

2007 schaffte sie das Abitur, Leistungsfächer Sport und Französisch, in Bonn, zweisprachig, so dass die Prüfung in Deutschland wie Frankreich gilt. Danach begann sie eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketing-Kommunikation sowie ein Studium der Kulturwissenschaft an der Universität Koblenz - "Fußball allein wäre für mich nicht befriedigend". Daneben wirbt sie für ein Elektronikunternehmen. Clever, fröhlich, ein Sonnenschein: Von Celia Okoyino da Mbabi wird man noch viel sehen und hören.

Fatmire Bajramaj - Tussi-Alarm

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Fatmire Bajramaj (Jahrgang 1988), Mittelfeld, Rückennummer 19

Verein: bisher FFC Turbine Potsdam, künftig 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Viel - vielleicht ein bisschen zu viel. Bajramaj ist die größte Aufsteigerin im deutschen Team, auf und neben dem Platz. Zunächst kickte die kleine Fatmire, die im Kosovo geboren wurde und als Vierjährige nach Deutschland kam, auf Bolzplätzen und im DJK/VfL Giesenkirchen, heimlich. "Mein Vater hätte es mir nie erlaubt, bis er eines Tages meinen Bruder vom Training abholen wollte und mich sah", schreibt sie auf ihrer Homepage . Schon mit 16 Jahren spielte sie für Duisburg in der Bundesliga und stand in allen Jugend-Auswahlteams des DFB, als 17-Jährige auch schon in der A-Elf und wurde 2007 Weltmeisterin.

Im offensiven Mittelfeld ist Bajramaj eine leidenschaftliche Dribblerin, dribbelt sich aber auch oft fest. Für die WM galt sie als Hoffnungsträgerin, als Fußballerin wie als "Gesicht der WM". Bereits mit 21 Jahren veröffentlichte sie ihre Autobiografie "Mein Tor ins Leben. Vom Flüchtling zur Weltmeisterin". Zuletzt allerdings mehrte sich die Kritik - weil Lira, wie sie alle nennen, keinen Stammplatz mehr hat und sich in PR-Aktivitäten verzettelte. Den Ruf als "Glamour-Girl" und Fußballdiva, mit dem sie oft selbstironisch spielt ("Ich bin gern eine selbstbewusste Tussi"), wird sie so leicht nicht mehr los. Trainerin Silvia Neid verpasste Bajramaj einen Dämpfer: "Ihr fehlt im Moment die Leichtigkeit." Und wechselte sie im ersten Spiel ein.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Nach ihrem Fachabitur entschied sich Bajramaj für eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin, brach sie aber ab, weil sie merkte, dass "die trockenen Zahlen nicht das Richtige für mich sind". Im Juli 2007 trat sie ihren Dienst bei der Bundeswehr an und ist in der Sportförderkompanie, was ihr für den Fußball alle Freiheiten lässt. Erst einmal zählt sie auch durch Werbeverträge zu den Besserverdienenden im deutschen Team. Für später träumt sie von einem eigenen Kosmetikstudio.

Teilzeitbeamtin Kerstin Garefrekes - in der Ruhe liegt die Kraft

Foto: dapd

Kerstin Garefrekes (Jahrgang 1979), Mittelfeld, Rückennummer 18

Verein: 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Sie zählt zu den längsten (1,79) und erfahrensten (126 Länderspiele) Spielerinnen, brillierte schon beim WM-Titel 2003 und nahm danach etliche weitere Siege mit. Früher spielte Garefrekes bei Vereinen in Steinbeck, Ibbenbüren und Rheine, seit sieben Jahren in Frankfurt. Was sie angeht, macht sie zuverlässig und konstant. Flink auf der rechten Außenbahn, torgefährlich, vielseitig - in der Nationalelf ist Kerstin Garefrekes seit vielen Jahren Stammkraft.

Wenn Lira Bajramaj das Glamourgirl im Team ist, dann ist Garefrekes der Gegenentwurf. Wie es sich für eine ordentliche Westfälin gehört, ist Rummel und Schnickschnack ihre Sache nicht. Ähnlich wie ihre Fahrensfrau Birgit Prinz hat Motorradfahrerin Garefrekes gern ihre Ruhe und pflegt auch ein ruhiges Hobby: Mit einiger Leidenschaft betreibt sie Geo-Caching, eine Art Schatzsuche und Schnitzeljagd durchs Gelände per GPS-Gerät.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Garefrekes setzte völlig andere Prioritäten als viele andere Fußballerinnen. Ihre Berufsausbildung war ihr stets wichtig. Nach dem Abitur in Ibbenbüren entschied sie sich für eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst. Sie absolvierte ein Studium an der Verwaltungs-Fachhochschule in Münster und arbeitete bis Ende 2004 als Stadtinspektorin beim Sozialamt Rheine, Schwerpunkt: Leistungsbewilligung bei Obdachlosen. Zur Sicherheit ließ Garefrekes sich vor dem Wechsel zum FFC freistellen, um später an ihren Arbeitsplatz zurückkommen zu können. In Frankfurt studierte sie bis 2008 Public Management, der Diplomarbeitstitel lautete "Strategisches Management im Vereinsfrauenfußball".

Für Kerstin Garefrekes, Spitzname KG, blieb der Fußball immer ein anspruchsvolles Hobby. "Ich lege Wert darauf, dass das nicht mein Beruf ist", sagte sie 2007 dem SPIEGEL. Unabhängigkeit ist ihr wichtig. Heute arbeitet sie in der Frankfurter Stadtkämmerei im Controlling fürs Dezernat Umwelt, "ohne Publikumsverkehr", mit einer flexiblen 21-Stunden-Woche. "Im Sport ist mein Verdienst zwar höher, aber das ist meine Zukunft", so Garefrekes. "Ich bin gut abgesichert, ich brauche nicht noch zusätzliche Werbeverträge: Mein Lebensziel ist es nicht, möglichst viel Geld zu verdienen. Die WM ist doch kein Schaulaufen. Ich will einfach nur gut Fußball spielen."

Eine Ikone - Birgit Prinz, Königin des Fußballs und Anti-Barbie

Foto: dapd

Birgit Prinz (Jahrgang 1977), Angriff, Rückennummer 9

Verein: 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Trampolinturnen und Leichtathletik probierte Prinz als Kind aus, in der C-Jugend kickte sie dann beim SV Dörnigheim. "In der Jugend spielte ich stets mit Jungs zusammen und erkannte: Die sind auch nicht besser als ich", so Prinz. Ihr Bundesligadebüt beim FSV Frankfurt gab sie im zarten Alter von 15 Jahren; beim ersten Treffer in der Nationalelf war sie erst 16.

Eine Elfe oder Gazelle ist sie nicht, erst recht keine Barbie, obwohl es inzwischen ein grotesk unähnliches 29-Zentimeter-Püppi nach ihrem Vorbild gibt. Birgit Prinz beeindruckt stets mit ihrem Antritt im Strafraum und ihrem wuchtigen Zweikampfverhalten. Das sorgte bei den WM-Titeln 2003 und 2007 für Aha-Effekte der Männer. Manche Spötter mussten einräumen, dass Prinz (im Sinne von: nur Prinz) bei den Rumpelfüßlern der Kreisliga B vielleicht doch eine Halbzeit gegen Oberrodenbach oder Mössingen mithalten könnte.

Nicht nur dort. Für großes Hallo sorgte 2003 die Offerte vom AC Perugia, als erste Frau bei den Kerlen der italienischen Erstliga mitzuspielen, dotiert mit einem Jahresgehalt von einer Million Euro. PR-Gag oder Ernst? Prinz überlegte und sagte ab; sie wolle spielen und nicht auf der Bank sitzen.

Der Frauenfußball ist inzwischen einen großen Schritt weiter, die Rekordnationalspielerin mit famosen 212 Länderspielen und 128 Toren immer noch da. Prinz ist eine Ausnahmesportlerin und eine Königin dieses Sports. Der Vergleich "Steffi Graf des Fußballs" ist so schlecht nicht, beide standen nie gern im Mittelpunkt und mieden den Medien-Rummelplatz. Prinz jedenfalls hat alles erreicht, was es im Frauenfußball zu erreichen gibt: reichlich nationale und Uefa-Titel, Torschützenkönigin der Bundesliga und der WM, zweimal war sie Weltmeisterin, gewann die letzten fünf Europameisterschaften. Auch Weltfußballerin des Jahres war sie bereits, dreimal in Folge.

Nur drei WM-Titel in Folge, die hat sie noch nicht. Birgit Prinz, die sich in der WM-Vorbereitung eine Bänderdehnung zuzog, arbeitet daran. Nach mäßigen Testspielen ist ihr der Stammplatz nicht mehr sicher, es hängt vom Turnierverlauf ab. Trainerin Silvia Neid spielte noch mit ihr zusammen und wird sie nicht so leicht fallenlassen. Einmal mehr will die Spielführerin entscheidende Tore schießen - bevor ihre Karriere in der Nationalelf endet und sie vollends zur Legende für kommende Fußballerinnen-Generationen wird.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Ihr Abitur legte Birgit Prinz 1997 ab und wurde danach zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin sowie zur Physiotherapeutin ausgebildet. 2005 begann sie ein Psychologiestudium in Frankfurt, um sich neue Perspektiven zu eröffnen. "Es hat mir einfach Spaß gemacht. Ich wollte gern an einer Uni studieren und nicht irgendein Fernstudium machen. Von daher hab ich mir auch Wünsche erfüllt, wie ich gern mein Leben leben möchte", so Prinz.

In ihrer langen Karriere zählt sie zu den bestbezahlten Fußballerinnen und hat zudem einige persönliche Sponsoren wie Nike und die Commerzbank, kann also die Zeit nach dem Fußball sorgloser angehen als andere. Bis dahin klebt sie vielleicht noch ein Jährchen oder zwei beim FFC Frankfurt dran. Um die beruflichen Pläne will Prinz sich erst nach der WM intensiv kümmern: "Es entwickelt sich alles sehr gut, aber es ist noch nichts spruchreif." Finanziell ausgesorgt habe sie nicht, aber das sei auch nicht relevant - "weil ich mir nicht vorstellen könnte, den Rest meines Lebens auf dem Golfplatz oder der Terrasse zu verbringen".

Linda Bresonik - durch Höhen und Tiefen

Foto: dapd

Linda Bresonik (Jahrgang 1983), Abwehr, Rückennummer 10

Verein: bisher FCR 2001 Duisburg

  • Was bisher geschah:

Auch sie dürfte zur Stamm-Viererkette gehören, in der rechten Außenverteidigung wie auf der anderen Seite die Potsdamerin Babett Peter. Oder sonst auch zentral vor der Abwehr. Zu kicken begonnen hatte sie als Fünfjährige. Linda Bresonik ist vielseitig, technisch stark, flink und gab schon mit 17 Jahren ihr Debüt in der Nationalmannschaft. Nach der WM 2003 gab es eine längere Pause, weil sie sich in der Vorrunde einen Bänderriss holte und enttäuscht abreiste - was Trainerin und Mitspielerinnen ihr krummnahmen.

In den Jahren darauf durchlebte sie tiefe Krisen, nach dem Tod ihrer Mutter und der Trennung von ihrer damaligen Lebensgefährtin und Mitspielerin, was auch für starke mediale Turbulenzen sorgte. Linda Bresonik setzte eine Weile aus und zweifelte an ihrer weiteren sportlichen Karriere: "Ob ich noch mal spiele, steht in den Sternen." Der Duisburger Verein trennte sich von ihr.

Nachdem sie bei den Fußballerinnen in ihrem Heimatort Essen wieder Fuß fasste, kehrte sie 2007 auch in die Nationalelf zurück, holte reichlich Titel und ist heute erste Wahl. In der Vorbereitung war sie Zimmergenossin von Nadine Angerer, musikalisch eine disharmonische Kombination: Die Torfrau mag The Clash, Ska und Reggae, die Abwehrspezialistin eher das Gegenteil - Phil Collins, Lionel Richie, Eros Ramazzotti und Elton John.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Linda Bresonik hat eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau abgeschlossen und war auch in diesem Beruf tätig, ist aber seit 2006 mit voller Kraft Profi-Fußballerin: "Wenn man nicht mehr arbeitet, ist man beim Fußball entspannter und befreiter. Man wälzt keine Gedanken mehr im Kopf, die man von der Arbeit mitgenommen hat. Ich denke, das spielt schon eine Rolle, da sich Fußball auch im Kopf entscheidet."

Vom FCR Duisburg trennt sie sich, die Heim-WM ist für die 65-fache Nationalspielerin eine gute Bühne für die Suche nach einem neuen Club. Später will sie sich selbständig machen, aber nicht im Fußball-Bereich - vielleicht mit einem Hundesalon, "wer weiß", wie sie dem "Kicker" erzählte: "Mir war immer klar, dass ich ein zweites Leben nach dem Fußball beginnen muss."

Alexandra Popp - furchtloses Fußballmädchen

Foto: Arne Dedert/ dpa

Alexandra Popp (Jahrgang 1991), Angriff, Rückennummer 11

Verein: FCR 2001 Duisburg

  • Was bisher geschah:

Sie ist erst 20, kann Verteidigung wie Sturm und macht gerade eine Kometenkarriere, die wie bei vielen Spielerinnen in Jungenteams begann. Als sie mit 14 in Silschede zu den Mädchen wechseln musste, wollte sie sogar aufhören, tat es dann doch nicht und überzeugte in den Jugend-Nationalteams. In der A-Elf ist der Jungstar nach etlichen Treffern in der WM-Vorbereitung eine feste Größe und setzt etablierte Spielerinnen wie Birgit Prinz und Inga Grings gehörig unter Erfolgsdruck.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Nicht nur auf dem Platz ist Popp quirlig und ziemlich angstfrei: An der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen, eine der "Eliteschulen des Fußballs" und Schalkes Nachwuchsinternat, war sie das einzige Mädchen, verschaffte sich schnell Respekt und legte nach der 12. Klasse ihr Fachabitur ab. Parallel zum Fußball absolviert Popp ein Jahrespraktikum als Physiotherapeutin, auf der Suche nach einem zweiten Standbein.

Lena Goeßling - die Abwehrkämpferin

Foto: Thorsten wagner/ dpa

Lena Goeßling (Jahrgang 1986), Abwehr, Rückennummer 20

Verein: bisher SC 07 Bad Neuenahr, demnächst VfL Wolfsburg

  • Was bisher geschah:

Mit der U19 wurde sie schon 2004 in Thailand Weltmeisterin und schrammte ein Jahr später im Finale knapp am Europameistertitel vorbei. Lena Goeßling kickt, seit sie Grundschülerin war, zunächst beim SV Löhne-Obernbeck, später in Sundern und Gütersloh und ab 2006 in Neuenahr.

In der Nationalelf spielte sie seit 2008 bisher 23 Mal - allerdings nicht bei Olympia in Peking, und auch aus dem Kader für die EM 2009 wurde sie kurzfristig gestrichen. Ihr Status ist derzeit Kämpferin und Einwechselspielerin, das aber regelmäßig. Goeßling kann Abwehr oder Mittelfeld und gilt als gute Alternative für die Innenverteidigung, wenn Annike Krahn oder Saskia Bartusiak ausfallen.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Die Schule absolvierte Lena Goeßling lustlos und absolvierte 2008 in einem Kaufhaus die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Inzwischen ist sie Soldatin in der Sportförderung der Bundeswehr, weil ihr das "ausgezeichnete Bedingungen bietet, um hochklassig Leistungssport betreiben zu können". Damit ist sie finanziell abgesichert, zusätzliche Einnahmen beschert ihr der Vertrag mit einem Haarpflegehersteller.

Ursula Holl, eine verheiratete Frau

Foto: dapd

Ursula Holl (Jahrgang 1982), Torfrau, Rückennummer 12

Verein: FCR 2001 Duisburg

  • Was bisher geschah:

Sie ist sozusagen Meisterin aller Klassen - Weltmeisterin 2007, doppelte Europameisterin, Uefa-Cup-Siegerin, vierfache deutsche Meisterin, und fünfmal hielt sie schon den DFB-Pokal in den Händen. Nur: Bei den Erfolgen der Nationalmannschaft kam Ursula Holl keine Sekunde zum Einsatz, denn ihr blieb nur die Ersatztorhüterin-Rolle hinter Nadine Angerer. In sechs Jahren DFB-Team absolvierte sie lediglich fünf Spiele, zudem war sie lange verletzt. Niemand zweifelt an ihren Keeper-Qualitäten - spielen wird sie aber wohl nur, wenn Nadine Angerer ausfällt.

Ganz offiziell ist Ursula Holl seit einem Jahr mit ihrer Freundin Carina verheiratet. So ein Outing eines aktiven männlichen Fußballers wäre heute noch spektakulär. Holl sagt, Diskriminierung habe sie "weder im Verein noch von Mitspielerinnen oder von Fans jemals erlebt". Die beiden hatten sich 2006 kennengelernt, als Sportwissenschaftlerin Carina in Frankfurt eine Studie zur Sprintverbesserung durchführte. Aus ihrem Gang zum Kölner Standesamt machen die beiden kein Geheimnis, aber auch keine große Sache - Ursula Holl will als Sportlerin wahrgenommen werden, nicht als Zugpferd der Regenbogen-Bewegung.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Nach dem Realschulabschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Zwecks beruflicher Weiterbildung in ihrer Tätigkeit für die Deutsche Bank absolvierte Holl, die als sehr diszipliniert und organisiert gilt, das Diplom als Bankfachwirtin und begann ein Fernstudium der Ernährungswissenschaften - "ein Steckenpferd, das ich mit professionellem Wissen anreichern will". Darüber hält sie auch Vorträge, vielleicht ein späterer Beruf.

Saskia Bartusiak - Zukunftsplanung vertagt

Saskia Bartusiak (Jahrgang 1982), Abwehr, Rückennummer 3

Verein: 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Sie ist bekenndes und praktizierendes "Frankfodder Mädsche", spielte als Kind auch Tennis, lernte das Kicken im Stadtteil Eschersheim ("Die Jungs haben immer bei uns geklingelt und gefragt, ob die Sassi zum Kicken rauskommt", erinnerte sich ihr fußballbegeisterter Vater, früher selbst aktiver Spieler). Raúl war einst ihr Vorbild; als sie mit 14 Jahren ein Probetraining beim FSV Frankfurt absolvierte, erschrak sie, weil "die große Birgit Prinz" sie aus der Kabine abholte: "Ich hatte echt Ehrfurcht." 2005 wechselte Bartusiak zum Stadtrivalen FFC und hamsterte gleich Titel - Welt- und Europameisterin, Uefa-Cup-Gewinn, mehrfache deutsche Meisterin und Pokalsiegerin.

2007 kam es zum Debüt in der Nationalmannschaft. In ihrer Karriere musste sie schon etliche Spiele von der Ersatzbank aus beobachten und zählt zu den Spätzündern. Sie spielte aber auch immer wieder stark auf, setzte sich durch. Und ist derzeit so prächtig in Form, dass sie mit ihrer Erfahrung aus 41 Länderspielen zur ersten Elf gehören dürfte, in der Innenverteidigung gemeinsam mit Annike Krahn.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Nach dem Abitur 2002 begann sie ein Studium der Sportwissenschaften an der Frankfurter Uni, Nebenfächer Sportmedizin und Pädagogik. Im Frühjahr hat sie es mit der Note 1,6 abgeschlossen, Thema der Magisterarbeit: "Die Entwicklung von sozioökonomischen Bedingungen im deutschen Frauenfußball am Beispiel von Nationalspielerinnen in der Zeit von 1997 bis 2009".

Verein, Nationalmannschaft, Studium - "ich krieg das alles schon einigermaßen unter einen Hut, alles eine Sache der Gewohnheit", so Bartusiak auf ihrer Homepage . Und wo sie sich in zehn Jahren sieht? "Ich bin nicht so der Zukunftsplaner. Ich lebe im Hier und Jetzt!"

Verena Faißt - so jung und schon ein Leitgolf

Foto: dapd

Verena Faißt (Jahrgang 1989), Abwehr, Rückennummer 15

Verein: VfL Wolfsburg

  • Was bisher geschah:

Später als viele andere Spielerinnen, nämlich mit elf Jahren, entdeckte sie den Fußball; die Familie hat eine starke Neigung zum Tischtennis. Vor fünf Jahren spielte Faißt für den SC Freiburg zum ersten Mal in der Bundesliga und wechselte vor der letzten Saison nach Wolfsburg. Mit 23 Jahren ist sie in diesem Mittelklasse-Team schon ein Leitgolf, sozusagen.

Nach Einsätzen für die U19, U20 und U23 spielt Faißt seit dem vergangenen Oktober auch im A-Team und musste nach einer Achillessehnenverletzung um ihre WM-Berufung bangen. Trotz nur drei Länderspielen entschied sich Trainerin Silvia Neid für sie; bei der WM ist Faißt aber in der Reservistenrolle. Ihr Spitzname lautet "Bones" - weil sie mit 58 Kilogramm bei 1,74 Metern Größe ein Leichtgewicht ist.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Im Sommer 2010 begann Verena Faißt eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation - in der Geschäftsstelle des VfL Wolfsburg. Für die 22-Jährige zählt zunächst die Karriere auf dem Platz, die Ausbildung sieht sie als guten Ausgleich zum Fußball.

Annike Krahn - Nebenerwerbssängerin im Pott

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Annike Krahn (Jahrgang 1985), Abwehr, Rückennummer 5

Verein: FCR 2001 Duisburg

  • Was bisher geschah:

Annike Krahn gibt bei ihrem Verein wie in der Nationalmannschaft eine resolute, schnörkellose Verteidigerin mit stets großem Einsatz. Bereits als Vierjährige fand sie in Bochum zum Fußball und als 17-Jährige in die Zweitligamannschaft von Wattenscheid 09. Hinten spielte sie immer - auch als Weltmeisterin mit der U19 und der A-Nationalmannschaft, 2009 als Europameisterin und Uefa-Cup-Siegerin.

Ein Kreuzbandriss im Knie brachte Krahn im letzten August aus dem Tritt, doch sie kämpfte sich schnell wieder heran. Auch wenn sie noch nicht wieder ihre beste Form erreicht hat, gilt sie für die WM als gesetzt. Zusammen mit ihrer Vereins-Mitspielerin Alexandra Popp und der Band Sportrock nahm sie das WM-Lied "Fußballsommer" auf.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Nach dem Abitur 2004 wusste sie, dass "man als Frauenfußballerin ein zweites Standbein braucht, die Alternative 'Profi' gibt es nicht". Also dachte Krahn früh an ihren Plan B: Im Sportstudium, Schwerpunkt Management, an der Bochumer Uni absolvierte sie auch ein Praktikum in der Marketingabteilung des VfL Bochum, schloss es 2010 mit dem Diplom ab und arbeitete danach beim WM-Organisationskomitee in Bochum. Damit ist es nach dem Turnier vorbei, "allerdings möchte ich mir dann auch einen Job neben dem Fußball suchen", schreibt sie auf ihrer Homepage .

Bianca Schmidt - das Laufwunder

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

Bianca Schmidt (Jahrgang 1990), Abwehr, Rückennummer 2

Verein: FFC Turbine Potsdam

  • Was bisher geschah:

In ihrer fußballbegeisterten Familie war es in Gera nicht weit zum Vereinsfußball, wo sie zunächst immer als einziges Mädchen in den Jungsmannschaften spielte - sogar bis zu den B-Junioren. Fußball war aber nicht ihre einzige Sportart: Schmidt betrieb auch Schwimmen als Leistungssport, machte Triathlon und war vor allem eine erstklassige Läuferin; 2002 wurde sie deutsche Vizemeisterin im Crosslauf. Trotzdem klagte sie 2006 nach dem Start bei Turbine über ungewohnte Beschwerden: "Mir haben die Beine noch nie so wehgetan wie nach den ersten Trainingstagen in Potsdam."

Von der Mittelstürmerin wurde "Schmidti" alias "Bibi" umgeschult für die Außenbahn und war mit bei der Europameisterschaft 2009 dabei, nachdem sie drei Jahre zuvor mit erst 16 Jahren erstmals für die deutsche A-Elf nominiert worden war. Als Vorbild nennt sie den französischen Stürmer Thierry Henry. Für die rechte Außenverteidigung zählt sie zur Stamm-Elf.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Das Abitur legte Bianca Schmidt am Sportgymnasium Potsdam ab. Zunächst dachte sie daran, Biologie zu studieren oder Polizistin zu werden. Polizei, das kann sie sich für später weiterhin vorstellen. Doch wie Babett Peter schloss sie sich erst einmal der Sportfördergruppe der Bundeswehr an und absolvierte den Grundwehrdienst ebenfalls in Nienburg. "Für mich bedeutet das Engagement bei der Bundeswehr, dass ich mich optimal auf die WM 2011 in Deutschland vorbereiten kann", sagte sie.

Melanie Behringer - gefürchtet für Spitzenschüsse und kleine Spitzen

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Melanie Behringer (Jahrgang 1985), Mittelfeld, Rückennummer 7

Verein: 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Auch die robuste Mittelfeldakteurin konnte schon reichlich Titel sammeln, vom WM-Sieg 2007 über die Olympia-Bronzemedaille 2008 bis zur Europameisterschaft 2009. U19-Weltmeisterin wurde sie obendrein. Fußballprofi wollte sie schon als Zehnjährige werden, nachdem sie mit ihren vier Brüdern zunächst viel gebolzt und dann in einer Utzenfelder Jungen-Mannschaft gespielt hatte. Einmal schoss Behringer in einer Saison satte 65 Tore, und das aus dem Mittelfeld heraus.

Ihr Weg führte über Hausen, Freiburg und Bayern München nach Frankfurt, über die U19 und U21 in die A-Elf. Behringer, Spitzname Mel oder Mellie, ist eine lauffreudige offensive Spielerin mit starker rechter Klebe; damit gelang ihr einmal das "Tor des Monats". Ihre Freistöße und Distanzschüsse sind gefürchtet. Ihre gelegentlichen spitzen Bemerkungen auch. Zu den WM-Einsatzchancen: Die Trainerin stelle nach Leistung auf, nicht nach Medienpräsenz (schönen Gruß an Lira Bajramaj, Mittelfeldrivalin wie auch Celia Okoyino da Mbabi - zum WM-Auftakt gegen Kanada spielten alle drei). Zum kleinen Unterschied zwischen Männer- und Frauenfußball: "Wir rasieren uns die Beine, die nicht."

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Nach der Mittleren Reife absolvierte sie ihre Ausbildung zur Bürokauffrau in einer Denzlinger Druckerei, die sie danach übernahm; außerdem bildete sie sich per Fernstudium fort und ist seit dem letzten Dezember IHK-Sportfachwirtin. Bei Bayern München hat Behringer auch die Trainer-B-Lizenz erworben, eine weitere berufliche Option.

Simone Laudehr - ein Bauchfrei-Bild ging um die Welt

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

Simone Laudehr (Jahrgang 1986), Mittelfeld, Rückennummer 6

Verein: FCR 2001 Duisburg

  • Was bisher geschah:

Bereits mit drei Jahren kickte die kleine Simone bei den "Bambini", war als Kind aber auch jahrelang in der Tennis-Bayernauswahl. Ihre Clubstationen im Fußball: Tegernheim, Regensburg, Bayern München, seit sieben Jahren Duisburg - und immer Leistungsträgerin. Weltmeisterin wurde sie erst mit der U19, dann 2007 mit der A-Elf und köpfte das entscheidende 2:0 gegen Brasilien , ein "Tor des Monats".

Weil sie danach das Trikot bis zum Hals lupfte, ging das Foto vom Waschbrettbauchjubel um die Welt. Da war sie 21. Alle Heiratsanträge schlug sie aus. "Es ging damals von null auf hundert - viel zu schnell für eine junge Spielerin", sagte Laudehr später. Sie brauchte eine Weile, um wieder die Balance zu finden. Die Kolleginnen nennen die laufstarke Spielerin, eine der Motorradfahrerinnen im Team, "Kilometerfresser" oder auch, englisch ausgesprochen, "Simon".

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Eine Einladung zur Nationalelf 2006 sagte Laudehr zunächst ab, der Beruf hatte Vorfahrt - sie stand kurz vor der Abschlussprüfung ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau in Straelen an der niederländischen Grenze. 2007 ging sie zur Sportfördergruppe Warendorf der Bundeswehr.

Ihre 55.000 Euro WM-Prämie aus dem gleichen Jahr legte sie ganz konservativ in einen Bausparvertrag an und will im Herbst ein Studium beginnen, Sportmanagement oder -marketing. "So etwas muss man vor 28 anfangen", sagt Laudehr dem "Kicker", "sonst bin ich an der Uni die Oma."

Inka Grings - und es hat Bumm gemacht

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Inka Grings (Jahrgang 1978), Angriff, Rückennummer 8

Verein: FCR 2001 Duisburg

  • Was bisher geschah:

Mehr Tore als Inka Grings hat in der Frauen-Bundesliga keine geschossen - 350 Treffer erzielte sie bisher und wurde Fußballerin des Jahres 1999, 2009, 2010. Dass sie aus allen Lagen trifft, trug ihr den Beinamen "Incredible Inka" ein. Weltmeisterin allerdings wurde sie bisher nicht.

Tiefen hat Grings allerlei erlebt: lange Verletzungspausen; Querelen in ihrem Duisburger Verein, als sie die Entlassung des Trainers forderte ("Er oder ich"); Tod des Vaters; gescheiterte Beziehungen mit Mitspielerinnen. Und auch Beschwerden über Nichtnominierungen in der Nationalelf - dort musste sie drei Jahre lang aussetzen und verpasste unter anderem die WM 2007.

Einen Einstand nach Maß feierte sie bei ihrer Rückkehr im Februar 2009: Nach 78 Sekunden machte es Bumm, Grings hatte zum 1:0 gegen China eingelocht. Seitdem zählt sie wieder zum festen Personal, schwächelte aber in den Testspielen vor der WM. Wie Birgit Prinz spürt Grings die Offensivkonkurrenz durch junge Aufsteigerinnen wie Alexandra Popp oder Celia Okoyino da Mbabi.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Beim Fußballverband Niederrhein absolvierte Grings eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Von Oktober 2002 bis 2005 war sie als Zeitsoldatin bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr und arbeitete danach als Versicherungsmaklerin, zunächst Vollzeit, später nur noch nebenberuflich, damit mehr Zeit für den Fußball blieb. Eine Arbeit als Personal Coach im Fitnesstraining kann sie sich nach dem Fußball vorstellen und will nach der WM den Trainerschein machen, "für alle Fälle", wie sie dem "Kicker" sagte.

Ariane Hingst - Teil der Schweden-Connection

Foto: dapd

Ariane Hingst (Jahrgang 1979), Mittelfeld, Rückennummer 17

Verein: 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Sie zählt im deutschen Team zu den Routiniers, mit 173 Länderspielen, zwei WM- und vier EM-Titeln sowie drei olympischen Bronzemedaillen. Viele Jahre spielte die Berlinerin bei Hertha 03 Zehlendorf, später in Potsdam, in Schweden und dann in Frankfurt. Immer wieder plagten sie Knieverletzungen, doch sie kämpfte sich mehrfach zurück. In die WM geht sie als Reservistin und will danach wie Birgit Prinz ihre internationale Karriere beenden.

Beim FFC Frankfurt ist die Motorradfahrerin Teil der Schweden-Connection und lebte nach ihrer Rückkehr nach Deutschland mit der schwedischen Spielerin Sara Thunebro und mit Torhüterin Nadine Angerer, die zuvor ebenfalls ein Gastspiel in Schweden gegeben hatte, in einer Wohngemeinschaft im Taunus. Inzwischen ist sie in die Frankfurter City gezogen.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Nach dem Abitur 1998 absolvierte "Ari" zwei Ausbildungen: erst zur Bankkaufrau, das fand sie auf Dauer zu trocken. Dann zur Physiotherapeutin, daraus ergebe sich "die Möglichkeit, auch nach der Karriere dem Sport verbunden zu bleiben", sagte Hingst. In Schweden arbeitete sie bereits als Physiotherapeutin, in der Eishockeyabteilung ihres Clubs. Konkrete berufliche Pläne für die Zeit nach dem Fußball hat Hingst noch nicht, aber schon mal über eine Tauchschule in Thailand nachgedacht.

Martina Müller - ein Sturm-Joker

Foto: dapd

Martina Müller (Jahrgang 1980), Angriff, Rückennummer 16

Verein: VfL Wolfsburg

  • Was bisher geschah:

Der Name Müller ist für Stürmer und Stürmerinnen immer eine gute Empfehlung. Mit der Nationalelf wurde Martina Müller je zweimal Welt- und Europameisterin, hatte aber eine Jokerrolle und blieb immer etwas im Schatten von Birgit Prinz und Inga Grings. Schon werfen nun jüngere Spielerinnen Schatten, zudem laboriert Müller noch an einer Oberschenkelzerrung. Ihre Spitznamen lauten "M+M" - das erklärt sich von selbst - sowie ChiCo, weil sie Chips und Cola mag.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Martina Müller ist gelernte Bürokauffrau und hätte beinah den Sprung in die US-Profiliga der Frauen geschafft. Doch just als sie 2003 nach Philadelphia wechseln wollte, segelte die Liga in die Pleite - aus der Traum vom vollen Beruf Fußballerin. Stattdessen ging sie 2003 zur Sportfördergruppe der Bundeswehr in Köln-Longerich. "Der Aufwand bei uns ist so groß wie bei den Männern. Aber ich habe immer im Kopf: Was ist denn, wenn ich verletzt aufhören muss? Was ist nach dem Fußball?" Müller hat sich abgesichert, in Wolfsburg arbeitet sie halbtags in der Geschäftsstelle des VfL.

Almuth Schult - die Azubine

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Almuth Schult (Jahrgang 1991), Torfrau, Rückennummer 21

Verein: Magdeburger FFC, demnächst SC 07 Bad Neuenahr

  • Was bisher geschah:

Sie ist sozusagen Nationalteam-Azubi. Die junge Torhüterin ist die einzige Zweitligaspielerin im Kader und auch die einzige, die noch auf ihr Debüt wartet. Denn bisher hat sie noch kein Länderspiel absolviert und dürfte als Nummer drei auch bei der WM kaum zum Einsatz kommen. Trotzdem hat sie vielen Mitspielerinnen etwas voraus: nämlich WM-Erfahrung im eigenen Land und zudem einen Weltmeistertitel - 2010 mit den U20-Juniorinnen.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Almuth Schult, eine der Jüngsten im Team, ist neben dem Fußball Sportstudentin an der Universität Magdeburg. Vor der WM hat sie sich ein Urlaubssemester genommen und will im Herbst an die Deutsche Sporthochschule in Köln wechseln. Beim SC Neuenahr hat sie gerade einen Vertrag bis 2014 unterschrieben, ihre weitere Zukunftsplanung hat noch Zeit.

Silvia Neid, Chefin vons Ganze - she's a lady

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Silvia Neid (Jahrgang 1964), Bundestrainerin

  • Was bisher geschah:

Silvia Neid ist eine Pionierin des Frauenfußballs - auf dem Platz wie als Trainerin. Nach ihrem dritten Europameistertitel 1995 sattelte sie um und lernte das Coach-Handwerk von der damaligen Bundestrainerin Tina Theune-Meyer, die sie zehn Jahre später ablöste. 2007 wurde sie Welt-, 2009 Europameisterin und 2010 Welttrainerin des Jahres. Ein Teil ihrer Spielerinnen darf sie aus alter Verbundenheit "Silv" nennen, die anderen sagen "Frau Neid".

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Nach dem Realschulabschluss lernte Neid einst den Beruf der Fleischereifachverkäuferin. In Siegen arbeitete sie eine Weile als Auslieferungsfahrerin im Blumenhandel ihres langjährigen Vereinstrainers, organisierte später dort den Ein- und Verkauf, nachdem sie eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau absolviert hatte. Einige Monate war sie auch bei der Siegener AOK. "Wenn es mit dem Fußball nicht geklappt hätte, wäre ich Tänzerin geworden", sagte sie einmal der "FAZ".

Heute leitet sie ein "40-Mann-Unternehmen", wie Neid selbst sagt. Einen Plan B braucht sie nicht mehr: Fünf Tage vor dem WM-Start verlängerte der DFB ihren Vertrag vorzeitig um drei weitere Jahre bis 2016. Es fand sich niemand, der daran herummäkeln mochte. Denn alle (bis auf Turbine-Potsdam-Trainer Bernd Schröder, ein notorischer Mäkler) sind sich einig, dass Neid ein Glücksfall für den deutschen Frauenfußball ist. Und umgekehrt: "Meiner Meinung nach habe ich den schönsten Job der Welt", so Silvia Neid.